Mateschitz will Servus TV doch weiterführen

4. Mai 2016, 16:42
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Kündigungen werden zurückgenommen – Mehrheit der Mitarbeiter lehnt Betriebsrat ab

Salzburg – Wende der Wende in Sachen Servus TV: Dietrich Mateschitz hat es sich anders überlegt. Er will den Sender offenbar doch nicht aufgeben. "Mittwochnachmittag trafen sich die Verantwortlichen von Arbeiterkammer, Gewerkschaft und Red Bull. Basierend auf gegenseitiger Akzeptanz und Respekt sowie dem Verständnis der jeweiligen Positionen und Standpunkte kam es zu einem konstruktiven Gespräch betreffend Servus TV", heißt es in einer Aussendung.

Mehrheit der Mitarbeiter lehnt Betriebsrat ab

Die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter lehne einen Betriebsrat ab. "Im Gespräch mit AK und ÖGB wurde diese Haltung der Belegschaft respektiert und damit bestehende Vorbehalte beseitigt". Grundsätzlich kann ein Betriebsrat in jedem Betrieb mit mindestens fünf Arbeitnehmern gewählt werden.

Somit sei auch die "Fortsetzung der partei-politischen unabhängigen Linie" von "allen Beteiligten begrüßt" worden. Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz will daher den Sender weiterführen, die Kündigungen werden zurückgenommen. Warum die Installierung eines Betriebsrats, dem Kanal gleich eine "partei-politische" Note zulasten der Unabhängigkeit geben würde, führte Mateschitz nicht aus. Auf STANDARD-Anfrage bei Servus TV heißt es, dass die Weiterführung des Senders nicht zeitlich befristet sei.

Geplante Initiative

Am Dienstag war wie berichtet das Ende von Servus TV verkündet worden, 264 Mitarbeiter wären von einer Kündigung betroffen gewesen. Zuerst hieß es in einer Aussendung, dass das Ende mit der Marktentwicklung zusammenhänge. Der Sender sei "wirtschaftlich untragbar". Die Reichweiten stagnieren, der Marktanteil lag 2015 bei 1,7 Prozent in der Gesamtbevölkerung ab 12 Jahren.

Mateschitz bestätigte allerdings später, dass eine geplante Betriebsratsgründung der Anlass war. Es habe eine entsprechende Initiative per anonymem Mail, "unterstützt von Gewerkschaft und Arbeiterkammer", gegeben. Das widerspreche dem Prinzip der Unbeeinflussbarkeit und Eigenständigkeit des Senders, das durch eine solche Betriebsratsgründung "nachhaltig beschädigt" worden wäre, so der Red-Bull-Boss.

Die Gewerkschaft reagierte empört. Tatsächlich soll nur eine Doodle-Umfrage zirkuliert sein, um innerhalb der Belegschaft auszuloten, ob es eine Mehrheit für die Gründung eines Betriebsrats gäbe. Das habe Mateschitz schon so erzürnt, dass er kurzerhand beschloss, dem Sender den Saft abzudrehen. Zwei Wochen vorher versicherte der Red-Bull-Boss seinen Mitarbeitern noch, dass er nicht an die Einstellung von Servus TV denke. Am Mittwoch zeigte sich die Gewerkschaft erleichtert über den Weiterbetrieb von Servus TV. Gerald Forcher, Geschäftsführer der GPA-djp Salzburg, betonte, dass sich die GPA-djp nie in die inneren Angelegenheiten des Senders eingemischt habe, mehr dazu hier.

Offener Brief

Über 200 Mitarbeiter unterschrieben dann Dienstag am Nachmittag einen Offenen Brief, in dem sie sich gegen einen Betriebsrat aussprachen. "Die anonyme Umfrage über die mögliche Gründung eines Betriebsrates unterstützen wir – und das ist die überwältigende Mehrheit aller Mitarbeiter von Servus TV – ausdrücklich nicht", hieß es darin. "Wir wollen und brauchen keinen Betriebsrat."

Servus TV wurde 2009 gegründet. Mateschitz, dessen Vermögen "Forbes" auf über 13 Milliarden Dollar schätzt, steckt jährlich knapp dreistellige Millionenbeträge in den Sender. Servus TV galt seit der Gründung als Experimentierfeld für seine internationalen TV-Pläne, die er – wie berichtet – mit Global TV realisieren möchte. (red, APA, 4.5.2016)

  • Dietrich Mateschitz nimmt die Kündigungen zurück, Servus TV bleibt bestehen.
Ausgewählte Reaktionen auf Twitter:
    foto: apa-foto: barbara gindl

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