Servus TV: Knapp 10 Jahre dauerte der Red Bull-Ausflug ins Privat-TV

3. Mai 2016, 14:05
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Salzburg TV 2007 gekauft, 2009 Neustart unter dem Motto Servus – Heimat und Qualität als Anspruch – Gute Kritiken, schwache Quoten

Wien/Fuschl – Nicht einmal zehn Jahre hat der Ausflug von Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz ins klassische Privatfernsehen gedauert. Mit 2007 erwarb er den Regionalsender Salzburg TV, im Herbst 2009 startete man die Marke Servus TV. Und im Frühsommer 2016 könnte diese wieder Geschichte werden. Angetreten als Qualitätsfernsehen, erntete Servus gute Kritiken, fuhr aber schwache Quoten ein.

Regionalsender Salzburg TV

Der Regionalsender Salzburg TV, einst gegründet vom Fernsehpionier Ferdinand Wegscheider, gehörte am 1. Jänner 2007 offiziell der Mediengruppe von Mateschitz. Und da der Red-Bull-Boss im allgemeinen nicht zu kleckern beliebt, rechneten Branchenkenner mit Großem. Man ließ sich aber vorerst Zeit mit der Neupositionierung.

Im Herbst 2009 schließlich startete der Sender mit dem Namen Servus TV in ein neues Leben. "Niveauvolle Unterhaltung" mit starker regionaler Schlagseite war die Devise. Nicht auf Film- und Serienware setzte man, sondern auf einen öffentlich-rechtlichen Anstrich mit Wohlfühl-Faktor unter dem "Heimat"-Motto. Man ging mit einer Mischung aus Dokumentationen, Information und Kultur on air, mit Gesprächsrunden und Naturfilmen. Für letztere angelte sich das Red Bull Media House zwei Jahre später auch die "Universum"-Macher, die fortan unter der Marke "Terra Mater" Flora und Fauna filmten.

Martin Blank als Geschäftsführer

2010 wechselte Martin Blank, davor Puls 4, nach Wals und führte den Sender bis diesen Frühling als Geschäftsführer. Im April gab es eine größere Rochade. Blank ging, auch der frühere Burgtheater-Direktor und interimistische Servus-Programmdirektor Matthias Hartmann gab die Programmagenden ab. Harald Maier übernahm die Kaufmännische Leitung. Als Intendant kehrte Wegscheider an die Senderspitze zurück. Schon 2014 hatte er wieder angeheuert, als Ressortleiter Information und Aktuelles.

Immer wieder holte sich der Sender renommierte Namen vor und hinter die Kamera, die personelle Fluktuation blieb aber hoch. Gute Noten erhielt Servus TV von den Kritikern für seine Formate wie "Talk im Hangar 7", Dokus und die TV-Information. Für eine Kooperation mit der Journalistengruppe "Dossier" gab es 2014 den Robert-Hochner-Preis.

Kooperation mit der "Kronen Zeitung"

Auch, dass der Red-Bull-Sender Sport ins rechte Licht zu rücken wusste, überraschte wenig. Mit gemischten Gefühlen nahm die Medienbranche die Kooperation mit der "Kronen Zeitung" auf, mit der man beim Bundesländer-Magazin "Servus Krone" kooperierte und dafür eine Programmseite täglich im Kleinformat erhielt.

Kein durchschlagender Erfolg war das Morgenmagazin – "Servus am Morgen" brachte es 2015 auf 3,5 Prozent Marktanteil, weit hinter dem "Cafe Puls" von Blanks früherem Arbeitgeber. 2015 wurde die Frühschiene auf zwei Stunden verkürzt.

Quoten...

Überhaupt, die Quoten – da kam Servus TV nie so richtig vom Fleck. 2012 übersprang man erstmals die Ein-Prozent-Marke beim Marktanteil (Zielgruppe ab zwölf) auf 1,2 Prozent. 2013 und 2014 waren es 1,5 Prozent und 2015 1,7 Prozent. Über 2 Prozent im Monatsschnitt gab's nicht allzu oft – etwa, wenn Felix Baumgarter für Red Bull aus dem Weltall auf die Erde sprang.

Ob das reichte, um Red-Bull-Chef Mateschitz zufriedenzustellen, bezweifelte so mancher, öffentliche Äußerungen dazu gab es nicht. Den Redseligkeit ist seine Sache bekanntlich nicht, er lässt sich nie in die Karten schauen, was die Strategien für sein mittlerweile weitverzweigtes Imperium angeht. Dass er auch schon mal spontan agiert, ist allerdings auch bekannt. Und so kann – bis es vielleicht doch ein Statement gibt – die Branche wohl nur mutmaßen, wann und warum er "Servus" zu Servus TV sagte. (APA, 3.5.2016)

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