Servus TV: Bestürzung in Branche und Politik

3. Mai 2016, 15:44
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RTR-Grinschgl: "Erheblicher Verlust" – VÖP: "Alarmsignal" – Cap: "Bedauerlich" – McDonald: "Schade" – Opposition fordert Reform der ORF-Gebührenfinanzierung

Wien – Medienbranche und -politik haben am Dienstag gleichermaßen bestürzt das angekündigte Aus für den Privatsender Servus TV zur Kenntnis genommen. RTR-Medienchef Alfred Grinschgl sprach von einem Verlust, der Verband Österreicher Privatsender sah ein "Alarmsignal" für die Medienpolitik. Die Mediensprecher von SPÖ und ÖVP äußerten Bedauern, die Opposition forderte Reformen.

SPÖ-Mediensprecher Josef Cap

"Wirklich bedauerlich" findet SPÖ-Mediensprecher Josef Cap die angekündigte Einstellung. Die Fernsehmacher hätten sich "wirklich bemüht" und einen "gut gemachten Kanal" produziert, sagte er im APA-Gespräch. Nun würden "hoch qualifizierte Mitarbeiter" ihren Job verlieren und "natürlich die Breite des Angebots eingeschränkt".

ÖVP-Mediensprecher Peter McDonald

ÖVP-Mediensprecher Peter McDonald bezeichnete das Aus für Servus TV als "sehr schade für die österreichische Medienlandschaft", hieß es in einem Statement. "Österreich verliert damit einen Sender, der durch qualitätsvoll aufbereitete Inhalte, aber auch Nischenprogramme eine große Bereicherung dargestellt hat."

FPÖ

Die FPÖ forderte in ihrer Reaktion eine Reform der TV-Finanzierung, denn Servus TV "entspricht in seiner Programmgestaltung und seinen Inhalten in weiten Teilen deutlich mehr dem Anspruch an einen öffentlich-rechtlichen Sender als der von Zwangsgebühren genährte ORF", wie Mediensprecher Herbert Kickl in einer Aussendung schrieb.

NEOS

Auch NEOS-Mediensprecher Niko Alm findet, die Servus-Einstellung sei Anlass, über die Gebühren nachzudenken. Er sei "natürlich nicht erfreut, wenn ein privater Anbieter von öffentlich-rechtlichen Inhalten, ein Medium weniger im Markt angiert", meinte er auf APA-Anfrage. "Das zeigt einmal mehr, dass man darüber nachdenken muss, ob man nicht die Förderung öffentlich-rechtlicher journalistischer Inhaltsproduktion anders aufstellt als auf einen Öffentlich-Rechtlichen zu konzentrieren." Das Team Stronach forderte in Person von Mediensprecher Christoph Hagen ebenfalls ein "Umdenken" bei der ORF-Finanzierung.

Alfred Grinschgl, Geschäftsführer RTR-GmbH

Grinschgl, Geschäftsführer des Fachbereichs Medien der RTR-GmbH, verlieh seiner "Bestürzung" Ausdruck. "Servus TV war ein privates Fernsehprogramm, das mit inhaltlich und technisch hochwertigen Produktionen in erheblichem Maß zum public value auf unserem TV-Markt beigetragen hat", schrieb er in einer Aussendung. "Die Einstellung des Programms ist ein erheblicher Verlust für die österreichische Medienlandschaft. Wir denken dabei aber auch an die vielen Mitarbeiter, die sich mit Herzblut für das Programm eingesetzt haben."

Swoboda

Ernst Swoboda, Vorstandsvorsitzender des VÖP, reagierte "schockiert" und betonte, dass die derzeitigen Rahmenbedingungen "massiv die Entwicklung eines wirtschaftlich tragbaren, privaten Rundfunkmarkts" behinderten. Der Sender habe "hochqualitative, teilweise öffentlich-rechtliche Inhalte privat finanzieren" müssen, und sein Ende sei nun die "bittere Konsequenz" einer Medienpolitik, die den ORF zugleich "mit Gebühren Kommerz-TV" betreiben lasse. (APA, 3.5.2016)

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