Katzian nach Aus für Servus TV: "Haben uns nie eingemischt"

4. Mai 2016, 12:06
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Betriebsratsgründung nicht Initiative der Gewerkschaft – Anonyme Doodle-Umfrage erzürnte Red-Bull-Boss Mateschitz

Wien – "Entsetzt" ist Wolfgang Katzian nach dem angekündigten Ende von Servus TV. Der Chef der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) sagte im Ö1-"Morgenjournal", dass sich die Gewerkschaft nicht den Schwarzen Peter von Didi Mateschitz zuschieben lasse: "Ich bin entsetzt, es ist ihm nicht würdig." Er habe "überhaupt kein Verständnis, wenn hier mit solchen Einschüchterungsmaßnahmen" gearbeitet werde, sagte Katzian. Der wahre Hintergrund für das Aus des Senders sei wohl der "heiß umkämpfte Medienmarkt" und der Quotendruck.

Wie am Dienstag bekannt wurde, soll eine mögliche Betriebsratsgründung das Fass für Red-Bull-Chef Didi Mateschitz zum Überlaufen gebracht haben. Eine anonymisierte E-Mail mit einer Doodle-Umfrage, ob bei den Mitarbeitern grundsätzliches Interesse vorhanden sei, einen Betriebsrat zu gründen, soll Mateschitz nach STANDARD-Infos bereits gereicht haben. Auf diese Initiative hin soll sich ein Mailverkehr mit Argumenten der Befürworter und Gegner eines Betriebsrates entwickelt haben, wobei sich mehr Gegner zu Wort gemeldet hätten.

Plötzlicher Sinneswandel

Zwei Wochen zuvor habe Mateschitz auf die dezidierte Frage, ob er an eine Einstellung von Servus TV denke, noch mit "Nein" geantwortet haben, erzählen Mitarbeiter. Servus TV hatte sich etwa erst im April weitere Sportrechte gesichert. Spekuliert wird, ob Mateschitz mit dem Ende für Servus TV eine Signalwirkung an andere Red-Bull-Firmen aussenden wollte, sich nicht gewerkschaftlich zu organisieren. Von einem erfolgreichen Unternehmer sei so eine irrationale Entscheidung nicht erwartet worden, heißt es aus Mitarbeiterkreisen.

Gewerkschafter Katzian bestreitet, dass die Arbeitnehmervertreter etwas mit dieser Initiative zu tun hatten: "Wir haben uns nie eingemischt." Und die Gewerkschaft werde sich auch in Zukunft nicht einmischen.

AK und Gewerkschaft empört

Ähnlich reagierte zuvor bereits Gerald Forcher, Geschäftsführer der GPA-djp Salzburg: "Die jetzt an den Tag gelegte Haltung ist eines Herrn Mateschitz nicht würdig", lässt er sich in einer gemeinsamen Aussendung mit dem Salzburger Arbeiterkammerpräsidenten Siegfried Pichler zitieren. "Was soll an der Vorgehensweise über Betriebsratswahlen nachzudenken nicht dienlich sein?", fragt Pichler, der betont, dass gewerkschaftliche Organisation ein Grundrecht sei.

Mateschitz: "Nicht gerade dienlich"

Mateschitz selbst hatte am Dienstag betont, dass diese Initiative zur Gründung des Betriebsrats für Servus TV mit dem Aus des Senders zusammenhänge. "Dass diese Vorgehensweise bei der Entscheidung in der aktuellen Situation nicht gerade dienlich war, ist evident", erklärte er in einem Statement. Mateschitz sprach davon, dass der Betriebsrat "anonym, unterstützt von Gewerkschaft und Arbeiterkammer" zustande gekommen wäre. Doch "Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Unbeeinflussbarkeit insbesondere durch politische Parteien, egal welcher Richtung, war von Anfang an ein tragender Pfeiler von Servus TV", so Mateschitz. Diese hätte eine Betriebsratsgründung auf diesem Wege "nachhaltig beschädigt".

Offener Brief der Mitarbeiter

Über 200 Mitarbeiter des vor dem Aus stehenden Fernsehsenders Servus TV haben am Dienstag einen Offenen Brief unterschrieben, in dem sie sich gegen einen Betriebsrat aussprechen. "Die anonyme Umfrage über die mögliche Gründung eines Betriebsrates unterstützen wir – und das ist die überwältigende Mehrheit aller Mitarbeiter von ServusTV – ausdrücklich nicht", heißt es in dem der APA vorliegenden Schreiben.

"Wir wollen und brauchen keinen Betriebsrat", halten die Mitarbeiter fest. "Darüber hinaus verbitten wir uns ausdrücklich jedwede (auch gewerkschaftliche) Einmischung und Stellungnahme von außen." Ihnen sei kein Unternehmen bekannt, das einen derart sozialen und loyalen Umgang mit seinen Mitarbeitern pflegt, wie Servus TV bzw. Red Bull." Es gebe zudem mehrere Hinweise, dass die anonyme Initiative womöglich von außerhalb des Unternehmens angestoßen wurde. (red, APA, 4.5.2016)

  • Wolfgang Katzian: "Wir sind entsetzt über diese Vorgehensweise."
    foto: apa/hochmuth

    Wolfgang Katzian: "Wir sind entsetzt über diese Vorgehensweise."

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