Samsung-Prozess legt Apple-Geheimnisse offen

  • Der verstorbene Apple-Chef Steve Jobs mit dem iPhone 4S - beim Prozess gegen Samsung sickern nun zahlreiche Informationen an die Öffentlichkeit.
    foto: dapd

    Der verstorbene Apple-Chef Steve Jobs mit dem iPhone 4S - beim Prozess gegen Samsung sickern nun zahlreiche Informationen an die Öffentlichkeit.

iPhone-Prototypen, Infos über die Arbeit des Design-Teams und Verteidigungsstrategien sickern an die Öffentlichkeit

Mit dem vielbeachteten Patentprozess zwischen Apple und Samsung werden zahlreiche Informationen an die Öffentlichkeit gewaschen, die Apple bislang geheim halten konnte. So sind bereits in der ersten Woche Details zur Design-Entwicklung von iPhone und iPad bekannt geworden.

Prototypen und 7-Zoll-iPad

Die Gerichtsunterlagen zeigen eine Reihe von Prototypen, die Apple für das iPhone entworfen hatte. Auch wurde bekannt, dass Apple-Executive Eddy Cue dem Firmenchef Tim Cook im vergangenen Jahr zur Entwicklung eines iPads mit 7 Zoll großem Display geraten hatte. Vor allem diese Information liefert weiteren Zündstoff für die Spekulationen um ein sogenanntes iPad Mini, das im Herbst vorgestellt werden könnte.

Budget aufgedeckt

Marketing-Chef Phil Schiller wiederum legte das Werbebudget für iPhone und iPad offen: Apple habe für sein Smartphone alleine in den USA seit der Einführung im Jahr 2007 bis 2011 insgesamt 647 Millionen US-Dollar ausgegeben. Der Etat für das iPad habe bislang 457 Millionen Dollar betragen.

Entwicklungs-Details

Vice President Scott Forstall gab vor Gericht einen Einblick in die Arbeit des Design-Teams des iPhones, wie das Wall Street Journal berichtet. Dafür seien keine externen Leute hinzugezogen, sondern ein Team aus den besten Apple-Mitarbeitern zusammengestellt worden. Im Zuge dessen habe man auch die Sicherheitsvorkehrungen verschärft, Kameras und Sicherheitstüren installiert.

"Fight Club"

Um die Mitarbeiter zu erinnern, dass sie nicht über das iPhone - damals noch "Project Purple" genannt - sprechen dürfen, sei ein "Fight Club"-Schild aufgehängt worden. Im gleichnamigen Film von David Fincher ist die erste Regel des "Fight Clubs", niemals über den "Fight Club" zu sprechen.

Samsung-Prototypen aufgedeckt

Aber auch auf Seite von Samsung sickerten bereits geheime Informationen durch. So haben Gerichtsakten zwei Smartphone-Modelle mit Microsofts kommendem Betriebssystem "Windows Phone 8" offengelegt, die im Herbst auf den Markt kommen sollen.

Verteidigungsstrategien

Aber nicht nur Firmeninterna werden im Zuge des Prozesses öffentlich, auch die Verteidigungsstrategien beider Konzerne sind von Beginn an Thema. So wollte Samsung Unterlagen vorlegen, die zeigen sollten, dass Apple für seine iPhone-Designs von Sony inspiriert worden sei und kein eigenständiges Design entwickelt habe. Die zuständige Richterin Lucy Koh hatte Samsung die Vorlage dieser Akten jedoch untersagt.

Tablets vor dem iPad

Auch wurde dem südkoreanische Konzern verweigert den Filmklassiker "2001 - Odyssee im Weltraum" als Beweismittel einzubringen. Designs aus dem Film sollten beweisen, dass das Aussehen des iPads nicht von Apple neu erfunden wurde. Umgekehrt akzeptierte die Richterin, dass Samsung seine Argumente mit einem Tablet-Prototypen aus dem Jahr 1994 sowie einem Modell von Toshiba untermauern durfte.

Schlüsselprozess

Angesichts dieser Offenbarungen dürfte auch der weitere Verlauf des Prozesses mit größter Aufmerksamkeit verfolgt werden. Es bleibt abzuwarten, ob auch Informationen zu zukünftigen Apple-Produkten so ans Tageslicht gelangen. Apple fordert von Samsung über 2,5 Milliarden US-Dollar Schadenersatz. Der Konzern wirft seinem Konkurrenten vor, das Aussehen von iPhone und iPad für seine Galaxy-Serien kopiert zu haben. Samsung wirft Apple seinerseits ebenfalls Ideenklau vor. (br, derStandard.at, 6.8.2012)

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