Flüchtlinge werden bewusst im Stich gelassen

Userkommentar8. Juli 2015, 16:07
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Die Lage in Österreich ist nicht nur unbefriedigend, sie ist beschämend

In der Nacht auf Mittwoch war es wieder so weit. Die "Willkommenen" (vulgo Flüchtlinge) des Salzburger Zeltlagers mussten fluchtartig ihre Notunterkünfte verlassen, weil ein Unwetter die Zelte aus den Verankerungen zu reißen drohte. Es war nicht das erste Mal, dass sich die aus Not und Elend zu uns geflüchteten und oft schwer traumatisierten Menschen vor Blitz, Donner, Starkregen und Sturm in Sicherheit bringen mussten.

Juridisch in der Schwebe gehalten

So, wie diese Menschen rein physisch in unzumutbaren Zuständen hängengelassen werden, werden sie auch juridisch in Schwebe gehalten. Besucher des Zeltlagers berichten von Hilfesuchenden, die nicht wissen, was sie tun sollen, um endlich einen Asylantrag stellen zu können. Denn das beaufsichtigende Personal der Schweizer Privatgesellschaft ORS ist nicht für solche Auskünfte oder gar Antragsannahmen zuständig.

Rechtlich zuständig wäre das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) in Thalheim, doch dort ist telefonisch nichts auszurichten. Und selbst wenn es möglich wäre, dort hinzufahren, würden engagierte Helfer sicher nichts und die Betroffenen kaum etwas erfahren, weil sie angesichts des Ansturms bei dem zuständigen Sachbearbeiter höchstwahrscheinlich nicht drankämen. So zumindest die Auskunft aus dem Innenministerium selbst.

Beschämende Lage

Diese Lage ist nicht nur unbefriedigend, sie ist beschämend. Sie dient dem offensichtlichen Ziel der Innenministerin, möglichst viele negative Bilder zu produzieren. Die Nachricht, die sich in aller Welt verbreiten soll, lautet: In Österreich ist kein Platz. In Österreich geht es vor Not und Elend geflüchteten Menschen dreckig. In Österreich müssen "Willkommene" auf nacktem Boden oder im Freien übernachten, müssen im Regenschlamm oder in brütender Hitze ausharren, müssen Kinder auf Bänken auf offener Straße übernachten, gibt es nicht genügend zu essen und so weiter.

Jede schlechte Nachricht ist eine gute. Die Menschen in den Kriegsgebieten sollen es von den Fluchthelfern erfahren: ja nicht nach Österreich, da ist es schrecklich. Deshalb steckt System hinter den Zuständen in Traiskirchen und Außenlagern. "Willkommene" werden bewusst im Stich gelassen. (Bernhard Jenny, 8.7.2015)

  • Zeltstadt für Flüchtlinge in Salzburg.
    apa barbara gindl

    Zeltstadt für Flüchtlinge in Salzburg.

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