Traiskirchen: Flüchtlinge sollen Gewitter in Postbussen abwarten

8. Juli 2015, 12:10
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Innenministerium bestellte 15 Busse – Securitys patrouillieren in Lagergebäuden, um Fluchtwege freizuhalten

Traiskirchen/Wien – Ob und wann über Traiskirchen am Mittwoch ein Gewitter niedergehen würde, war im Vorfeld nicht sagbar. Doch in dem völlig überfüllten Erstaufnahmezentrum in Niederösterreich, wo 1.820 Menschen in festen Quartieren leben, mehrere hundert obdachlos sind und unter Bäumen schlafen sowie weitere 480 in Zelten ausharren müssen, liefen Vorbereitungen für diesen Fall.

Wie der STANDARD erfuhr, hat das Innenministerium 15 Postbusse in das Lager bestellt. In ihnen sollen obdachlose Flüchtlinge während eines Unwetters Zuflucht nehmen – um danach wieder unter Bäume, Sträucher und Planen zu übersiedeln: Unterkünfte sind für sie bekanntlich in ganz Österreich keine zu finden.

Sicherheitsakademie wird aufgesperrt

Außerdem wird die dem Erstaufnahmezentrum benachbarte Sicherheitsakademie im Fall eines Gewitters aufgesperrt. Sobald es endet, sollen die Asylwerber das Gebäude wieder verlassen.

In den Häusern des Erstaufnahmezentrums selbst patrouillieren schon seit Tagen Securitys durch jene Gänge, die im Fall eines Brandes Fluchtwege wären. Damit zumindest minimale Sicherheitsregeln eingehalten werden, verscheuchen sie Asylwerber, die dort ihr Lager aufgeschlagen haben.

Asylwerber "äußerst diszipliniert"

Trotz der unhaltbaren Zustände in dem Erstaufnahmezentrum würden sich die Flüchtlinge "äußerst diszipliniert und untereinander hilfsbereit" verhalten, berichtet ein Insider. In den vergangenen Tagen sei es zu ersten Protesten von Asylwerbern bei Zuständigen gekommen. Die Menschen hätten wissen wollen, wann sie endlich ein Dach über dem Kopf haben würden.

Im Innenministerium bestätigt ein Sprecher die genannten Unwetterplanungen. Derzeit würden sich "über 3.000" Flüchtlinge in dem Lager befinden. Vergangene Woche hätten in ganz Österreich 1.997 Menschen um Asyl ersucht: "Die Zahlen steigen von Woche zu Woche." (Irene Brickner, 8.7.2015)

  • Flüchtlingsunterbringung im Erstaufnahmezentrum: Mehrere hundert Menschen müssen im Freien "wohnen", berichtete zuletzt das ORF-Magazin "Orientierung".
    foto: apa/orf/orientierung

    Flüchtlingsunterbringung im Erstaufnahmezentrum: Mehrere hundert Menschen müssen im Freien "wohnen", berichtete zuletzt das ORF-Magazin "Orientierung".

  • Flüchtlinge in Traiskirchen warten auf die Essensausgabe vor einer Moschee in Traiskirchen vergangene Woche.
    foto: newald

    Flüchtlinge in Traiskirchen warten auf die Essensausgabe vor einer Moschee in Traiskirchen vergangene Woche.

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