Sturm in Westösterreich, Einsatz in Salzburger Zeltlager für Flüchtlinge

8. Juli 2015, 06:03
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14.000 Tiroler Haushalte zwischenzeitlich ohne Strom

Innsbruck – Der Wetterumschwung hat in der Nacht auf Mittwoch in Teilen Tirols für zahlreiche Feuerwehreinsätzen gesorgt. Nach Angaben der Tinetz AG waren vorübergehend bis zu 14.000 Haushalte ohne Strom. Im Außerfern waren mehrere Fahrzeuge durch Bäume eingeschlossen, ein Pkw wurde beschädigt. Meldungen über Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Betroffen waren die Landeshauptstadt Innsbruck, die Bezirke Innsbruck-Land, Reutte, Landeck und Teile des Unterlandes. Feuerwehren mussten nach orkanartigen Böen und Gewittern zu rund 200 Einsätzen ausrücken. Keller standen unter Wasser.

Der Sturm riss Baustelleneinrichtungen um, davon betroffen waren auch Inntal- und Brennerautobahn. Im Stubaital schlug der Blitz in einen Strommasten ein und setzte diesen in Brand. Die Berufsfeuerwehr Innsbruck berichtete von zahlreichen Sicherungseinsätzen, größere Schäden habe es nicht gegeben.

In der Früh noch immer Stromausfälle

Laut Tinetz AG waren gegen 7 Uhr noch etwa 4.000 Haushalte von Stromversorgungsunterbrechungen betroffen. Um 23 Uhr waren es 14.000.

Die Fernpassbundesstraße wurde gleich an mehreren Stellen von Bäumen verlegt. Sie musste schließlich für den gesamten Verkehr gesperrt werden. Gegen Mitternacht konnten die letzten Fahrzeuge, die durch die entwurzelten und geknickten Bäume eingeschlossen waren, befreit werden, berichtete die Polizei.

Bei Ehrwald beschädigte ein umgefallener Baum ein Auto. Die Insassen kamen mit dem Schrecken davon und blieben unverletzt.

240 Flüchtlinge betroffen

In Salzburg verzeichnete die Feuerwehr 16 Einsätze, vor allem kurz nach Mitternacht. Im Flüchtlingslager in der Alpenstraße in der Stadt Salzburg half die Berufsfeuerwehr die Zelte der Migranten mit Sandsäcken zu beschweren. Durch die heftigen Böen wackelten einige Zelte, so ein Sprecher zur APA.

Nachdem die Zeltleinen nachgespannt wurden, wurden insgesamt drei Tonnen Sand an den Außenseiten der Zelte deponiert. In dem Zentrum halten sich derzeit nach Angaben des Senders Ö3 240 Flüchtlinge auf.

Auch Oberösterreich betroffen

Unwettereinsätze gab es auch in Teilen Oberösterreichs. Bei 40 bis 45 Einsätzen musste die Feuerwehr in den Bezirken Ried im Innkreis und Braunau vorwiegend umgestürzte Bäume entfernen.

Juli ist Monat mit den meisten Unwetterschäden

Die meisten Schäden durch Naturkatastrophen in Österreich sind in den vergangenen 15 Jahren im Juli aufgetreten – nämlich 1.326 pro Tag. Mehr als 80 Prozent davon wurden durch Sturm oder Hagel verursacht, teilte die Allianz Elementar Versicherung am Mittwoch in einer Aussendung mit. Nach dem Juli mit 17,3 Prozent aller Schadensfälle folgten der Jänner mit 15,6 und der Juni mit 13,6 Prozent.

In Österreich haben sich seit dem Jahr 2000 rund vier Millionen Schäden durch Naturkatastrophen ereignet. "Österreichweit gibt es nach dieser Berechnung im Juli durchschnittlich mehr als 41.000 Schäden durch Naturkatastrophen, das ist etwa ein Schaden pro Minute", erklärte Rupert Pichler von der Allianz. Die wenigsten Schadensfälle gibt es mit 2,5 Prozent im Dezember.

Die meisten Beschädigungen wurden im Juli durch Stürme mit 41,9 Prozent und Hagelunwetter mit 41,8 Prozent verursacht. Hochwasser war mit 15,2 Prozent die dritthäufigste Ursache. Hagelunwetter verursachten allerdings im Vergleich zu Stürmen größeren finanziellen Schaden, hieß es in der Aussendung. Ein durchschnittlicher Sturmschaden macht etwa 1.000 Euro aus, Hagelunwetter dagegen mehr als 3.000 Euro.

Die Hagelgefahr ist laut Statistik im Salzburger Pinzgau, im Salzkammergut und dem Tiroler Unterland am größten. Stürme richten speziell vom oberösterreichischen Innviertel über das südliche Niederösterreich bis nach Wien die meisten Schäden an. Die meisten Hochwasserschäden gibt es entlang der Alpennordseite, besonders dort, wo mittelgroße Flüsse in die Donau münden.

Laut Allianz werden speziell Hagelunwetter in Zukunft weiter zunehmen. "Aufgrund des größer werdenden Energie- und Feuchtigkeitsgehaltes in der Atmosphäre – eine Zunahme um zwei Grad bedeutet um bis zu 20 Prozent mehr maximalen Wassergehalt in der Luft – muss verstärkt mit Hagel und Gewittern gerechnet werden", betonte Pichler. (APA, 8.7.2015)

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