Der WU-Professor ist nicht rechtsextrem, aber seine Wirtschaftsthesen gehören nicht in den Hörsaal
Als Franz Hörmann im Oktober 2010 ein
viel beachtetes Interview auf derStandard.at gab, auf das ich in einem
ebenfalls viel zitierten Blog scharf reagierte, war er noch ein unbekannter a.o.
Professor an der WU Wien.
Heute ist der Lehrbeauftragte für
Unternehmensrechnung nicht nur ein prominentes Aushängeschild der Occupy-Austria-Bewegung.
Durch zweifelhafte Aussagen über Judentum und Gaskammern ist er in den Verdacht
geraten, zum rechtsextremen Lager zu gehören und nationalsozialistische Wiederbetätigung
zu betreiben.
Franz Hörmann als neue Symbolfigur des
österreichischen Rechtsextremismus, der Nachfolger des notorischen Wirtschaftshistorikers
Taras
Borodajkewycz, dessen notorischer Antisemitismus in den 60er Jahren
gewalttätige Straßenschlachten auslöste? Diese Assoziation ist nicht
gerechtfertigt.
Alles, was man
über Hörmann weiß, kommt er nicht aus dem rechten Lager. Er ist ein Querkopf
mit obskurantistischen Einschlägen, der sich von niemand sagen lassen will, wie
er zu denken hat.
Wenn er also aus
guten Gründen über seine Einstellung zum Holocaust gefragt wird (weil die HuMan-Weg-Bewegung,
zu der er sich zählt, in Österreich kaum verbrämt und in der Schweiz offen antisemitisch ist), dann antwortet
er nicht das Naheliegende, sondern verrennt sich in pedantischen Unterscheidungen
zwischen dem, was er wissen und was er nur vermuten kann.
Es klingt ganz
so wie das, was den FPÖ-Politiker John Gudenus einst eine Verurteilung wegen
Wiederbetätigung eingebracht hat. Aber Hörmann ist kein FP-Politiker und auch
kein Burschenschafter. Am WKR-Ball hätte er sich sicher höchst unwohl gefühlt.
Das heißt
nicht, dass er nicht höchst fragwürdige Ansichten zur Geschichte hat. Menschen,
die sich allzu intensiv mit dem Übel der Zinswirtschaft beschäftigen, landen
oft in der Gesellschaft von Antisemiten. Und wenn sie dann angefeindet werden
und merken, wie viele sich von ihnen abwenden, beginnen sie die Mär von der
jüdischen Weltverschwörung zu glauben und zu verbreiten.
So ging es etwa
den beiden US-Politikwissenschaftern John Mearsheimer und Stephen Walt, die mit
ihrer These von der „Israel-Lobby“ noch am Rande des Antisemitismus
vorbeischrammten, dann aber zunehmend überzeugt wurden, dass Juden die
amerikanische Politik beherrschen.
Aber Ansichten
wie jene von Hörmann sollten in einer freien Gesellschaft nicht verboten sein.
Er hat das Recht, in Bezug auf die NS-Vergangenheit erkenntnistheoretische Pirouetten
zu drehen. Er soll ruhig bei Occupy-Veranstaltungen reden und seine Bücher
schreiben.
Aber er sollte
nicht an der WU unterrichten.
Denn was
Hörmann seinen Studenten dort über das Geldsystem und das Bilanzwesen verzapft,
ist blanker Unsinn. Es geht nicht darum, dass an den Universitäten keine
kritischen Geister vortragen sollten. Aber die Inhalte von Vorlesungen müssen
doch im Rahmen des überprüfbaren Wissens bleiben.
Es wäre auch
nicht sinnvoll, wenn ein Biologieprofessor Kreationismus lehrt oder ein Geologe
behauptet, die Erde wäre eine Scheibe. Auch die Krebsthesen von Ryke Geerd
Hamer, der einst den Fall Olivia Pilhar zu verantworten hatte, haben nichts auf
der Medizinuni verloren.
Auf diesem
Niveau bewegen sich Hörmanns Thesen. Er ist nicht nur kapitalismuskritisch,
sondern lehnt die Grundprinzipien des Geldsystems und der modernen Bilanzführung
ab - und das mit Argumenten, die von einem Unverständnis der Volks- und Finanzwirtschaft zeugen.
Und wie Studierende berichten, verwendet
Hörmann einen guten Teil seiner Vorlesungen dazu, seine skurrilen Ansichten
vorzutragen statt den Zuhörern Kostenrechnung beizubringen.
Einige Zuhörer finden
das toll. Aber Österreichs wichtigste Wirtschaftsuni wird damit ihrem
Lehrauftrag nicht gerecht. Sie kann sich Leute wie Hörmann nicht leisten.
Auf Grund des
Dienstrechtes hat WU-Rektor Christoph Badelt allerdings kaum eine Möglichkeit, einen
unqualifizierten Professor los zu werden – außer, dieser wird rechtskräftig
verurteilt. Deshalb ist es nicht überraschend, dass sich das Rektorat nun eine
Strafanzeige überlegt.
Nach dem
jetzigen Wissensstand wäre es zwar nicht angemessen, wenn Hörmann wegen
nationalsozialistischer Wiederbetätigung seinen Uni-Posten verliert. Aber für
die WU wäre es ein praktischer Ausweg aus einer misslichen Lage.