Das Problem mit Franz Hörmann

Blog28. Jänner 2012, 18:51
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Der WU-Professor ist nicht rechtsextrem, aber seine Wirtschaftsthesen gehören nicht in den Hörsaal

Als Franz Hörmann im Oktober 2010 ein viel beachtetes Interview auf derStandard.at gab, auf das ich in einem ebenfalls viel zitierten Blog scharf reagierte, war er noch ein unbekannter a.o. Professor an der WU Wien.

Heute ist der Lehrbeauftragte für Unternehmensrechnung nicht nur ein prominentes Aushängeschild der Occupy-Austria-Bewegung. Durch zweifelhafte Aussagen über Judentum und Gaskammern ist er in den Verdacht geraten, zum rechtsextremen Lager zu gehören und nationalsozialistische Wiederbetätigung zu betreiben.

Franz Hörmann als neue Symbolfigur des österreichischen Rechtsextremismus, der Nachfolger des notorischen Wirtschaftshistorikers Taras Borodajkewycz, dessen notorischer Antisemitismus in den 60er Jahren gewalttätige Straßenschlachten auslöste? Diese Assoziation ist nicht gerechtfertigt.

Alles, was man über Hörmann weiß, kommt er nicht aus dem rechten Lager. Er ist ein Querkopf mit obskurantistischen Einschlägen, der sich von niemand sagen lassen will, wie er zu denken hat.

Wenn er also aus guten Gründen über seine Einstellung zum Holocaust gefragt wird (weil die HuMan-Weg-Bewegung, zu der er sich zählt, in Österreich kaum verbrämt und in der Schweiz offen antisemitisch ist), dann antwortet er nicht das Naheliegende, sondern verrennt sich in pedantischen Unterscheidungen zwischen dem, was er wissen und was er nur vermuten kann.

Es klingt ganz so wie das, was den FPÖ-Politiker John Gudenus einst eine Verurteilung wegen Wiederbetätigung eingebracht hat. Aber Hörmann ist kein FP-Politiker und auch kein Burschenschafter. Am WKR-Ball hätte er sich sicher höchst unwohl gefühlt.

Das heißt nicht, dass er nicht höchst fragwürdige Ansichten zur Geschichte hat. Menschen, die sich allzu intensiv mit dem Übel der Zinswirtschaft beschäftigen, landen oft in der Gesellschaft von Antisemiten. Und wenn sie dann angefeindet werden und merken, wie viele sich von ihnen abwenden, beginnen sie die Mär von der jüdischen Weltverschwörung zu glauben und zu verbreiten.

So ging es etwa den beiden US-Politikwissenschaftern John Mearsheimer und Stephen Walt, die mit ihrer These von der „Israel-Lobby“ noch am Rande des Antisemitismus vorbeischrammten, dann aber zunehmend überzeugt wurden, dass Juden die amerikanische Politik beherrschen.

Aber Ansichten wie jene von Hörmann sollten in einer freien Gesellschaft nicht verboten sein. Er hat das Recht, in Bezug auf die NS-Vergangenheit erkenntnistheoretische Pirouetten zu drehen. Er soll ruhig bei Occupy-Veranstaltungen reden und seine Bücher schreiben.

Aber er sollte nicht an der WU unterrichten.

Denn was Hörmann seinen Studenten dort über das Geldsystem und das Bilanzwesen verzapft, ist blanker Unsinn. Es geht nicht darum, dass an den Universitäten keine kritischen Geister vortragen sollten. Aber die Inhalte von Vorlesungen müssen doch im Rahmen des überprüfbaren Wissens bleiben.

Es wäre auch nicht sinnvoll, wenn ein Biologieprofessor Kreationismus lehrt oder ein Geologe behauptet, die Erde wäre eine Scheibe. Auch die Krebsthesen von Ryke Geerd Hamer, der einst den Fall Olivia Pilhar zu verantworten hatte, haben nichts auf der Medizinuni verloren.

Auf diesem Niveau bewegen sich Hörmanns Thesen. Er ist nicht nur kapitalismuskritisch, sondern lehnt die Grundprinzipien des Geldsystems und der modernen Bilanzführung ab - und das mit Argumenten, die von einem  Unverständnis der Volks- und Finanzwirtschaft zeugen.

Und wie Studierende berichten, verwendet Hörmann einen guten Teil seiner Vorlesungen dazu, seine skurrilen Ansichten vorzutragen statt den Zuhörern Kostenrechnung beizubringen.

Einige Zuhörer finden das toll. Aber Österreichs wichtigste Wirtschaftsuni wird damit ihrem Lehrauftrag nicht gerecht. Sie kann sich Leute wie Hörmann nicht leisten.

Auf Grund des Dienstrechtes hat WU-Rektor Christoph Badelt allerdings kaum eine Möglichkeit, einen unqualifizierten Professor los zu werden – außer, dieser wird rechtskräftig verurteilt. Deshalb ist es nicht überraschend, dass sich das Rektorat nun eine Strafanzeige überlegt.

Nach dem jetzigen Wissensstand wäre es zwar nicht angemessen, wenn Hörmann wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung seinen Uni-Posten verliert. Aber für die WU wäre es ein praktischer Ausweg aus einer misslichen Lage.

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    foto: standard/cremer
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