Zart drückt der Koch jede Nudel

Harald Fidler, 24. April 2012, 14:57
  • Hier entlamm gehts zu Fidler! Damit die Wuscheltiere von Sambuco wissen, wo man auf sie wartet, sind die Wanderwege hier präzise beschildert
Osteria della PaceMenü mit sechs Gängen (Dolce oder Käse hätts auch noch gegeben), Wein, Wasser, Kaffe, Übernachtung: 86 Euro

    Hier entlamm gehts zu Fidler! Damit die Wuscheltiere von Sambuco wissen, wo man auf sie wartet, sind die Wanderwege hier präzise beschildert

    Osteria della Pace
    Menü mit sechs Gängen (Dolce oder Käse hätts auch noch gegeben), Wein, Wasser, Kaffe, Übernachtung: 86 Euro

  • Oder doch schnell weg?

    Oder doch schnell weg?

  • Kaninchen, gerollt.

    Kaninchen, gerollt.

  • Forelle sott'Olio.

    Forelle sott'Olio.

  • Kürblisflan, noch leicht gegen das Maronitörtchen mit ordentlich Speckwürfeln im Hintergrund.

    Kürblisflan, noch leicht gegen das Maronitörtchen mit ordentlich Speckwürfeln im Hintergrund.

  • Die zart vom Wirten gedrückten Nudeln, genannt Cruset, mit Erdäpfeln und Lauch.

    Die zart vom Wirten gedrückten Nudeln, genannt Cruset, mit Erdäpfeln und Lauch.

  • Das überraschend überschaubare, aber schon recht gute Sambuccanische Lamm. Womöglich eines, das dem Wegweiser gefolgt ist.
    alle fotos: harald fidler

    Das überraschend überschaubare, aber schon recht gute Sambuccanische Lamm. Womöglich eines, das dem Wegweiser gefolgt ist.

Hier entlamm zu Fidler: Gerollte Kaninchen, Nudeln mit Erdäpfeln und Lämmer aus Sambuco sind auch nach 3000 Höhenmetern ein bisserl schwer

Man soll sich nicht wichtig machen, auch nicht im Scherz. Der wundernette Seniorwirt und Chef Bartolo Bruna sah mich mit der Flasche Nebbiolo 2008 von Frau Abbona ins Prachtzimmer abziehen, die mir Brunas Tochter empfohlen hatte, und die ich noch nicht kennengelernt habe, die Winzerin nämlich. Nach dieser kleinen, schwierigen Erfahrung mit einem ihrer kleinen, mir nicht ganz so gefallenden Weine vielleicht gar zurecht.

Ein Glas vielleicht, fragte also der freundliche Wirt, besorgt um meinen artgerechten Umgang mit dem Wein. Danke, sage ich, ich hab welche, ich bin schließlich universeller Dilettant, aber professioneller Trinker. Aus Pappe?, fragt der Wirt besorgt, und meint die Zahnputzbecher-Attrappen. Riedel, sage ich lässig, Tumbler, und würde gerne: Optimal auf Reisen! hinzufügen,wenn mir das gerade auf Italienisch einfiele.

Dilettantisch trinken

Zwei Minuten später rufe ich schon von der Treppe etwas, das ich für „Nicht professionell genug" auf Italienisch halte und bin wieder an der Schank: Ich hatte, obwohl sehr zärtlich, den durchaus hübschen Wiederverwendstoppel abgerissen, mit dem mir gestern Rosso Rubino die halbe Flasche von Herrn Alessandria für den Heimweg versorgt hatte. Nebbiolo grundsätzlich, aber ich sage jetzt nicht, welches DOCG und Jahrzehnt, geschweige denn Jahr, wenn ich mich gerade über meine Großkotzigkeit lustig mache.

Da lacht der Wirt, und lenkt uns ab, wie so oft und so sympathisch. Einen Stoppelzieher hat er natürlich auch bei der Hand. Und trotzdem war die Osteria della Pace im wunderhübschen Ort Sambuco im noch viel wunderhübscheren Valle Stura nicht die allerbeste Erfahrung dieser kleinen Italienischen Rundspeise 2011.

Aber schon eine sehr tolle, gesamthaft betrachtet: Das Zimmer in der Pension sehr nett, und weit reiner als andere. Die Wandertipps des Juniorwirts für eine schnee- und schwindelfreie Bergtour sehr spät im Jahr eine reine Pracht - das Panorama vom Monte Bodoira macht noch Wochen danach glücklich. Nur beim Essen war ich anderswo noch ein bisschen glücklicher. Vielleicht war ich ja nur von sieben, acht Stunden Bergtour ein bisschen erschöpft. Und ich soll in meinem Leben auch nie unglücklicher sein als in dieser Stube mit diesem Menü.

Roll das Kaninchen

Wanderer brauchen Kraft, entsprechend portioniert sind hier die vier Vorspeisen in zwei Gängen: Das ordentliche Stück vom Forellenfilet sott'Olio macht alleine schon recht satt, dazu rollt Herr Bruna ein Kaninchen mit Öl und Zitrone, beides schon sehr gut. Kürbisflan, auch nicht falsch. 

Weg mit dem Speck

Und, nein, leider kommt im Menü jetzt nicht die Leberpaté von jenen Lämmern, derer Sambucco sich rühmt. Die Kastanien, die auch die Leber begleiten würden, bekomme ich mit Schalotten zum Tortino gefertigt. Und damit das ohnehin schon recht sättigende Tortenstückerl garantiert nicht zum Lightgericht verkommt: ordentlich glasige Speckwürfel on top. Auch nach gut 1500 Höhenmetern rauf und wieder 1500 runter: schon ein bisserl schwer.

Als ersten richtigen Gang hätt ich natürlich wieder einmal zu Ula greifen können. Schon aus wissenschaftlichen Motiven, um zu klären, ob sie auch nach hier nach acht Stunden erhitzen noch Öl braucht, um richtig zu gleiten, obwohl sie eigentlich ja zu den Suppen zählt. Aber Ula hätt ich vorbestellen müssen.

Drück die Nudel

Gnocchi mit Käse aus der Region erschien mir ein bisschen heftig nach der Kraft der vier Entrees. Für Kuttelsuppe, Fleischravioli, Tajarin oder glutenfreie Pasta brauch' ich nicht so tief ins Valle Stura fahren, fand ich. Also: Cruset -  ausgeschildert als "Specialità tipica Occitana". Dass man in dieser Höhenlage, mithin in kalter Jahreszeit, gerichtlich nicht auf die Leichtigkeit des Seins setzt, hätte ich ahnen können.

Im Wesentlichen Mehl und Wasser, erklärt mir der Wirt hernach, machen die Cruset aus. Und die aufopfernde Geduld des Kochs, jeden Teigfleck zart mit dem Daumen in die richtige Form zu drücken. Und nicht wenige dieser Flecken ergeben hier eine Portion, die an dicke Blätter oder flache Gnocci erinnern. Damits nicht zu diätetisch wird, kommen noch Erdäpfel ins Spiel, dazu Lauch und Basilikum, Öl natürlich. Schon gut, wenn auch nicht aufregend, aber umso gewichtiger. Ich erwäge, zwischen Essen und Schlafen die heutige Bergtour zu wiederholen.

Lamm, bam, thank you Ma'am

Aber erst will noch das Sambucanische Lamm verkostet werden, al forno mit Thymian. Und: eine überraschend übersichtliche Portion. Das Tier heller, als es schmeckt, das nämlich erfreulich intensiv nach den Wuscheltieren, zart und doch bissfest, vielleicht eine Spur trockener als ich gehofft hatte, aber noch klar im Rahmen des Guten. Süße Karotten, ein paar durchschnittliche Ofenerdäpfel - passt.

Passt gut. Nur Dessert oder Käse passen definitiv nicht mehr, was die Frau Wirtin wirklich zu wundern scheint. Wieviele Höhenmeter überwinden ihre übrigen Gäste denn so?

Ich verzieh mich lieber nach oben, schon damit ich dieselbe grauenhafte Fahrstuhlklassik wie am Vorabend im deutlich eleganter positionierten Rosso Rubino nicht weiter hören muss. Rauf in meine Stube, mit Frau Abbona in der Hand, schon aus Gründen der Höflichkeit gegenüber der Wirtin, die sie vorgeschlagen hatte, und mit Herrn Alessandria im Sinn, mit dessen Stoppel mir ihr Herr Papa noch helfen wird. Soll auch der Wirt was zum Schmunzeln haben.

Beim nächsten Mal schau' ich ein bisschen früher im Jahr vorbei, damit ich noch ein bisschen höher hinaus komme. Damit sich neben der Kastanientorte mit ordentlich Speck auch noch die Lammleberpaté ausgeht.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

Die Italienische Speise 2011 verlief weniger zickzack, als die Berichte darüber online gehen. Hier ein kleiner Wegweiser der schon erschienenen Einträge in der gefahrenen Reihenfolge:

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2

Herr Fidler, mussten Sie beim Formulieren der Überschrift auch schmunzeln, so wie ich beim Lesen, oder kennen Sie den Ausdruck Nudeldrucker nicht?

schlüpfrigkeit

auf primitivstem niveau. aber bitte, - auch das findet sein publikum.

Stimmt.

Dass das beim Standard geht wundert mich. Obwohl bei genauerem Hinschauen findet man derartiges ja an jeder Ecke. Winder ist auch so ein kandidat...

Schurken mit Gurken sind halt so. Kann da nichts

Boeses dabei finden, was die Sahrah's dieser Welt aufregen koennt.

regt mich nicht auf, ich stelle nur fest: geschmäcker sind eben verschieden.
genau so, wie manche ihr weltbild und ihr kulturverständnis aus der kronenzeitung beziehen, tun das halt andere nicht ....

aha,

jeder, der a bissl ordinär ist, hat nur bei der Kronenzeitung studiert?
weil die Welt o ungut ist, wenn sie ein wenig sexualisiert wird, oder wie?

Muß auch PuritanerInnenen geben.

Sonst wär die Welt zu lustig

zauberhafte Replik,

merci!

report aus dem darkroom?

was haben wir gelacht ...

schon interssant: Jeder Fidler-Artikel wird von einem Haufen Fidler-Kritiker begleitet

Wobei
1.) Der gute Mann sich immer wieder selbst als Ess-Dilettant bezeichnet und keinen Anspruch erhebt, der Gott der Lokalrezension zu sein.
2.) Auch wenn manche Artikel einige Schwächen aufweisen, ich persönlich diese kulinarischen Erfahrungsberichte immer noch für die besten im Standard halte.
3.) Jedenfalls neue Anregungen darin zu finden sind.

Warum lesen diese Kritiker-PosterInnen immer noch Fidler-Artikel, wenn sie dann jedes Mal schreiben, wie unlesbar sie doch seien??

Ich bedanke mich jedenfalls mal beim Autor für die Inspirationen, wenngleich auch ich mir manchmal weniger Späßchen (zu Fotoqualität etc.) und dafür präzisere Kritiken der Speisen wünschen würde.

trick 17

das haben sie mir auch gesagt: zuersteinmal loben und dann erst die kritik - muss ich wieder öfters machen.

Warum

soll man sich nicht immer wieder ueber dieses dilettantische Gestammel des Herrn F. aufregen?

Was spricht dagegen, wenn man sich von einer "Qualitaetszeitung" Qualitaet erhofft? Bitte um Aufklaerung.

Dilettantentum hin oder her. Wenn man nach dem zweiten Absatz schlaefrig wird und beim dritten Absatz die Schnautze voll hat von dem radebrechenden Gestammel, dann ist das ein Armutszeugnis.

..."Was nicht immer gelingt" steht im Nachspann. Ich muss dies leider korrigieren zu: "Was kaum einmal auch nur so halbwegs gelingt".

Preger, Teilzeitkuenstler/In

also ich sehe diese Artikel

nicht als offiziellen Teil des Standard, sondern als mitgeführten Blog eines Enthusiasten, der sich immer wieder mal in seinen Ergüssen verzettelt. Und so schwer ist es auch nicht, ihm zu folgen.
Jedenfalls werte ich Fidlers Beiträge anders als jene bspw. der Kultur-Chefredakteurin, die auch ich regelmäßig kritisiere... wobei, sobald ich ihren Namen poste, wird mein Posting schon zensuriert... dort werden jedenfalls Machwerke von Freunden mit nicht vorhandener Autorität abgesegnet, währen Herr Fidler sich immer sehr bescheiden gibt.
Dilettantentum ist etwas wunderschönes - ich glaube übrigens nicht, dass man Teilzeitkünstlerin sein kann, nur Teilzeitdilettant ;-)

das ist glaub ich das positivste

das man über die brickner sagen kann

Wie auch immer.

Es muss erlaubt sein, selbiges scharf zu kritisieren. Und es kann einfach nicht durchgehen, dass jemand, bloss weil er sagt er schreibt Schei**e, dies auch noch tun kann... Ich wuerde mich nicht trauen auch nur annaehernd so schlecht Geschriebenes irgendwo zu publizieren.

Was die Zensur beim S* angeht, gebe ich Ihnen recht. Da geht's mitunter wild her.

Und wenn schon, dann bitte Teilzeitdilettant/E (was mir uebrigens schon sehr gut gefaellt! ;-)

ich würde meinen Frieden mit dieser Rubrik finden, wenn der Standard denselben Geldaufwand für jene hochtrabenden Gerichte gleichzeitig für die Wiener Tafel
http://www.wienertafel.at/ spenden würde.

Gute Idee , Spenden

das Pech ist nur, dass Online-Redaktionen im Allgemeinen nichts zahlen für die Artikel. Somit Nullsummenspiel und Herrn Fiedlers Freizeit-Blog mit mehr Lesern, als er sonst hätte. Oder auch nicht, wer weiß? Ich tät mir seinen Blog sehr wohl abonnieren; das Preger, oder wie auch immer, sicherlich auch, aber aus anderen Gründen *lach*.

Sie meinen Herr Fiedler bezahlt alles aus seinem eigen Portemonnaie UND bekommt auch für seine Presseartikel kein Honorar?

das mit den roten Stricherln habe ich schon geahnt ;-)

Unlesbarer Schwachsinn.

Es tut mir sehr leid, ist aber so.

Ihr Leid ist fuehlbar. In jedem Ihrer Postings.

zart drückt der Koch/die Köchin jede Nudel.
so viel Zeit muss sein.

das darf bei mir nur die köchin.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.