Schmeck's Italienische Speise

Ula ist sehr heiß und bedingt gleitfähig

Harald Fidler, 17. Jänner 2012, 15:24
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    Aales gut, ein bisschen fest: Gang 1

    Roma
    Castelletto Stura/Piemont
    Vier Gänge, Wein, Wasser, Kaffee: 47,50 Euro

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    Netter sitzen, links Ausläufer des Weinsymbols im Osteriaführer

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    Acht Stunden im Ofen und doch echt fest: Ula aus Fleisch und Gemüse

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    Hahnenkamm-Abfahrt 2011/12: Finanziera mit Farbtupfern

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    fotos: harald fidler

    Und das Ziegenmilcheis - sehr cremig, aber doch nicht so obersuper wie weiland das Sauermilchsorbet

Harald Fidler kostet Suppen, die man ölen sollte, nuckelt am Hahnenkamm - und eine fette Ziege zwingt ihn zum Dessert

Kann man steiler abfahren als von einer Skisprungschanze wie jener in Bischofshofen? Der Hahnenkamm soll ja  einzigartig sein, ob im Vergleich mit der Schlierenzauerei, kann ich natürlich nicht sagen. Aber wir stehen ja vor der legendären Abfahrt, da muss auch Schmeck's Bezug nehmen, naturgemäß. Naturgemäß mit Hahnenkämmen.

Leiderleider, diesmal gingen sie sich nicht aus bei Obauers, worüber sich vermutlich auch junge Bekannte freuten. Die servieren ja ihre Paprikakutteln mit Bergkäse inzwischen mit Hahnenkämmen. Sehr sympathisch, sehr sympathisch piemontesisch fand ich. Aber ich hatte meine Ration der Saison ja längst abgeholt, wo sie herkommen. 

Aaler Anfang ist schwer

Dreimal bin ich am Roma vorbeigefahren, trotz Navi. Ein neues Leiden? Lokalneglect? Aber so leicht geb ich ja nicht auf, schon gar nicht, wenn ich Hunger habe. Und ich hätte wirklich etwas verpasst in Castelleto Stura, nicht weit von Cuneo, ja, im südlicheren Piemont. Mit einer Schnecke und einem Weinsymbol hebt der Osteriaführer das Roma hervor. In diesem Fall durchaus zurecht, fand ich. Das muss ja nicht so sein.

Aal muss hier aber sein, fand ich, mariniert. Nicht ganz leicht, sein Fleisch unter Wahrung von Eleganz und Anstand von seinen Gräten zu lösen. Aber eine durchaus feine Sache.

Ula ist sehr heiß und nur bedingt gleitfähig

Ebenso zwingend erschien mir hier Ula al forno. Angekündigt als sehr traditionelle Gemüse- und Fleischsuppe, die acht Stunden im Ofen verbracht hat, bevor sie zu Tisch kommt. Womit wir beim ersten und auch gleich eindrucksvollsten Breigericht hier wären: Eine sehr dicke, sehr zähflüssige, braune Pampe, die aber ziemlich schön schmeckt. Wenn man beim ersten Löffel nicht zu gierig war. Denn: Sehr dicker Brei versteht es ja sehr gut, acht Stunden Ofenhitze noch sehr, sehr lange zu halten und erst, das aber sehr plötzlich an Zunge und Mundverkleidung abzugeben.

Sehr hilfreich auch, dass die Suppe mit einem Fläschchen feinen Olivenöls serviert wird. Die Ula ist so dickflüssig, dass ein Gleitmittel durchaus angebracht erscheint. Ich mochte sie. Falls das jetzt nicht so rüberkommt.

Brei zwei, mit Hahnenkamm

Brei zwei: Finanziera. Einmal pro Piemontsaison muss die schon sein. Mit Hahnenkämmen, und was man Federvieh halt sonst noch an interessanten Teilen entnehmen kann. Im Roma mit überraschend viel Gemüse, knackigen Erbsen zum Beispiel. Die ermöglichen dem Auge mitzuessen, das sich sonst vom doch recht eintönigen Graubeige des Gerichts gelangweilt abwenden könnte.

Nicht die beste Finanziera meines Lebens, die würde ich nach bisherigem Kenntnisstand vielleicht eher in Calliano suchen oder in Priocca, wo ich eigentlich viel zu lange schon nicht mehr gegessen habe. Aber: Auf die Hahnenkämme im Roma kann man schon ganz gut abfahren, zählen durchaus zum Spitzenfeld.

Ziege, Milch, Eis: Fidler wird sentimental

Vielleicht machte mich diese Abfahrt übermütig. Vielleicht hatte ich einen meiner sentimentalen Momente, die sich meist auch an Essen festmachen. Der Osteriaführer berichtete von einem hausgemachten Ziegenmilcheis - und schon sah ich die Dessertkarte in meiner Hand. Inständig hoffte ich, etwas vermessen bei der Ankündigung, klar, auf ein Wiedersehen mit dem Sauermilchsorbet auf dem Pogusch. Das schönste, unsüßeste Dessert meines Lebens (von denen es allerdings nicht so viele gab).

Dolci!!!!!!!!!! steht auf der Dessertkarte. Müssen schon sehr überzeugt sein von ihrem süßen Schaffen. Oder sehr wenig, was sie mit Rufzeichen zu kompensieren versuchen. Egal: Das Ziegenmilcheis im Kaffeehäferl war sehr, sehr, sehr cremig. Sehr, sehr, sehr milchig. Und selbst für mich Dessertverweigerer: sehr gut. Aber dennoch vollkommen ungeeignet, das Sauermilchsorbet abzulösen. Aber das oder was ähnlich Gutes find ich auch noch. Und wenn ich bis ans Ende meiner Tage Wirtshäuser ausprobieren muss. Okay, das hatte ich ohnehin vor.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

Die Italienische Speise 2011 verlief weniger zickzack, als die Berichte darüber online gehen. Hier ein kleiner Wegweiser der schon erschienenen Einträge in der gefahrenen Reihenfolge:

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14 Postings
Montgomery McFerryn
00
19.1.2012, 10:25

"Ula ist sehr heiß und bedingt gleitfähig"

Ich hab das gelesen und bin vor lachen vom Sessel gefallen.
Der Schreibstil vom Herrn Fidler ist einfach genial, das lokal werd ich aber trotzdem auslassen, Aales muß man ja nicht kennen.

Die Edle
00
19.1.2012, 19:32

hihi
An das hab ich auch gedacht

jassl11
31
18.1.2012, 07:50

..8 stunden im ofen...; sehr energie effizient. das kostet ja mehr als ein essen im haupen lokal.

Mycroft Holmes
11
18.1.2012, 10:03

"haupen lokal"? Ist was genau?

fescher79er
04
18.1.2012, 11:21

in der Papenpergerkasse

Lagavulin
00
19.1.2012, 12:30
YMMD

Der Große von Gegenüber
01
18.1.2012, 06:46

Ist das wirklich ein Aal auf Bild 1 oder ist es das, was ich vermute ...

northrim
03
17.1.2012, 21:11

also das hier ist ja wohl ein wahres panoptikum der ekelhaftesten grauslichkeiten, da lobe ich mir sogar philippinische balut!

Je m'appelle Mirabelle L.
 
01
17.1.2012, 21:31

er ist auffällig provokant , so dass es schon wieder lustig ist.

Dhimmi
21
17.1.2012, 20:15
Was für eine ungustiöse Küche

Gaddafi lebt
01
19.1.2012, 14:25
Sowas kommt dabei heraus,

wenn jemand nach gutem österr.Brauch die italienische Küche/Gastronomie so kolossal überschätzt. Der Autor sollte sich mal darüber Gedanken machen, warum die Geschichte, am fast nicht vorhandenen Echo gemessen, trotz Mega-Positionierung nicht ankommt.

Je m'appelle Mirabelle L.
 
01
17.1.2012, 18:37

fidler ist auf extremitäten abonniert, scheint's. naja, ist ja wirklich eine marktnische. wenn' s glücklich macht ....

wolfetone
 
42
17.1.2012, 16:20

Allein dafür, daß er keine süßen Desserts mag, muß man den Fidler mögen.

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