Schülervertreter: "Zukunfts­ängste gibt es genug"

21. Jänner 2011, 14:27
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Schülervertreter über ausstehende Schulreformen und warum sie aufs Studium besser vorbereitet werden wollen

Bundesschulsprecher Philipp Pinter weiß noch nicht, wo es ihn nach der Matura hinverschlägt. "Ich denke, dass eine FH wohl am besten zu mir passt", meint der AHS-Schüler. Warum er nicht an die Uni will? "Weil ich an der FH keine Angst haben muss, mich für eine Prüfung nicht mehr anmelden zu können oder überfüllte Hörsäle vorzufinden", antwortet Pinter, der der ÖVP-nahen Schülerunion angehört.

Schüler im Mittelpunkt

Die Situation in den Schulen sehe auch nicht besser aus, so Pinter: "Die letzte Reform ist eine Ewigkeit her. Wir haben etwa immer noch die 50-Minuten-Einheiten wie im Preußischen Militärsystem. Da muss sich sehr viel verändern." Und was? Klassenzimmer besser ausstatten, Lehrer besser ausbilden und die Klassenschülerhöchstzahlen einhalten, kommt von Pinter ohne zu zögern zurück. "Die Schüler müssen wieder Mittelpunkt werden".

Bei der SPÖ-nahen "Aktion kritischer SchülerInnen" sieht man das ähnlich. Vorsitzende Iris Schwarzenbacher kritisiert besonders "die mangelnde soziale Durchlässigkeit im Bildungssystem" und fordert eine Gesamtschule. Beide haben die aktuelle Debatte um den Uni-Zugang verfolgt und unterstützen grundsätzlich die Forderung nach vermehrter Beratung für Studienanfänger.

Beratungen ab zehn Jahren

Zurzeit sei die Vorbereitung für das Studium an den Schulen nicht vorhanden, so Pinter. Hoher Bedarf würde allerdings bestehen. Die Frage, ob man von 17-,18-Jährigen nicht verlangen könne, sich selbst zu informieren, verneint Pinter. „Der Hochschulbereich ist sehr umfangreich. Was wir brauchen ist ein Gesamtüberblick." Mit 17,18 Jahren steht man kurz vor der Matura und denke nicht so viel an die Zeit danach. Pinter will allerdings schon viel früher ansetzen. Schüler ab zehn Jahren sollen beraten werden und Stärken-Schwächen-Tests machen.

„Jugendliche informieren sich schon auch selber. Die Vorstellungen eines Studiums entstehen aber nicht nur mit einem Text auf der Homepage. Dafür braucht es Beratungen an der Schule", meint dazu Schwarzenbacher. Sie hält die an den Schulen angebotene Orientierung für sehr mangelhaft und fordert Beratungen, die aber zu keinen Zugangsbeschränkungen werden sollen. "Zurzeit ist noch nicht geklärt, welche Beratungen kommen sollen und ob sie private oder öffentliche Stellen durchführen werden", so Schwarzenbacher. Sie wünsche sich vor allem Beratungen direkt in der Schule.

Leistungsdruck steigt

Pinter wird dieses Jahr maturieren. Er blickt der Zeit danach aber nicht nur positiv entgegen. "Man liest dauernd von Problemen mit überfüllten Hörsälen, Livestream-Übertragungen der Vorlesungen und so weiter - Da kann man nur hoffen, dass sich bis zum eigenen Studienbeginn irgendetwas ändern wird", so Pinter. Sehr viele Schüler würden sich Sorgen machen, dass ihre Ausbildung zu kurz kommt.

Zukunftsängste gebe es genug, meint auch Schwarzenbacher. "Die Schüler wissen einfach nicht über ihre Möglichkeiten Bescheid", so die Schülervertreterin. Die Kürzungen bei der Familienbeihilfe hätten den Leistungsdruck so erhöht, dass viele sich nicht vorstellen könnten, wie sie einmal ihr Studium finanzieren. (Daniela Neubacher, derStandard.at, 21. Jänner 2010)

  • "Auf jeden Fall brauchen wir eine gemeinsame Schule für alle", meint Iris Schwarzenbacher, Vorsitzende "Aktion kritischer Schülerinnen".
    foto: aks

    "Auf jeden Fall brauchen wir eine gemeinsame Schule für alle", meint Iris Schwarzenbacher, Vorsitzende "Aktion kritischer Schülerinnen".

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    Schon vor dem Maturajahr soll mit den Schülern über ihre Interessen, Stärken und Schwächen gesprochen werden, wünscht sich Bundesschulsprecher Pinter.

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