Test soll Qual der Studienwahl erleichtern

20. Jänner 2011, 14:00
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Studienanfänger müssen künftig eine Studienberatung absolviert haben - Ein Selbsttest soll klären, für welche Berufe sie sich eignen

Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Wissenschaftsministerin Beatrix Karl haben ein gemeinsames Ziel: Studierende sollen künftig in den richtigen Hörsälen Platz nehmen, also schon vor der ersten Vorlesung wissen, welches Studium sie wirklich wollen. Und das Projekt „Studienchecker" werde dafür sorgen. Das von den beiden Ministerien erstellte Konzept sieht vor, die Schüler in den letzten zwei Schuljahren vor dem Studienbeginn über Studium und Beruf zu informieren und bei ihrem Entscheidungsprozess zu helfen. Zu einem Bachelor- oder Diplomstudium können sich dann nur diejenigen anmelden, die nachweislich eine Studienberatung in Anspruch genommen haben. Doch wie soll diese Studienberatung konkret aussehen?

Beratung und Reflexion

Laut Konzept beginnt die Vorbereitung der künftigen Studenten schon im Vormaturajahr: Die Schüler bekommen eine Mappe mit Informationsmaterial, die sie dann selbst erweitern sollen. Danach füllen sie einen Selbsteinschätzungs-Fragebogen aus. Der soll ihre Neigungen und Orientierungen offenlegen und ihnen potentielle Berufe vorschlagen. Im Maturajahr gibt es dann konkrete Informationen über das tertiäre Bildungssystem. Außerdem sollen die Schüler in Gruppen, aber auch einzeln beraten werden.

Umgesetzt wird das Konzept des Studiencheckers bereits im laufenden Schuljahr in 81 österreichischen Schulen in Salzburg, Tirol und Wien. Das Fazit der zweijährigen Pilotphase sehe dem Evaluierungsbericht zufolge positiv aus: 84 Prozent der befragten Schüler seien zufrieden bis sehr zufrieden mit dem "Studienchecker".

Hutmacher mit Matura

Heftige Kritik an dem geplanten Selbstest kommt allerdings von der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH). "Wir halten diesen Test für ziemlichen Blödsinn", teilt ÖH-Chefin Sigrid Maurer mit. Es sei lächerlich, wenn angehende Maturanten ankreuzen müssten, ob sie bei einem Auto das Öl wechseln oder mit einer Stichsäge umgehen können. Rauskommen würde ein Berufsraster mit einer Vielzahl an Berufen, die weder zeitgemäß wären, noch eine Matura benötigten. "Der Test gibt den Schülern keine Richtung vor", kritisiert Maurer. Er komme aus dem Ministerium, den Großteil des Projektes - die Beratungsgespräche - erledige allerdings die ÖH.

Beratungsstellen noch ungeklärt

Ab Herbst 2011 muss jeder Studienanfänger eine Studienberatung nachweisen. Betroffen davon wären laut Angaben der APA rund 50.000 Personen. Mitgezählt wurden dabei auch all jene, die bei Aufnahmsprüfungen im Jahr zuvor gescheitert sind. Ob diese auch einen Beratungsnachweis erbringen sollen, steht noch nicht fest.

Wer diese Gespräche durchführen soll, ist auch noch nicht geklärt. Im Begutachtungsentwurf vom Dezember 2010 werden etwa die ÖH, das AMS, das WIFI, einzelne Unis sowie Studien- und Berufsinformationsmessen genannt. Von einem verpflichteten Beratungsgespräch der ÖH weiß Maurer allerdings noch nicht. "Darüber hat das Ministerium noch nie mit uns geredet", so die ÖH-Chefin.

Auf Nachfrage beim Unterrichtsministerium heißt es, Beratungen mit der ÖH seien lediglich eine der Möglichkeiten. "Die Details der Umsetzung werden noch durch eine Verordnung zu klären sein", teilt Schmieds Sprecherin mit. (Daniela Neubacher, derStandard.at, 20. Jänner 2011)

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    Ein Interessenstest soll klären, welche Neigungen ein Schüler hat und die Entscheidung für eine Studienrichtung erleichtern.

  • Damit sich Maturanten gut überlegen, was sie studieren wollen, müssen Studienanfänger im Vorfeld eine verpflichtende Studienberatung absolvieren.
    foto: christian fischer/standard

    Damit sich Maturanten gut überlegen, was sie studieren wollen, müssen Studienanfänger im Vorfeld eine verpflichtende Studienberatung absolvieren.

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