Prostatakrebs: Bestrahlung besser als Abwarten

4. August 2016, 10:29
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Bei Prostatakrebspatienten über 80 Jahren sind Operationen oft zu riskant – eine Studie untersucht, inwiefern eine Bestrahlung des Tumors sinnvoll ist

Die Frage, ob man Männer mit Prostatakarzinomen sofort behandeln soll, stellt sich besonders bei alten Patienten wegen der Nebenwirkungen und der Belastung durch die Therapie. Eine groß angelegte Untersuchung anhand der Daten von fast 24.000 Patienten über 80 Jahre unter Beteiligung von Wiener Urologen hat jetzt gezeigt, dass einfaches Abwarten die Überlebenschancen verschlechtert.

Die Wissenschafter haben ihre Auswertung jetzt im Internationalen Journal of Radiation Oncology – Biology – Physics publiziert. Unter den Co-Autoren des internationalen Teams findet sich auch Shahrokh Shariat, Chef der Universitätsklinik für Urologie im Wiener AKH (MedUni Wien). Die Wissenschafter analysierten die Daten zu 23.790 Patienten mit einem auf die Prostata begrenzten Karzinom im Alter über 80 Jahre (1991 bis 2009 sowie in einer Unterauswertung für den Zeitraum von 2001 bis 2009). Gegenübergestellt wurden die Überlebensraten von Kranken, welche eine Strahlentherapie bekommen hatten, mit jenen von Kranken, bei denen man sich zum Abwarten entschlossen hatte.

Bei welcher Gruppe es Sinn macht

Beim Prostatakarzinom ist die Entscheidung, ob sofort operiert oder sonst behandelt werden sollte, schwierig zu treffen. Es gibt relativ gutartige Krankheitsverläufe, aber auch Erkrankungen mit sehr aggressiven Karzinomen. Operation und sonstige Therapien sind aber auch belastend und mit Nebenwirkungen verbunden. Viele Betroffene sterben nicht an dem Karzinom. Das ist auch abhängig davon, ob die Tumorzellen eher normalem Gewebe ähneln (hoch differenziert) oder nicht (niedrig differenziert). Es gibt auch ein Zwischenstadium (mittelgradig differenziert).

Bei Prostatakarzinom-Patienten mit mittelgradig differenziertem Tumor brachte eine Radiotherapie im Vergleich zu Abwarten eine um rund 20 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlichkeit. Bei den gefährlicheren niedrig differenzierten Tumoren lag die Differenz bei gar 40 Prozent. Bei hochgradig differenzierten Karzinomen gab es keinen statistisch aussagekräftigen Effekt. Die Ergebnisse waren auch vom ethnischen Hintergrund der Kranken her ähnlich.

Die Unterschiede bei sonst gesunden oder an einer weiteren chronischen Erkrankung leidenden Patienten waren einander ähnlich: Immer war eine Strahlentherapie günstiger beim Mortalitätsrisiko. Betrachtete man ausschließlich die Kranken über 80 Jahre, die zwischen 2001 und 2009 wegen eines lokal beschränkten Prostatakarzinoms behandelt worden waren, reduzierte sich die Sterblichkeit bei einer Strahlentherapie statt bloßem Abwarten auf einen Fortschritt der Erkrankung um fast die Hälfte. (APA, 4.8.2016)

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