Wie es Österreichern im Silicon Valley geht

14. April 2016, 09:18
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Das Programm der Wirtschaftskammer "Go Silicon Valley" gilt als chronisch unterfinanziert, aber die Grundeinstellung lautet ja: "Nichts ist unmöglich".

Man erkennt sie an ihren grauen Anzügen, weißen Hemden, offenen Krägen: die deutschen und österreichischen Jungmanager, -berater und -politiker. Sie treten hier meist in Rudeln auf. Das Silicon Valley ist das Mallorca der deutsch-österreichischen Wirtschafts- und Politikeliten – Innovations-Ballermann sozusagen. Dabei sollte man sich sehr gut vorbereiten, um in kurzer Zeit etwas zu lernen und mehr mitzunehmen als Selfies am Google-Campus.

Sich irritieren lassen

Mario Herger, Autor des Buches Das Silicon-Valley-Mindset, meint, man müsse sich mindestens eine Woche Zeit nehmen, die Unterkunft über Airbnb organisieren, mit Uber fahren, sich mit Menschen aus verschiedensten Branchen treffen, mit Start-up-Leuten und Venture-Kapitalisten, und das tunlichst nicht in Hotels. Man muss sich irritieren lassen. Herger, ehemaliger SAP-Entwicklungsleiter, lebt und arbeitet seit 15 Jahren im Valley und organisiert auch Touren durch die Start-up-Szene des innovativsten Wirtschaftsraumes der Welt.

5000 Österreicher in der Bay Area

An die 60.000 Deutsche und je rund 5000 Österreicher und Schweizer leben derzeit in der Bay Area. Wie viele von ihnen unternehmerisch tätig sind, ist unklar. Ein paar weitere Hundert sind in diversen Accelerator-Programmen für wenige Monate hier, um vom Mindset des Silicon Valley zu lernen. An die 90 solcher Programme laufen derzeit. Deutschland hat mit dem German Accelerator ein starkes Signal gesetzt.

Österreich ist mit "go Silicon Valley" der WKÖ zwar präsent, aber typisch österreichisch unterfinanziert: "Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel", sagt Mario Herger. Während die Deutschen das volle Programm mit Kontakten mit Venture-Capital-Fonds und Expertencoaching durchziehen, bieten die Österreicher im Wesentlichen einen Co-Working-Space.

Fast präsent

Sowohl das österreichische Generalkonsulat als auch das Außenwirtschaftszentrum der WKÖ sitzen in Los Angeles, und nicht in San Francisco. Einen Direktflug Wien – San Francisco gibt es leider auch nicht. Matthias Fröschl, der im Valley zwei österreichische Restaurants betreibt, wird sich seine Käsekrainer noch länger über New York besorgen müssen.

Das Venture von Dejan Stojanovic könnte den Automobilhandel revolutionieren, den Autokäufern ganz neue Möglichkeiten und attraktive Preise eröffnen. Er wurde bei der Go-International-Initiative der WKÖ und für einen internationalen Accelerator ausgewählt. Stojanovic hat sich intensiv vorbereitet und die drei Monate im Valley gut genützt. Die Rahmenbedingungen hier, das positive Feedback attraktiver Partner, Investoren und Kunden – sie sind nun dafür ausschlaggebend, sein Venture auch in den USA zu starten.

Zugang zu Weltmärkten viel leichter

Einen Schritt weiter ist Marcus Scheiber. Er zieht das Smart-Home-Venture ROC-Connect in Palo Alto hoch. Vor vier Jahren kam er aus Österreich, um in Stanford das einjährige Sloan-Masterprogramm zu absolvieren – zur Inspiration nach fast 20 Jahren IT-Unternehmertum. Die "Auszeit" brachte freilich keine Pause, sondern jede Menge neue Ideen. Scheiber blieb mit Familie im Valley, um mit neuen Partnern, die er über das Sloan-Programm kennengelernt hatte, sein global operierendes Smart-Home-Venture hochzuziehen.

Er bewegt sich im derzeit spannendsten Markt der Welt, dem Internet of Things (IOT). Ein überzeugendes Konzept gepaart mit hohem Arbeitseinsatz zeichnet den Alltag seines Ventures aus. Mit Partnern in Österreich, Südamerika und China schaut bei Scheiber der Tag-Nacht-Rhythmus etwas anders aus als beim Durchschnittsangestellten. Der Zugang zu den Weltmärkten und zu Risikokapital ist aus Palo Alto viel leichter.

Erfolgsfaktoren des Silicon Valley

Erfahrene Unternehmer wie Herger und Scheiber sehen das Geheimnis des Silicon Valley in ein paar zentralen Erfolgsfaktoren:

  • Die Grundeinstellung, dass nichts unmöglich ist. "Das geht bei uns sicher nicht", hört man nur von Besuchern aus Europa.
  • Die kurzen Wege zu den besten Hightech-Unternehmen und Venture-Capital-Anbietern dieser Welt, eine einzigartige Konzentration von Veranstaltungen, Foren, und Programmen.
  • Die Geschwindigkeit, mit der hier Geschäfte gemacht werden, und das enorme Potenzial der Menschen, die hier sind und Feedback geben.

Nur Mut

Der Mut zum "Think Big" ist die Voraussetzung, die man selber mitbringen muss. Dann lebt die Hoffnung, dass man eines schönen Tages um viel Geld von einem der Großen gekauft wird – und man das ganze viele Geld sofort in ein neues Venture investieren kann. (Michael Meyer, 14.4.2016)

Zur Person:

Michael Meyer leitet das Institut für Non-Profit-Management an der WU Wien und berichtet für den STANDARD exklusiv über seinen Forschungsaufenthalt in Stanford.

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  • Österreich ist mit "go Silicon Valley" der WKÖ zwar präsent, aber typisch österreichisch unterfinanziert: "Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel", sagt Mario Herger,  Autor des Buches "Das Silicon-Valley-Mindset".
    foto: johann groder / apa

    Österreich ist mit "go Silicon Valley" der WKÖ zwar präsent, aber typisch österreichisch unterfinanziert: "Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel", sagt Mario Herger, Autor des Buches "Das Silicon-Valley-Mindset".

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