"NZZ.at" verlegt Teile in die Schweiz und baut die Hälfte der Mitarbeiter ab

15. März 2016, 10:51
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Engere Zusammenarbeit zwischen Wien und Zürich – Neun von 20 Mitarbeitern müssen gehen – Wien soll aber Fixpunkt bleiben

Wien/Zürich – Die NZZ-Mediengruppe baut ihr österreichisches Digitalprodukt "NZZ.at" gut ein Jahr nach dem Start um. Von Wien in die Schweiz wandern die Bereiche Technik, Marketing und internationale Themen, heißt es in einer Presseaussendung der "Neuen Zürcher Zeitung". Im alleinigen Fokus der Wien-Redaktion sollten Österreich-Themen stehen. Mit der Verschlankung in Verbindung steht auch ein Mitarbeiterabbau: Neun von 20 sollen das Unternehmen bis Ende September verlassen.

Betroffen sind fünf Mitarbeiter aus dem Bereich Technologie und Marketing sowie vier Journalisten aus der Redaktion. Zum Start hatte NZZ.at 21 Angestellte, darunter 15 Journalisten. Nach dem Umbau sollen es neun Redakteure sein.

"Wir lösen keines dieser Arbeitsverhältnisse kurzfristig auf. Die NZZ-Mediengruppe nimmt ihre Verantwortung als Arbeitgeberin wahr und unterstützt die Kolleginnen und Kollegen in diesem Veränderungsprozess", wird Anita Zielina, Chefredaktorin Neue Produkte der NZZ, in der Aussendung zitiert. Michael Fleischhacker wird Chefredakteur von "NZZ.at" bleiben.

Wien soll Fixpunkt bleiben

Österreich soll allerdings ein Fixpunkt in der Internationalisierungsstrategie der Gruppe bleiben, wird betont. Zugang zu "NZZ.at" gibt es um monatlich 14,99 Euro. Wie viele Abonnenten das Portal hat, wollen die Schweizer auf STANDARD-Nachfrage nicht kommunizieren. Nur so viel: Es seien "mehrere Tausend", wie es auch in der Aussendung heißt. Angepeilt wurden 10.000 nach dem ersten Jahr. Das Portal in Wien wird als Probegalopp für den größeren Markt in Deutschland gesehen, auf den die "NZZ" schielt.

Das Anfang 2015 gestartete Projekt hat eine durchwachsene Startphase hinter sich. "NZZ.at" setzt ganz auf bezahlte Onlineabos, die in den ersten Monaten wegen technischer Startschwierigkeiten deutlich hinter den Erwartungen blieben. Seit einem optischen und inhaltlichen Relaunch im Herbst läuft es besser, die Abo-Zahl liegt aber weiter unter Plan. Mit den aktuell bekanntgegebenen Schritten will man nun die Kostenbasis für den schwierigen österreichischen Markt verbessern und den Bestand des Onlineportals sichern.

CEO Veit Dengler sagt: "Die Investition in Österreich ist Teil unserer Produkt- und Internationalisierungsstrategie. Österreich ist und bleibt ein wichtiger Markt für die NZZ. Mit dieser neuen Aufstellung sichern wir die Zukunft von 'NZZ.at'."

Update

Journalist Christoph Zotter (33) wechselt von NZZ.at zum Nachrichtenmagazin "profil". Zotter ist nach Barbara Kaufmann der zweite prominente Abgang bei NZZ.at. Er wird ab April für das Außenpolitik-Ressort des Nachrichtenmagazins schreiben. Vor seiner Zeit bei NZZ.at war er leitender Redakteur beim Monatsmagazin "Datum" und schrieb als Autor unter anderem für "Die Zeit", "NZZ am Sonntag" und "profil". (red, APA, 15.3.2016)

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