Ein "Nicht genügend" im Zeugnis ist keine Katastrophe

Blog3. Juli 2015, 08:00
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Viele Kinder und Jugendliche haben Angst vor der Reaktion der Eltern – Tipps, wie man auf eine schlechte Zeugnisnote reagieren soll

Letzter Tag in der Schule vor den Sommerferien. Valentin hat, trotz des vielen Lernens, einen Fünfer in Englisch bekommen. Da ist einerseits seine Vorfreude auf die langen Ferien. Doch ihm ist auch mulmig zumute:

Die Mama wird davon reden, dass er jetzt jeden Tag mindestens vier Stunden für die Wiederholungsprüfung lernen muss. Der Papa wird ihm das Handy wegnehmen, den Internetzugang abdrehen und mit ihm ein "ernstes Wörtchen" reden. Wenn er könnte, würde er jetzt erst mal nicht nach Hause gehen.

Angst, zu enttäuschen

So wie Valentin ergeht es Kindern und Jugendlichen, die sich vor den unvorhersehbaren Konsequenzen ihrer Eltern fürchten. Davor, die Mama und den Papa enttäuscht zu haben.

Eltern reagieren in Anbetracht des schlechten Abschneidens ihres Kindes oftmals mit Trauer, Enttäuschung und Wut. Doch wichtig dabei ist: egal wie schlecht das Zeugnis ausgefallen ist, es darf nichts an der Liebe der Eltern zu ihrem Kind ändern.

Suche nach Ursachen

Es ist sinnvoll, sich gemeinsam mit dem Kind und Jugendlichen auf die Suche nach dem Grund für das schlechte Abschneiden zu begeben. Bestimmt gibt es Ursachen, warum die Noten schlecht sind. Liegt es am Stoff, am Verständnis, an der Faulheit, an einer schlechten Zeiteinteilung beim Lernen, an zu vielen anderen Aktivitäten, die dem Kind die Erholungsphasen und die Zeit rauben?

Was Zeugnisse zeigen

Zeugnisse zeigen den aktuellen Stand eines Kindes in jedem Unterrichtsgegenstand in der Schule. Es zeigt nicht, wie sich ein Kind im vergangenen Schuljahr entwickelt hat, ob es durch Krisen gegangen, ihm die Pubertät im Weg gestanden ist, der erste Liebeskummer zu groß zum Lernen war. Es zeigt nicht, ob sich das Kind in der Klassensituation wohl fühlt und gerne in diese Schule geht.

Nachprüfung – nicht wahllos lernen

Gönnen Sie Ihrem Kind oder Jugendlichen seine Ferien. Es ist nicht ratsam, vom ersten Tag der Ferien an für die Nachprüfung zu lernen.

Nach der Erholungsphase (meistens vier Wochen) machen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind einen Lernplan. Jeden Tag ein wenig zu lernen ist besser, als nur alle zwei, drei Tage und dann fünf Stunden.

Oftmals ist es besser, sich Unterstützung durch Nachhilfe zu suchen und so den Streitpunkt Lernen auszulagern. Das macht den Sommer für alle etwas entspannter.

Kein Weltuntergang

Vielen Kindern und Jugendlichen tut es mitunter gut, eine Klasse zu wiederholen. Für viele Eltern und Kinder ist der Gedanke an eine Klassenwiederholung im ersten Moment schrecklich: Die Scham, nicht gut genug gewesen zu sein, die Angst, in eine neue Klassengemeinschaft hineinzukommen und sich auf neue Lehrer einstellen zu müssen, beeinträchtigen das Wohlbefinden.

Andererseits kann eine Klassenwiederholung dem Kind helfen: Es hat den Stoff schon einmal gehört und kann sein Wissen aus dem Vorjahr nützen, um bessere Noten zu schreiben, es kann somit vielleicht zum ersten Mal Erfolge erzielen, die ihm bisher versagt geblieben sind. Durch solche Erfolge steigt fast immer auch der Selbstwert eines Kindes. Es kann etwas und wird dafür gelobt, seine Leistungen werden anerkannt.

Ihre Erfahrungen?

Welche Erfahrungen haben Sie mit schlechten Noten, Nachprüfungen und Klassenwiederholungen? Posten Sie Ihre Erfahrungen, Fragen und Ideen im Forum! (Andrea Leidlmayr, Christine Strableg, 3.7.2015)

  • Auch wenn am letzten Schultag vor den Sommerferien die Freude getrübt ist – Kinder brauchen eine Erholungsphase.
    foto: standard/corn, corn.at

    Auch wenn am letzten Schultag vor den Sommerferien die Freude getrübt ist – Kinder brauchen eine Erholungsphase.

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