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Die Geschichte des WeTabs: Ein Drama in mehreren Akten

Birgit Riegler, 23. Dezember 2010, 16:30
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    foto: reuters

    Das WeTab

Das Tablet von der traurigen Gestalt als Gadget des Jahres 2010

Welches Gadget hat die IT-Welt 2010 am meisten beschäftigt? "Das iPad", wäre die logische Antwort. Das Apple-Tablet hat den Markt im Sturm erobert. Doch viel spannender ist die Geschichte eines seiner Herausforderer, der uns das ganze Jahr begleitet hat. Das WeTab ist der Don Quichotte der IT-Welt, der sich aufmachte gegen Windmühlen zu kämpfen.

Es begann vielversprechend

Der WebStandard berichtete erstmals im März 2010 vom WeTab, das damals noch WePad hieß. Als "Gegenstück zum iPad" wurde es gefeiert, als Hoffnungsträger für deutschsprachige Zeitungen, da es mit Android laufen und somit offener als Apples Tablet sein sollte. Medien lobten die "üppige Hardware" des Geräts der Berliner Firma Neofonie und der 4tiioo AG. Im April war es dann soweit: Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen präsentierte das WePad. Die Eckdaten - ein 11,6 Zoll großes Display, Kamera, WLAN, USB-Anschlüsse, Intel-Atom-Prozessor, UMTS und GPS - klangen vielversprechend - der Preis ab 449 Euro schien das Gerät zum gefährlichen iPad-Konkurrenten zu machen.

Blamage bei der Präsentation

Doch die bei der Präsentation anwesenden Journalisten witterten bereits, dass irgendetwas mit dem Wunderding aus deutschen Landen nicht stimmen konnte. Chef Hoffer von Ankershoffen wollte das Gerät nicht aus der Hand geben. Und tatsächlich: einen Tag später gestanden die Macher ein, dass man falsche Angaben gemacht habe. Der Prototyp, der präsentiert wurde, lief mit Windows - die demonstrierte Benutzeroberfläche war nur ein Video, das abgespielt wurde. Kein Wunder, dass man es niemanden zum Ausprobieren geben wollte. Man entschuldigte sich, erklärte, dass man das Gerät erst am Vortag bekommen habe und versprach im Juli die fertige Version auf den Markt zu bringen. Ende April wollte man das "echten WePad" zeigen.

Keine Vaporware

Zum dem Zeitpunkt vermuteten einige Beobachter, dass das Gerät einfach nur Vaporware sei und nie in den Handel kommen werde. Hätte das Unternehmen zu dem Zeitpunkt einen Schlussstrich gezogen, wären alle Beteiligten mit einem blauen Auge davon gekommen. Aber so sollte es nicht geschehen. Wie angekündigt berief Hoffer von Ankershoffen am 26. April wieder eine Pressekonferenz ein und zeigte tatsächlich einen funktionierenden Prototypen. Erste Tester zogen ein vorsichtig positives Urteil. Die Financial Times Deutschland meinte gar, dass es dem iPad in Punkto Hardware in einigen Teilen überlegen sei. An dem auf Ubuntu Linux basierendem WePad OS müsse das Unternehmen aber noch feilen. Das Versprechen, dass darauf auch Android-Apps laufen sollten, erzeugte viel Aufmerksamkeit in der Branche.

Pannen-Pad

Doch die nächste Niederlage sollte nicht lange auf sich warten lassen. Anfang Mai gab das Unternehmen bekannt, dass das WePad fortan WeTab heißen und von der eigenen WeTab Gmbh vermarketet werden sollte. Es sollte eine bessere "internationale Abgrenzung" zum iPad schaffen, hieß es. Beobachter vermuteten, dass Apple seine Finger dabei im Spiel hatte. Die Pläne des Unternehmens waren noch ehrgeizig und bei Amazon war bereits die Vorbestellung möglich. Doch der Marktstart wurde immer weiter nach hinten verschoben - aus anfänglich Juli war mittlerweile September geworden. Anfang September wurde bekannt gegeben, dass statt der Ubuntu-Variante Nokias mobiles Betriebssystem MeeGo darauf laufen werde. Das WeTab war bereits zum Lacher der Branche geworden.

Stolper-Start

Obwohl kaum jemand damit gerechnet hatte, kam das Tablet im September tatsächlich auf den Markt. "Bis Ende 2011 wollen wir bei den Stückzahlen in einem guten sechsstelligen Bereich sein", gab sich das Unternehmen zuversichtlich. Wir gaben dem WeTab eine zweite Chance. Freilich, die Entwicklung so eines Geräts ist kompliziert und wenn es etwas länger dauert, dann aber funktioniert, soll es auch recht sein. Doch die Probleme rissen nicht ab. Auch beim Start waren viele Features noch nicht fertig. Golem meinte in einem ersten Test zwar, dass das Gerät nicht grundsätzlich schlecht sei, doch es fehle noch an allen Ecken und Enden. So waren zum Start noch keine Multitouch-Eingaben möglich, der Lüfter war zu laut und kühlte zu wenig, die Lagesensoren konnten den Bildschirm noch nicht drehen, der Browser hakte und der HDMI-Ausgang funktioniert gar nicht. (Trotz mehrfacher Anfragen, wurde dem WebStandard nie ein Testgerät zur Verfügung gestellt.) Das alles versprach das Unternehmen mit laufenden Updates zu beheben.

PR-GAU

Immerhin: das Gerät war nun bei Amazon erhältlich und erste Kunden zeigten sich in Rezensionen teils positiv, teils enttäuscht. Doch an den positiven Rezensionen war etwas faul. Sie waren zu positiv, wie dem Blogger Richard Gutjahr aufgefallen war und er recherchierte ein bisschen nach. Es stellte sich heraus, dass Helmut Hoffer von Ankershoffen sein WeTab auf Amazon selbst in den höchsten Tönen gelobt hatte, unter einem Pseudonym. Der WeTab-Chef gab seinen Fehltritt zu und legte die Leitung in dem Unternehmen nieder.

Rückzug

Inzwischen hagelte es weiter Kritik für das Gerät. Die Versprechungen auf dem Papier konnten in der Realität nicht gehalten werden und Kunden kritisierten zahlreiche Fehler und Mängel an dem Tablet. Im Oktober kam zwar das versprochene Update für Multitouch. Doch schon Mitte November folgte der nächste Schlag. Die Berliner Firma Neofonie zog sich aus Entwicklung und Vermarktung zurück und überließ dem Partner 4tiioo das Geschäft komplett. Die WeTab Gmbh soll fortan alleine von 4tiioo weitergeführt werden.

Das Ende?

Wie es mit dem WeTab weitergeht, steht in den Sternen. Auf der Facebook-Seite wird es intensiv beworben. Das Unternehmen tourt Ende Dezember durch deutsche Kaufhäuser. Doch die kritischen Kommentare der Nutzer sind eindeutig und auch die Rezensionen auf Amazon sind überwiegend verhalten bis negativ. Das WeTab hätte alle Chancen gehabt - Medien und Nutzer zeigten sich von Anfang an stark interessiert. Doch die vielen Pannen und Patzer, die sich das Unternehmen geleistet hat, machten das WeTab leider zum Gespött der Branche und zum IT-Flop des Jahres. Dabei hätte es durchaus eine kleine Chance gegen die Windmühlen gehabt. (Birgit Riegler/derStandard.at, 23. Dezember 2010)

Der WebStandard auf Facebook

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 46
1 2
Don_FiFi
01
17.1.2011, 15:05
der typ auf dem foto...

...ist so häßlich, dass ich mein adblocker auf das bild gesetzt habe, dass es nicht mehr angezeigt wird.
gruslig sowas....

Brötchen aufs Pfötchen
00
10.1.2011, 21:08

Laut Münchhausen konnte man das OS vor der Präsentation nicht vollständig aufspielen, da der Akku bereits am Ende war und Ladegerät gab es auch keines.

Michl H.
00
schöne himmelblaue

googlewelt, die sich im standard spiegeln tut.

Michl H.
00
Einfach

zu viel gewollt…

Portégé
00
18.1.2011, 08:29

Zu viel gewollt - und zu wenig gekonnt.

Bodypainter
08

kann man das foto dieses mega mega unsympathischen typen mit dem wee pad gegen ein anderes ersetzen?

Leonardo Basil
01

Wollte gerade genau das Selbe posten. Diese Frankensteins Zombiefratze schlägt mir jedesmal derart die Augen aus, wenn ich auf den Standard klick'....

Kevin Valachovic
00

"Trotz mehrfacher Anfragen, wurde dem WebStandard nie ein Testgerät zur Verfügung gestellt."

Dann hättets euch eins bestellt, Burschen.

Michl H.
00

bist vom Fach?

Paul Scratchwood
01
24.12.2010, 17:47

Pure Satire? Dann zieht euch mal diese 2 gekauften Reviews auf Amazon rein...herrlich :D

http://www.amazon.de/product-r... ddFiveStar

name steht im ausweis
00
25.12.2010, 10:56

Besonders gefällt mir dieser Beitrag:
http://www.amazon.de/review/R2... D60UJE156V

Erwin Brandstetter
63
24.12.2010, 17:44
Blöder Hetz-Artikel

Ich finde es beachtlich, dass eine kleine deutsche Firma in so kurzer Zeit überhaupt ein derartiges Gerät zustande bringt und damit in Konkurrenz zum globalen Konzern Apple tritt. An ihrer Marktkommunikation ist einiges faul, aber ich wünsche mir mehr Alternativen zum Monopolisten, und also logischerweise, dass das WeTab sich weiter entwickelt.

Portégé
00

Ein schlechtes Konzept schlecht umsetzen und dann auch noch schlecht verkaufen - was soll daran "beachtlich" sein?

Eine miese Leistung bleibt eine miese Leistung, egal wo die Firma herkommt.

der Teesdorfer
22
29.12.2010, 15:33
Helmut...

...du hier ????

Nerdrage
00

kannst du nicht lesen?

Anonymous Coward
03
25.12.2010, 18:42

Nur weil es sich eine kleine deutsche Firma traut, in Konkurrenz zu Apple zu treten (oder sich das zumindest wünscht), würde ich ihr Produkt trotzdem nicht unbedingt verwenden wollen. Vor allem nicht, wenn es - wie in diesem Fall - ganz einfach unbrauchbarer Müll ist.

name steht im ausweis
02
25.12.2010, 10:48

Man sieht eh, was sie zusammen gebracht haben: Hardware für Tech-Spec-Junkies in China zusammen basteln lassen und ein Video, das demonstrieren soll, wie dass Ding hätte funktionieren sollen, wenn es denn so auf den Markt gekommen wäre.

Ein bisserl viele Konjunktive für ein erfolgreiches Produkt, findest du nicht?

Und am Ende war's doch nur ein Bug in C.

Harry Meier
 
12
25.12.2010, 00:20
Sorry aber Monopolist ist meiner Meinung nach .

.. eine Falschaussage. Apple hat ein sehr gutes Produkt auf dem Markt gebracht ohne dabei in irgendeiner Form von einem Monopl Gebrauch gemacht zu haben. Die sind nur deshalb erfolgreich weil das Ding einfach gut ist.

Erwin Brandstetter
41
25.12.2010, 01:00
Monopol

"Monopol" sagt nichts darüber aus, ob das Produkt gut ist oder nicht. Es besagt in diesem Fall, dass es derzeit (etwas vereinfacht) keine Alternativen zum iPad von anderen Anbietern gibt. Und das ist an sich schlecht.

wait for it ...
00
25.12.2010, 11:48

Klar hatten sie ein Monopol, da es ja ein komplett neues Nischenprodukt war. Smartphones und Tablet PCs auf denen Windows läuft könnte man nicht wirklich damit vergleichen.
Mittlerweile sind andere Hersteller (mehr oder weniger erfolgreich) dem Beispiel Touchscreen+optimiertes Betriebssystem gefolgt und man kann nicht mehr von einem Monopol sprechen. Marktführer wäre zutreffend.

name steht im ausweis
02
25.12.2010, 10:45

Apple hat kein Monopol, sondern schlicht de größten Marktanteil. Im Moment zumindest.

:
01
24.12.2010, 18:54

owa geh, die kleine deutsche firma lässt wie alle anderen auch die hardware in china fertigen. die software haben sie nicht rechtzeitig zum laufen gekriegt, was an sich noch kein problem waere. bei der vermarktung waren halt nieten am werk, die zudem noch hoch gepokert haben. schade eigentlich, denn ein ubuntu basiertes tablet (sozusagen ein UPad) wuerd ich mir sofort kaufen.

"WILLKOMMEN" - im Sumpf der Verblödung!
 
00
24.12.2010, 09:08
Ende April wollte man das "echten WePad" zeigen.

echten auf echte abaendern - thx

hp12c
22
24.12.2010, 01:23
hmm

und wiedermal - ich sags euch ja ungern - aber ich habs euch ja gesagt - ne blödsinn, ich sags euch gern, dass ichs euch ja 50.000 mal gesagt hab

naja, ich hoffe weiterhin auf samsung und co - dass die weiterhin eine konkurrenz bleiben und andere mit NEUUUEN Ideen kommen und dem iPad einheizen...

wir alle würden profitieren!

aber typen wie ankershoffen und firmen wie wetab gmbh schaden dem ganzen geschäfft - da kommt schnell mal für die ganze branche ein negaiver beigeschmack auf - und die leute die ein wetab gekauft haben - denken wohl beim nächsten "tab" kauf 3 mal nach.... naja mal sehn was die ces bringt

gidolf
00
24.12.2010, 11:57

Sagst dus jetzt gern oder ungern?

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