Der Fisch mit den dicksten Pickeln

4. Jänner 2011, 17:03
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    Da lacht der Fisch: Istanbul, zwischen Fleisch und Gmias.

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    Dickste Pickel, das nehmen wir: Aber bitteschön, Experten vor, wie heißt der Fisch. Und kommen Sie mir nicht mit Ahmed oder Franz.

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    Meze, nicht nur eine Augenweide im Babanin Yeri.

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    Meze, südseitig.

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    Das sollen wir nicht tun, fisch!

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    Rotbarbe, sehr bemehlt, innen sehr gut.

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    Das Dessert ging auf Haus. Und es war sehr, sehr, sehr süß. Die Vegetarierin hat's trotzdem weitgehend verputzt, wie unser Bild beweist.

Spät, aber doch Istanbul, Harald Fidlers dritter und vorerst letzter Gang dort: Noch ein paar durchaus viel versprechende Anläufe zum Fisch am Bosporus - Mit Hilferuf

Und wenn es noch so schön war, man muss die Dinge doch zu einem Ende bringen. Loslassen können. Auch wenn's schwer fällt, je länger es dauert. Zum Beispiel Istanbul. Da fehlt unserer Rubrik "Schmeck's unterwegs" eindeutig noch ein Gang. Zwischen Fleisch (Goldener Darm am Goldenen Horn) und Fleischlosem (Cold Turkey, vegetarisch). Genau: Fisch. Einen Anlauf immerhin hatten wir hier ja schon zum Thema (Something awfully fishy). Aber dafür holten wir uns ja gleich einen Schippel Rüffel.

"Aber die eigentliche empfehlung, lassen Sie sich von einer/m türkIn, der/die auf essen steht, rumführen und nicht vom lonely planet." Riet mir cg76 nach meiner ersten Schmecks-Stippvisite in Istanbul, und sagen Sie nicht, ich höre nicht auf die Poster und Posterinnen. Ich hab's jedenfalls versucht, wie aufmerksame Leser schon vom goldenen Darm und vom Cold Turkey wissen.

Ich gebe gern zu, dass der Maler Ahmed Orhan, halb in Wien, halb in Istanbul zuhause, nicht gerade der Durchschnittstürke schlechthin ist. Aber Essen geht der Mann, scheint mir, schon ganz gern. Nicht weit, scheint mir auch, aber gut: Praktisch unter seinem Atelier ist das Cafe Simdi untergebracht, praktisch also, ihn und Kollegen Kemal Seyhan zu treffen. Zudem gibts, bei aller Wertschätzung dem türkischen Kaffee, dort auch eine formidable Espressomaschine.

Zwei Hauptspeisen für Fidler

Wohin essen? So schnell können wir gar nicht schauen, sind wir auch schon im rappelvollen Asmali Restaurant, das nicht nur Ahmet Cavit nennt, in der Asmalimescit Caddesi Nummer 16/D, mitten im Fressviertel in den Seitengassen von Beyoglus Istiklal. Und sitzen vor einem Schippel Meze-Teller für Fleischverweigerer, also zum Beispiel formidabler Melanzanicreme mit starker Räuchernote, Bohnensalat, Wildspargel mit viel Knoblauch, Mangold, Artischocken... Die Vegetarierin wirkt hoch zufrieden und praktisch satt, als Herr Orhan und ich richtig loslegen.

Drei Portionen Fisch für zwei alles andere als gerade große, aber ausgewachsene Männer gehen sich schon aus nach den paar Häppchen, finden wir. Ahmed nimmt den Steinbutt, ich kleineren Blaubarsch, gemeinsam noch gegrillte Sardinen (Hamsi), die unter dem Strich auch mir bleiben. Soll mir nichts Schlimmeres passieren.

Überall Ahmed

Ähnlich ergeht's mir mit Orhans zweitem Tipp, diesmal mit einer etwas lauten Gemeinde gelöster Damen reiferen Alters am Nebentisch. Im Yakup 2 (35 Asmalı Mescit Sokak), gleich gegenüber vom Cavit. Und als wir uns dann auf der Terrasse des Hotel Londra (abgedroschen, ich weiß, aber musste einmal sein) noch vom türkischen Mann einer Deutschen ein weiteres Lokal empfehlen lassen - wer sitzt grinsend an ihrem Tisch? Genau: Ahmed. Der schon wieder. Geht wirklich ganz gerne essen, scheint's. Auch im Refik, nur ein paar Ecken weiter (Asmalı Mescit Mah. Sofyalı Sk. 7-10-12).

Alles nicht gerade Geheimtipps, alles in Beyoglu, aber fischtechnisch absolut kein Fehler. Die gepökelten Sardinen (wenn ich mich noch richtig erinnere) im Yakup waren olfaktorisch eine Steilvorlage für die Vegetarierin, aber die trug auch das mit Fassung. Aber a propos Beyoglu...

Ab nach Fatih - leider ohne uns

Kommen Sie mir nur nicht mit Logik, schon gar nicht beim Essen. Nein, wir waren zu faul, zu krank, zu schwach, zu hungrig, whatever: Uns waren die obersuprigen Fischrestaurants im Stadtteil Fatih vieel zu weit, die uns Frau Andrea ans Herz legen wollte, wie aufmerksame und einigermaßen gedächtnisstarke Schmecks-Leserinnen schon wissen. Für die anderen der Link oben zum goldenen Darm und die Erinnerung: Daher das schöne Lahmacunchen auf Haus in Beyoglu, daher die schönen Gemüse, daher die etwas öden Nieren in Beyoglu.

Aber ein Ezzesgeber brachte uns dann doch noch raus aus dem Viertel. Fatih, unser STANDARD-Infografiker aus Istanbul, hatte uns eine Schifffahrt bosporusaufwärts nach Anadolu Kavagi empfohlen. Was ich der Vegetarierin so nicht verriet: Am Ziel unserer kleinen Reise hatte Fatih mir Unmengen Fischrestaurants angekündigt, bei deren Auswahl man ohnehin nichts falsch machen konnte.

Die dicksten Pickel

So ganz ohne Tipp oder Ratschlag brauchte der Fidler natürlich zwei Runden durch das Kaff, in dem garantiert mehr Kellner und Touristenkeiler arbeiten als Menschen wohnen. Wir entschieden uns praktisch für das letzte Eck, am Wasser, sah ganz gediegen aus. War sicher wieder einmal die teuerste Hütte am Platz, wie ich mich kenne (Präziser: Babanin Yeri, Yali Caddesi 13, Anadolu Kavagi). Jedenfalls hing der Plattfisch mit den dicksten Pickeln vor der Tür - siehe Aufmacherbild.

Fischrätsel, auch ohne Silberprinzessin

Bevor ich Dilettant mir das ohnehin schon etwas müde Hirn zermartere, ob mir noch der türkische Name des Fisches einfällt, den ich mir dann übersetzgoogeln könnte, oder ob ich gar ein Bild des blassen, pickeligen Tieres finde, dessen Oberfläche mich ja stark an stark gebleichte Nietengürtel aus den 1980-ern erinnert: Bitteschön, liebe kundige Userinnen und User, ist das ein Steinbutt? Ich zweifle. Eine Flunder? Gar eine Scholle? Danke!

Ist bestimmt so einfach, dass wir dafür nicht einmal die Silberprinzessin brauchen, die einst meine komplette, reichlich ratlose Diashow vom Tokioter Fischmarkt in Nullkommanichts sehr überzeugend benannte - nachzulesen und zu sehen hier.

Rot lieber ohne Akne

Gegessen hab ich den hässlichen Fisch dann doch nicht. Nach den wunderbaren Rotbarben im Doga Balik orderte ich auch hier Barbun, ohne zu bedenken, dass man mir die kleinen Dinger ordentlich gemehlt, fast aussebochn servieren könnte. Tat man. Fand ich, wie so oft, nicht artgerecht, die eigentlichen Fische unter Mehl und Fett waren aber schon sehr gut. Die vegetarischen Meze davor sowieso, und, ja, die fischigen erst.

Hoppla - war das Tunfisch, frag ich mich gerade beim Bildersuchen. Ich entschuldige mich gleich dafür. Immerhin: Der Dosentunfisch als Schnellgericht zurück in Wien ist vor Jahren schon durch Makrele ersetzt. Seither weiß die Vegetarierin immer gleich am Geruch in der Küche, ob ich schon da bin. Und geht sofort auf Blitzdiät.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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Posting 1 bis 25 von 50
1 2
Kahuna
00
10.1.2011, 18:18
Tugra Restaurant in Ciragan Palace, Besiktas

kuchlmensch
00
11.1.2011, 09:28
Ganz billige Option

Sicher sehr preiswert - konnte mit im Ciragan Palace nur einen Capuccino leisten......

Peter Hammer 06
00
Da schleppen sich die Schleppnetze wieder ....

...durch das Schwarze Meer ;-))

tich nak
00

I watch you baby !

Lappe ohne Rentier
02
Ein wahrlich köstlicher Fisch am Bilde, schade, dass Sie zur Mehl-Barbe gegriffen haben...

Abgebildet ist die Unterseite eines türkischen Steinbuttes.

"steinbutt.at" zitiert:
Türkischer Steinbutt hat große, warzenartige Steine mit zum Teil widerhakenartigen Stacheln. Diese müssen vor dem Zubereiten herausgeschnitten werden. Auch auf der weißen Seite sind Steine vorhanden. Die Farbe der Fische ist sehr dunkel, auch auf der weißen Seite haben sie Flecken. Die Fleischausbeute beträgt ca. 40%.
http://www.steinbutt.at/wp-conten... eotica.jpg

Herzelichst
Ihr Lappe

mistaG
10
22.2.2011, 13:51
Dieser Fisch wird in der Türkei "Turbot" genannt.

jumpingjack flash
20

wow - mir hat der fisch weniger kopfzerbrechen bereitet als die nachspeise - ich tippe auf gesalzene nacktschnecken....

tramezzino
00

auf bananenpüree...

jumpingjack flash
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schnecken mit geschmack!

kuchlmensch
00
Einwandfrei Krake

Bei der Süßspeise hat es sich einwandfrei um schleimige Krake gehandelt. Am besten schmeckt übrigens eine Loukoumia-sorte, die aus Karotten gemacht wird (Selcuk und Umgebung) nicht so süß und gar nicht schleimig, gerade richtig für Vegetarierinnen!

jumpingjack flash
00

loukoumades ok (wegen dem ouzo drin) aber das da oben - nein!

Takis
00
13.1.2011, 01:41

Seit wann beinhalten Loukumades Ouzo?

Ein Grieche

jumpingjack flash
00
13.1.2011, 04:14

seit adelheid vossiniotis "echt griechisch kochen" kochbuch b. gräfe u. unzer
:-)
macht m.m. nachj auch sinn, ähnlich dem bisserl rum in unseren germgerichten.
mann kann aber auch weinbrand sprich metaxa nehmen.

Takis
00
13.1.2011, 05:07

Aha, ich werds mal probieren. Vielleicht macht das die viel zu süßen dinger genießbarer. Und ja es gibt Griechen die in Sirup oder Honig schwimmende Süßspeisen nicht mögen^^

jumpingjack flash
00
13.1.2011, 12:08
wenn sie zu süss sind mit viel ouzo nachspülen :-)

wobei der teig ja gar nicht süss ist. ich mach dass immer so dass ich die loukoumades nicht mit zuckerhonigwasser tränke sondern puren honig auf den teller geb wo jeder die frischen loukoumades selber eintunken kann - je nach zuckerbedarf.
250g mehl, 15g germ, 1/4l wasser, 1/2 TL salz, 1 TL ouzo (ich nehm mehr:-)
für die nichtgriechen: aus mehl und halbem wasser und germ ein dampfl machen, nach 1/2 h das restliche wasser, salz und ouzo dazu, teig schlagen bis er blasen wirft (mehr als 5 min), 1h gehen lassen - und nun das sinnliche: vom dünnen teig etwas in die hand geben, eine faust machen und oben ein kugerl rausdrücken - mit nassem löffel abnehmen und ins heisse fett (maiskeimöl) geben.
kali orexi!
an takis: tipp für guten ouzo?

Takis
00
14.1.2011, 05:13

Auweh, wir greifen da gerne auf Privatproduktionen zurück, ansonsten sind die populären Marken gar nicht mal so schlecht. Aber ich bin leider auch kein großer Ouzoexperte.
Eigentlich sind ja die Mezedes wichtiger als der Ouzo selbst wenn man sich nicht gerade betrinken will.

Und ich bin jezt hungrig und geh meine Gigantes verspeisen :)

jumpingjack flash
00
16.1.2011, 01:13

ich kann auch nur mild und scharf unterscheiden - zwei gute aus der letzten zeit - ein sans rival den ich über 20 jahre im keller vergessen habe :-) und ein ouzo von metaxa (klingt blöd - war aber von just der firma) - ich trink im winter gern metaxa - ouzo selten, fast nur wenn ich vor ort in griechenland bin.

Gehoarg
00
irgendwas stimmt nicht:

"Zudem gibts, bei aller Wertschätzung dem türkischen Kaffee, dort auch eine formidable Espressomaschine."

bitte korrigieren!

schmecks
01

nö. man muss zu fehlern stehen können.
besten gruß,
fid

Gehoarg
00
stimmt auch wieder!

:-)

Dhimmi
00
Siehe den letzten Satz meines postings unten

Der Verdacht ist inzwischen schon steinehart...

Dhimmi
20
Beyoglu Istiklal

Herr Fidler hat in etwa einen Grinzing-Besuch als kulinarische Tour in Istanbul beschrieben.
Wenigstens die bekannten Bospuroslokale (also die teureren Grinzinger), die normalerweise auftauchen, fehlen.
Möglicherweise wider besseres Wissen (Fathi?!) hat er das Zentrum der Fischliebhaber, nämlich den Fischereihafen Kumkapi, beiseite gelassen.
Eine Fahrt zu einem Bosporusdorf mit Fisch (in etwa Nussdorf) konnte das auch nicht mehr herausreissen.

Wie schon bei seinen Italienkolumnen der Verdacht auftauchte, scheint sich Fidler doch vorzugsweise in den ausgetretenen Pfaden des Tourismus zu bewegen.

kuchlmensch
00
Koca Mustafa Pasa

Kumkapi kann man vergessen, und zwar schon seit den Neunzigerjahren. Tourismusnepp, die Gefahr ist außerdem groß, recht alten Fisch serviert zu bekommen.....beim täglichen Spaziergang zur S_Bahn hat mich immer der selbe Fischkopf angeglotzt (auf Eis, nicht ausgestopft).
Empfehlenswert ist noch Koca Mustafa Pasa, auch direkt an der Bahn.

schmecks
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ich dachte, das hätt ich auch geschrieben. egal, schön jedenfalls, dass Sie mich bestätigen.

in italien so ausgetretene touristenpfade wie nach interneppo, inverno e monteleone, cessole und pontboset. Sie müssen ja treter haben, respekt!

und danke für den richtig geschriebenen namen, erlebt man auch nicht oft. ist mir aber eh nicht so wichtig, wie man an meinen texten erkennt :)

besten gruß,
fid

Dhimmi
00
"wie nach interneppo,...."

...oder Buttrio, der Geheimtip mit den Kärntner Reisebussen davor.

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