Österreich vs. Polen: Aktion kommt vor Reaktion

Video20. März 2019, 20:12
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Österreichs Fußballteam startet am Donnerstag in Wien gegen Polen und also Robert Lewandowski in die EM-Qualifikation. Die Zuversicht ist nicht gering

Live-Ticker: Österreich vs. Polen, 20.45 Uhr

Vereinfacht gesagt bietet ein Fußballspiel nur zwei Szenarien: Entweder man hat den Ball oder man hat ihn nicht. Österreichs Teamchef Franco Foda ist auf beides vorbereitet, sein polnischer Kollege Jerzy Brzeczek allerdings auch, die Wahrheit liegt jedenfalls auf dem Platz. Am Donnerstag erfolgt tatsächlich der Auftakt zur EM-Qualifikation (20.45 Uhr), bereits am Sonntag steigt in Haifa gegen Israel der zweite Teil. Das Happel-Stadion wird passabel besucht sein, im Vorverkauf wurden 38.000 Tickets abgesetzt, an 5.000 polnische Schlachtenbummler inklusive. Foda sagt: "Mit dieser Begeisterung und Euphorie im Rücken müssen wir Fußball spielen."

der standard

Mit Ball sind Kreativität und Entschlossenheit gefragt, ohne ihn ist der Wille zur Rückeroberung die alternativlose Notwendigkeit. Weiteres Zitat aus Fodas Stammbuch: "Die Basis, um erfolgreich zu sein, ist immer eine stabile Defensive." Die Vorbereitung war kurz, nur zwei vernünftige Trainingseinheiten mit dem kompletten Kader konnten absolviert werden. Kapitän Julian Baumgartlinger sieht darin gar kein Handicap. "Oft ist es gar nicht so schlecht, wenn man sich nicht zu viele Gedanken machen muss."

Prunkstück

Natürlich wurde über Polen nachgedacht. Die sind in der Weltrangliste 20., liegen drei Plätze vor Österreich. Seit dem Amtsantritt von Brzeczek nach der verpatzten WM 2018 in Russland ist man in sechs Spielen sieglos geblieben. Allerdings waren Portugal und Italien die Gegner in der Nations League.

Prunkstück ist die Offensive, Robert Lewandowski hat in 102 Partien 55-mal für sein Land getroffen. An der Seite des 30-Jährigen dürfte Krzystof Piatek (23) vom AC Milan stürmen, er liegt mit 19 Toren an zweiter Stelle der italienischen Schützenliste – gleichauf mit Cristiano Ronaldo. Arkadiusz Milik von Napoli zählt auch zur Spezies der Goalgetter, ihm droht ein Platz auf der Ersatzbank. Mit vollen Hosen kann gut gestürmt werden, dieses Luxusproblem hätte Foda gerne.

David Alaba, Lewandowskis Kollege bei Bayern München, musste keine speziellen Ratschläge erteilen oder gar schriftliche Expertisen erstellen. Foda: "Man kennt Lewandowski. Wir haben Videozusammenschnitte über ihn gezeigt. Aber man soll nicht zu viele Informationen geben. In erster Linie musst du auf dich selbst schauen." Die Aufstellung gab der Teamchef natürlich nicht preis, ob er in der Abwehr eine Dreier- oder Viererkette wählt, ist sein Kaffee. "Du musst flexibel sein, mehrere Pläne haben."

Fix ist wohl: In Ermangelung von Alternativen wird Marko Arnautovic im Zentrum stürmen. Guido Burgstaller und Michael Gregoritsch fallen aus. Foda bleibt gelassen: "Unser Plan hat sich dadurch nicht verändert, nur die Positionierung einzelner Spieler." Ein Debüt von Hoffenheim-Legionär Stefan Posch, Dreierkette vorausgesetzt, scheint nicht ausgeschlossen zu sein.

Kaderstruktur

Österreich hat die jüngsten 13 EM-Qualifikationsmatches nicht verloren. Höhepunkt und irgendwie auch Tiefpunkt war die Teilnahme an der Endrunde 2016 in Frankreich. Der 31-jährige Baumgartlinger möchte das nur bedingt mit der aktuellen Situation vergleichen. "Wir haben jetzt eine andere Kaderstruktur und andere Spielertypen. Es gibt viele Junge, Hungrige, die nachdrängen."

Der Gedanke, erneut ein Großereignis aktiv zu erleben, sei Ansporn. "Wir haben damals Blut geleckt." In den eineinhalb Jahren unter Foda "haben wir ein bisschen die Identität gesucht. Die Flexibilität wurde erhöht." Die Polen, sagt der ÖFB-Kapitän, "haben ein sehr komplettes Team und können relativ gut reagieren. Aber auch agieren. Wir müssen sie dazu bringen, dass sie mehr auf uns reagieren müssen." Es gelte, die vorhandene Motivation, die Leidenschaft auf den Platz zu bringen. "Entscheidend kann auch sein, wie wir auf negative Situationen reagieren." Nämlich positiv. (Christian Hackl, 20.3.2019)

EM-Qualifikation, Gruppe G, 1. Runde, Donnerstag

Österreich – Polen
Wien, Ernst-Happel-Stadion, 20.45 Uhr, live ORF 1, SR Sidiropoulos (GRE)

Mögliche Aufstellungen:

Österreich: Lindner (Grasshoppers/24 Länderspiele) – Posch (Hoffenheim/0), Dragovic (Leverkusen/70/1 Tor), Hinteregger (Frankfurt/37/3) – Lainer (Salzburg/12/0), Baumgartlinger (Leverkusen/66/1), Grillitsch (Hoffenheim/13/1), Alaba (Bayern/67/13 Tore) – Lazaro (Hertha BSC/19/1), Zulj (Anderlecht/9/0) – Arnautovic (West Ham/77/20)

Ersatz: Stankovic (Salzburg/0), Strebinger (Rapid/1) – Wöber (FC Sevilla/3/0), Prödl (Watford/73/4), Ulmer (Salzburg/9/0), Ilsanker (Leipzig/34/0), Kainz (Köln/13/0), Laimer (Leipzig/0), Schlager (Salzburg/8/1), Stöger (Düsseldorf/0), Sabitzer (Leipzig/33/5), Onisiwo (Mainz/2/0), Janko (Lugano/68/28)

Es fehlen: Schöpf (Außenbandverletzung), Gregoritsch (grippaler Infekt), Lienhart (Gehirnerschütterung), Burgstaller (Zahn-OP), Wolf (Sprunggelenksverletzung)

Polen: Szczesny (Juventus/40) – Bereszynski (Sampdoria/16/0), Glik (Monaco/64/4), Bednarek (Southampton/12/1), Reca (Atalanta/3/0) – Blaszczykowski (Wisla Krakau/105/21), Krychowiak (Lok Moskau/59/3), Zielinski (Napoli/41/6), Grosicki (Hull/64/12) – Lewandowski (Bayern/102/55), Piatek (Milan/2/1)

Ersatz: Fabianski (West Ham/48), Skorupski (Bologna/3) – Kedziora (Dynamo Kiew/7/0), Cionek (SPAL/21/0), Gumny (Lech Posen/0), Kaminski (Düsseldorf/7/0), Jedrzejczek (Legia Warschau/38/3), Pazdan (Ankaragücü/35/0), Frankowski (Chicago Fire/4/0), Goralski (Ludogorez/9/0), Kadzior (Dinamo Zagreb/3/0), Klich (Leeds/15/2), Linetty (Sampdoria/23/1), Szymanski (Achmat Grosny/4/0), Zurkowski (Gornik Zabrze/0), Milik (Napoli/44/13)

Es fehlt: Kownacki (Muskelverletzung)

  • Robert Lewandowski ist sozusagen der Stargast im Happel-Stadion. Die ÖFB-Auswahl will sich aber auf sich selbst konzentrieren.
    foto: imago/imago/east news/andrzej iwanczuk

    Robert Lewandowski ist sozusagen der Stargast im Happel-Stadion. Die ÖFB-Auswahl will sich aber auf sich selbst konzentrieren.

  • Foda: "Die Basis, um erfolgreich zu sein, ist immer eine stabile Defensive."
    foto: apa/herbert neubauer

    Foda: "Die Basis, um erfolgreich zu sein, ist immer eine stabile Defensive."

  • Baumgartlinger: "Wir müssen sie dazu bringen, dass sie mehr auf uns reagieren müssen."
    foto: apa/herbert neubauer

    Baumgartlinger: "Wir müssen sie dazu bringen, dass sie mehr auf uns reagieren müssen."

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