WGKK warnt vor "Bürokratiemonster" durch Fusion

    24. Jänner 2019, 13:10
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    Obfrau Reischl: Es geht "in Richtung Basisversicherung" und Mehrklassensystem

    Wien – Die Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK), Ingrid Reischl, hat am Donnerstag ihre Kritik an der von der Regierung beschlossenen Kassenfusion bekräftigt. Anfang April starten die Zusammenlegungen, bis Jahresende sollen sie bereits abgeschlossen sein. Aus neun Gebietskrankenkassen soll dann eine Österreichische Gesundheitskasse werden.

    Angesichts der Dimensionen – 7,2 Millionen Versicherte und 10.000 Mitarbeiter – befürchtet Reischl ein "Bürokratiemonster". Sie geht auch davon aus, dass es nicht zu den erhofften Einsparungen, sondern zu deutlichen Mehrkosten kommen wird. Allein die Fusionen – auch Selbstständige und Bauern sowie Eisenbahner und öffentlicher Dienst kommen zusammen – würden 500 Millionen Euro kosten, so ihre Schätzung. Eine weitere halbe Milliarde an Mehrkosten erwartet sie durch den geplanten neuen Gesamtvertrag mit den Ärzten, durch den die Honorare vereinheitlicht werden sollen. Dazu kommen Mittelkürzungen durch das neue Gesetz, die die WGKK mit kumuliert 424 Millionen Euro bis 2023 beziffert.

    "Es geht in Richtung Basisversicherung"

    Angesichts dieser Entwicklungen befürchtet sie negative Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. Es gehe "in Richtung Basisversicherung" und Mehrklassensystem. Wer die besten Leistungen wolle, werde eine Privatversicherung brauchen, befürchtet Reischl. Fusionsbedingt müssten zudem in nächster Zeit geplante Projekte auf Eis gelegt werden, im Bereich der Wahlarztabrechnung sei beispielsweise mit längeren Wartezeiten zu rechnen.

    Unterstützung holte sich Reischl bei einem Pressegespräch vom deutschen Klassen-Spitzenfunktionär Uwe Klemens. Er hält staatlich verordnete Fusionen für kontraproduktiv. Deutschland und Österreich seien die einzigen europäischen Staaten mit selbstverwalteten Gesundheitssystemen. Da diese besser als staatliche oder private funktionieren würden, warnte er davor, "diese Strukturen zu zerschlagen". (Günther Oswald, 24.1.2019)

    • Die Wiener Gebietskrankenkasse befürchtet, dass sich die Leistungen im Gesundheitssystem verschlechtern werden.
      foto: apa/harald schneider

      Die Wiener Gebietskrankenkasse befürchtet, dass sich die Leistungen im Gesundheitssystem verschlechtern werden.

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