Bald gibt es keine überflüssigen Stellen mehr beim Bundesheer

    23. November 2018, 06:00
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    Hunderte Militärbedienstete kamen bei der Finanzpolizei, im Bundesasylamt oder bei der Justizwache unter

    Witze über Soldaten ohne Auftrag kursieren hierzulande jede Menge, doch mit herannahendem Jahresende kann Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) eine ernstzunehmende Bilanz über den Personalstand in seinem Ressort vorweisen: Denn dann sollen – bis auf wenige Ausnahmen – fast alle sogenannten "Bediensteten über Stand" abgebaut sein. Immerhin an die 700 von ihnen sind nach Umschulungen in anderen Ministerien untergekommen – oder eben auch außerhalb des Bundesdienstes.

    Hintergrund: Im Ressortjargon wurden solche uniformierten wie zivilen Arbeitnehmer gemäß ihrer Nummer im militärischen IT-Personalsystem bisher "900er" genannt. Denn schon seit der Jahrtausendwende war das Verteidigungsministerium unter der ersten ÖVP-FPÖ-Koalition dazu angehalten, bis 2015 den Personalstand beim Bundesheer um 4000 Personen auf knapp 22.000 Bedienstete zu drücken – eine Herausforderung vor dem Hintergrund, dass die meisten Mitarbeiter dort als unkündbar gelten. Parallel dazu kamen Kasernenverkäufe sowie die Auflösung ganzer Einheiten – und damit einher ging freilich auch eine Reduktion von Arbeitsplätzen.

    foto: cremer
    In der Privatwirtschaft nennt man unkündbare Mitarbeiter an nutzlosen Arbeitsplätzen "weiße Elefanten", beim Militär "900er" – dort soll das Phänomen bald abgestellt sein.

    Eine eigene Abteilung im Ministerium war daher über die Jahre damit beschäftigt, für möglichst viele "überständige" Mitarbeiter neue Jobs zu suchen. Im Zuge der Bundesheerreform 2010 taten sich für Bedienstete zwar neue "Projekttätigkeiten" auf, oft waren die Betroffenen aber auch mit "provisorischen Einteilungen" konfrontiert. Summa summarum konnten bisher durch Umstrukturierungen fast tausend Bundesheerbedienstete, nämlich exakt 965 Personen, wieder auf klar umfassten Arbeitsplätzen innerhalb des Ressorts eingeteilt werden – und weitere 692 Mitarbeiter wurden erfolgreich weitervermittelt.

    Vom Soldaten zum Finanzpolizisten

    Von letzterer Personengruppe, übrigens überwiegend ältere Soldaten und Zivilbedienstete, versehen gemäß Aufstellung des Verteidigungsministeriums nun 298 im Finanzministerium Dienst, die meisten davon bei der Finanzpolizei oder in Finanzämtern. 207 Personen arbeiten im Innenministerium, vornehmlich im Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl. 43 ehemalige "900er" wechselten ins Justizministerium, die meisten als Justizwachebeamte. Und 46 vormalige Bundesheerbedienstete sind heute im Bildungsministerium tätig, mehrheitlich in der Verwaltung, also in klassischen Bürojobs.

    Im Zuge des Stellenabbaus und Personalumbaus, der für Kunasek mit 2018 definitiv abgeschlossen sein soll, betont der Minister: "Ein wertschätzender Umgang mit den Mitarbeitern ist mir ein Anliegen." Deklariertes Ziel von ihm ist es aber, künftig im Zuge von Restrukturierungen "ohne Überstandspersonal" auszukommen. Denn "nach Jahren an Einsparungen" will Kunasek dafür sorgen, dass das Ministerium wieder zu einem "attraktiven Arbeitgeber" wird.

    foto: apa / herbert neubauer
    Angesichts des Stellenabbaus und Personalumbaus, der für Mario Kunasek (FPÖ) mit Ende 2018 definitiv abgeschlossen sein soll, betont der Minister: "Ein wertschätzender Umgang mit den Mitarbeitern ist mir ein Anliegen."

    Die nach aktuellem Stand verbliebenen rund 300 "900er" sind jedenfalls als Nachfolger für sich demnächst in den Ruhestand verabschiedende Bedienstete vorgesehen – oder es wurden für sie konkrete "Zielarbeitsplätze" in den nächsten drei Jahren definiert. Nur eine letzte Gruppe von circa 90 "überständigen" Mitarbeitern belässt man an ihren Dienststellen – weil sie in den nächsten drei Jahren ohnehin in Pension gehen und sich für sie mühsame Umschulungen kaum mehr auszahlen.

    Junge Unteroffiziere gesucht

    Bei Aufnahmen will Kunasek künftig sicherstellen, dass sie vor allem die Truppe stärken, damit für den Notfall ausreichend Soldaten bereitgestellt werden können – und das über einen längeren Durchhaltezeitraum. Willkommen sind derzeit übrigens vor allem jüngere Semester, die sich eine Laufbahn als Unteroffizier vorstellen können – denn an ihnen fehlt es derzeit beim Militär. (Nina Weißensteiner, 23.11.2018)

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