Österreichs Team bleibt zweitklassig

    15. November 2018, 23:03
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    Das ÖFB-Team erreicht gegen Bosnien-Herzegowina nur ein glückliches Remis und verpasst den Aufstieg in der Nations League. Franco Fodas Team in Wien zu harmlos

    Es gab vor dem Spiel gegen Bosnien-Herzegowina nur drei Möglichkeiten: eine sehr gute, ein ganz gute, ein extreme schlechte. Es wurde die Mitte. Österreich erreichte am Donnerstagabend in Wien ein 0:0. Damit ist man fix Zweiter in der Nations League, Abteilung B. Der Aufstieg in Kategorie A wurde verpasst, der gebührt den Bosniern. Das abschließende Match am Sonntag in Belfast gegen Nordirland ist somit ziemlich wurscht, es findet natürlich trotzdem statt.

    Alaba links in der Viererkette

    Teamchef Franco Foda wählte ein 4-2-3-System, er war der Überzeugung, dass zwei Innenverteidiger (Aleksandar Dragovic, Martin Hinteregger) reichen, um Superstar Edin Dzeko in den Griff zu bekommen. David Alaba agierte links in der Viererkette, diese Position ist nicht sein Lebensziel, aber waschechte Profis kicken dort, wo sie hingestellt werden. Peter Zulj und Kapitän Julian Baumgartlinger bildeten das zentrale Mittelfeld, davor werkten Alessandro Schöpf, Florian Kainz und Valentino Lazaro (von links nach rechts), Marko Arnautovic mimte den Mittelstürmer. Guido Burgstaller musste ja aufgrund von Leistenproblemen abreisen, Arnautovic wiederum mag das (nicht Burgstallers Abreise, die zentrale Spitze), bei West Ham ist das sein Stammplatz.

    Die Bosnier hatten nach dem 1:0 von Zenica die nettere Ausgangsposition, ein Remis reichte für den Gruppensieg, selbst eine Niederlage mit einem Tor Differenz (ab 1:2) wäre Anlass zur Freude gewesen. Also wurde von Foda eine eher abwartende Mannschaft erwartet, obwohl Kollege Robert Prosinecki gesagt hat: "Wir wollen gewinnen, wenn man auf ein Unentschieden spielt, verliert man." Österreichs Plan lautete: Eine Balance zwischen Offensive und Defensive finden, pressen, angreifen. Baumgartlinger nannte es "Kreativität und Verantwortung".

    Gut gefülltes Stadion

    Das Happel-Stadion war mit 37.200 Zuschauern gut gefüllt, Heimspiel war es keines, es dürften sogar mehr Bosnier als Österreicher da gewesen sein, jedenfalls waren sie lauter. Die Rauchbomben und Böller hätten sie sich sparen können. Es entwickelte sich eine intensive Partie, die Bosnier ließen sich gemeinerweise überhaupt nicht einschnüren, sie hatte sogar die erste Chance. Nach einem Eckball von Miralem Pjanic köpfelte Toni Sunjic relativ knapp drüber (6.). Die ÖFB-Auswahl kam nicht wirklich in die gefährliche Zone, der letzte Pass misslang, was im Fußball bitter ist. Aber das Engagement passte. 24. Minute: Alabas Freistoß hätte gefährlich sein können. Unmittelbar darauf prüft Edin Visca Heinz Lindner streng, der Goalie verhindert mit einem Reflex die kollektive Niedergeschlagenheit. 33. Minute: Dzeko verzieht knapp. 38. Minute: Alaba führt einen Outeinwurf extrem rasch aus, der freistehende Arnautovic nützt seine Einsamkeit im Strafraum nicht aus. Fazit der ersten Halbzeit: Kein Leckerbissen, die Gäste waren konkreter, gefährlicher.

    Seitfallzieher, Elferalarm und Glanzparade

    Foda reagierte, brachte Xaver Schlager für den mäßigen Kainz. Und es wurde etwas besser. Ein Seitfallzieher von Arnautovic war zwar kein Tor, aber er war ästhetisch wertvoll (51) und auch ein Elfer, weil Sunjic mit dem Ellenbgen klärte. Der Referee reagierte nicht. Österreich musste riskieren. Die Bosnier lauerten auf Konter. 64. Minute: Lindners Glanzparade nach einem Schuss von Haris Duljevic hielt Österreich in der Partie. 67. Minute: Foda tauscht Schöpf aus und Michael Gregoritsch ein, mehr Mut (Mut der Verzweiflung?) geht gar nicht. Auch Marc Janko konnte es ab der 82. Minute nicht mehr richten. "Wir hatten viele einfache Ballverluste", sagte Alaba. Teamchef Foda tröstete: "Zweite Halbzeit war es eigentlich gut." (Christian Hackl, 15.11.2018)

    Fußball-Nations-League – Liga B, Gruppe 3, 5. Spieltag:

    Österreich – Bosnien-Herzegowina 0:0
    Wien, Happel-Stadion, 37.200, SR Andrew Dallas/SCO.

    Österreich: Lindner – Lainer, Dragovic, Hinteregger, Alaba – Baumgartlinger, Zulj (82. Janko) – Lazaro, Kainz (46. Schlager), Schöpf (67. Gregoritsch) – Arnautovic

    Bosnien-Herzegowina: Sehic – Vranjes, Sunjic, Zukanovic, Civic – Besic, Pjanic (87. Gojak), Saric – Visca, Dzeko, Duljevic (79. Krunic)

    Gelbe Karten: Zulj, Baumgartlinger bzw. Vranjes, Duljevic, Saric

    Meinungen (via ORF):

    Franco Foda (ÖFB-Teamchef): "Erste Halbzeit waren wir im Passspiel zu ungenau. Wir hatten einige gute Umschaltmomente, die haben wir nicht gut zu Ende gespielt. Nach der Halbzeit war es dann gut, da hatten wir einige Chancen, die wir nicht gemacht haben, deshalb ist es 0:0 ausgegangen. Wir hatten Probleme im Zentrum, deshalb habe ich den Wechsel vorgenommen, und mit Schlager war es dann besser. Zweite Halbzeit war es ein offener Schlagabtausch, es war ein ganz enges Spiel wie schon in Bosnien. Aber erste Halbzeit war das zu wenig, das habe ich auch in der Pause klar angesprochen. Wir haben uns viel zu wenig bewegt zwischen den Linien. Im Spiel nach vorne, in der letzten Zone müssen wir besser werden. Wir dürfen aber nicht alles schlechtreden, wir haben gegen eine gute Mannschaft gespielt. Alle glauben Bosnien ist Fallobst, aber diese Zeiten sind vorbei. Mein klares Ziel war es natürlich, den ersten Platz zu belegen. Wir haben jetzt den zweiten Platz belegt, das ist auch wichtig für die Auslosung der EM-Qualifikation. Deshalb ist auch das Spiel gegen Nordirland noch von Bedeutung, weil die Punkte wichtig für die Auslosung sind."

    Marko Arnautovic (ÖFB-Teamspieler): "In der ersten Halbzeit haben wir nicht gut gespielt. In der zweiten war es besser. Es war ein gerechtes 0:0. Es hat immer der letzte Pass gefehlt. Ich denke, ich habe nichts falsch gemacht. Ich hatte kein Problem, das Knie war perfekt. Ich reise jetzt mit nach Nordirland, ob ich spielen werde, weiß ich nicht."

    David Alaba (ÖFB-Teamspieler): "In der ersten Halbzeit waren wir nicht so da, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen und hatten viele Ballverluste. Bosnien hat sehr gut den Ball laufen gelassen, da war es schwierig, ins Spiel zu kommen. Bosnien hat auch in der Defensive sehr, sehr gut agiert bei den Standards."

    Peter Zulj (ÖFB-Teamspieler): "Man muss sagen, wir haben zu wenig Torchancen kreiert. Wir hätten viel mehr Druck machen, Pressing spielen müssen. Das haben wir in der zweiten Hälfte gesehen. Es ist sehr bitter. Wir wollten vorne Druck machen, sind aber zu spät ins Pressing gekommen bzw. haben ein paar Spieler geschlafen. Wir haben es in der ersten Halbzeit sehr schlecht gemacht. Bosnien ist Gruppenerster – das am Sonntag (gegen Nordirland in Belfast, Anm.) ist damit nur ein Spiel, das wir aber unbedingt gewinnen wollen."

    Robert Prosinecki (Bosnien-Teamchef): "Es war heute ein sehr schweres Spiel. Wir waren in der ersten Halbzeit besser, Österreich in der zweiten. Deshalb ist dieses Ergebnis gerecht. Wir haben echt gute Spieler mit viel mehr Selbstvertrauen als früher. Ich kann meiner Mannschaft nur gratulieren, sie hat heute einen sehr guten Job gemacht."

    Live-Nachlese:

    Nullnummer Österreichs gegen Bosnien

    • Starstürmer Edin Dzeko (li) war kaum zu stoppen. Julian Baumgartlinger landete im Duell der Kapitäne auch nur Teilerfolge.
      foto: apa/hans punz

      Starstürmer Edin Dzeko (li) war kaum zu stoppen. Julian Baumgartlinger landete im Duell der Kapitäne auch nur Teilerfolge.

    • Marko Arnautovic hätte es richten können, war danach entsprechend zerknirscht.
      foto: apa/hans punz

      Marko Arnautovic hätte es richten können, war danach entsprechend zerknirscht.

    • Fels in der Brandung: Goalie Heinz Lindner hielt, was es zu halten gab.
      foto: apa/georg hochmuth

      Fels in der Brandung: Goalie Heinz Lindner hielt, was es zu halten gab.

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