Heer hofft auf mehr Geld für Hubschrauber

    Video29. März 2018, 07:00
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    Demnächst ringt der Verteidigungsminister mit dem Finanzressort um mehr Budget – warum es vor allem für die tarnfarbenen Helikopter am Himmel mehr Mittel bräuchte

    Wien – Kaum hat Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) sein Budget erstellt – schon stehen einige Ressortchefs um Nachverhandlungen an. Der Erste in dieser Reihe: Mario Kunasek (FPÖ). "In den nächsten Wochen" will der Verteidigungsminister mit dem Wächter über die Staatsfinanzen in "intensive Gespräche" eintreten, um Sondermittel für das Bundesheer herauszuholen – vor allem für die betagte Hubschrauberflotte des Bundesheeres, die es zu erneuern gilt.

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    Bestürzt über die aktuellen Finanzpläne zeigen sich die österreichischen Wehrverbände. Das Budget sei das genaue Gegenteil dessen, was in der Regierungsvereinbarung angekündigt wurde, sagen sie.

    Zuletzt ließ Kunasek via "Vorarlberger Nachrichten" wissen, dass es da "schnell einmal 300 Millionen Euro" mehr brauche, dem STANDARD versichert er: "Auch die neuen Hubschrauber werden im Hilfs- und Katastropheneinsatz ein verlässliches Arbeitstier zur Unterstützung der Blaulichtorganisationen und der Bevölkerung sein."

    Technische Aufrüstung

    Konkret steht bei den Black Hawks, die mit den Evakuierungsflügen im Zuge des Lawinenunglücks von Galtür seit der Jahrtausendwende als unverzichtbar gelten, eine Modernisierung der Avionik an. Denn die Transporthubschrauber, die im Notfall bis zu zwei Dutzend Personen fassen, brauchen dringend neue Bildschirme samt Wetterradar sowie einen Einbau des aktuellen Behördenfunksystems.

    Black Hawk in der Midlife-Crisis: Der erste der neun Transporthelis des Bundesheeres wird gerade in den USA technisch auffrisiert, für die kleineren Alouette (links) braucht es komplett neuen Ersatz.

    Diesem "Midlife-Update" wird derzeit der erste der neun Black Hawks unterzogen – und zwar bei Ace Aeronautics in den USA. Bei den anderen acht Stück ist der Umbau in Langenlebarn geplant.

    Der Kostenrahmen dafür beträgt 48 Millionen Euro – und er wird eingehalten, versichert man im Verteidigungsressort. Kostengründe dürften auch eine Rolle dabei gespielt haben, dass der Auftrag lieber an das wenig bekannte Unternehmen aus Alabama ging und nicht an den Hersteller Sikorsky oder dessen Schweizer Vertragspartner Ruag.

    Kompletten Ersatz braucht es hingegen für die derzeit 22 kleineren Alouette 3, die im Gebirge oft für Bergeflüge, bei Waldbränden für Löschflüge eingesetzt werden – allein im Vorjahr haben es diese Helikopter auf 2.540 Flugstunden gebracht. Dazu müssen die zehn OH 58 Kiowa ersetzt werden – sie sind Baujahr 1976 und damit genauso so alt wie der Verteidigungsminister selbst.

    foto: bundesheer
    Auch die zehn OH 58 Kiowa müssen ersetzt werden – sie sind Baujahr 1976 und damit genauso so alt wie der Verteidigungsminister selbst.

    Zwölf statt 32 Helikopter

    Die Beschaffungspläne sehen künftig eine kleinere Staffel mit nur zwölf Helikoptern vor – dafür sollen diese dann als Verbindungs-, Aufklärungs- und Transporthubschrauber eingesetzt werden. Dazu sollen die neuen Hubschrauber freilich auch für Sanitätseinsätze verwendet werden, für die es leichteres Fluggerät braucht, denn: Der Black Hawk kann bei Rettungsflügen wegen seines bis zu zehn Tonnen schweren Gewichts allenfalls auf der Landeplattform des Wiener AKH landen, nicht jedoch auf den Dächern kleinerer Spitäler.

    Laut dem militärischen Pflichtenheft, das bereits an mehrere Hersteller verschickt worden ist, wird also ein zweimotoriger Hubschrauber gesucht, der etwa acht Personen transportieren kann. Weiters soll er mit Kufen, nicht mit Rädern ausgerüstet sein, was Landungen im Gebirge erleichtert, außerdem soll er volle Instrumentenflugtauglichkeit haben und für den Worst Case bewaffnet werden können.

    foto: bundesheer / pusch
    Ressortchef Mario Kunasek (FPÖ), hier gerade einer Hercules entstiegen, will mit dem Finanzminister "intensive Gespräche" führen – um mehr Mittel für die Hubschrauberflotte des Militärs herauszuholen.

    Infrage kommen ergo etwa der vom italienischen Leonardo-Konzern hergestellte Agusta-Westland AW109 Trekker oder der amerikanische Bell 429 Global Ranger aus dem Textron-Konzern. Auch Airbus (in dem Eurocopter aufgegangen ist) hätte mit dem H-135, mit dem auch der ÖAMTC unterwegs ist, und dem größeren, von den deutschen Krisenreaktionskräften beschafften H-145 zwei exzellente Angebote.

    Nach den Erfahrungen, die der Konzern mit dem Kunden Österreich gemacht hat – vor 13 Monaten hat Ex-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) wegen des Eurofighter-Deals Betrugsanzeige gegen Airbus erstattet –, gilt jedoch als unsicher, ob Airbus sich überhaupt an der Ausschreibung beteiligt. Voraussetzung für die Ausschreibung ist eine komplette Leistungsbeschreibung durch das Bundesheer – und freilich eine Finanzierungszusage durch das Finanzressort. (Conrad Seidl, Nina Weißensteiner, 29.3.2018)

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