40 Jahre Frauenhäuser: Als Gewalt noch "Privatsache" war

    8. Jänner 2018, 18:47
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    Österreichs erstes Frauenhaus wurde am 1. November 1978 in Wien eröffnet. Bis Ende der 60er galt Gewalt in der Familie als Tabu

    Wien – Vor fast 40 Jahren, am 1. November 1978, ist in Österreich das erste Frauenhaus eröffnet worden. Heute gibt es 30 dieser Einrichtungen, die Frauen, die Gewalt durch ihren Partner oder Ehemann erleben, sowie ihren Kindern eine sichere Wohnmöglichkeit bieten. Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) will nun mit einer Bewusstseinskampagne über die Geschichte und Aufgaben informieren.

    Vor den 1970er-Jahren war Gewalt gegen Frauen ein gesellschaftliches Tabuthema. Vor allem Gewalt in der Familie wurde als "Privatsache" abgetan, mit der die betroffenen Frauen und deren Kinder selbst zurechtkommen mussten, hieß es am Montag in der ersten von 40 Aussendungen der Kampagne.

    Umdenkprozess

    Erst mit Beginn der sogenannten Zweiten Welle der internationalen Frauenbewegung Ende der 1960er-Jahre wurde die Problematik der Gewalt gegen Frauen in Ehe und Partnerschaft öffentlich thematisiert. Damit wurde ein gesellschaftlicher Modernisierungs- und Umdenkprozess eingeleitet. 1971 wurde das erste Haus für von ihren Partnern misshandelte Frauen in London gegründet.

    In Österreich erstellte eine Gruppe junger Sozialarbeiterinnen im Herbst 1977 in Wien ein erstes Konzept zur Errichtung eines Frauenhauses. Mit Unterstützung von Johanna Dohnal, damals Gemeinderätin, wurde im Jänner 1978 der Verein "Soziale Hilfen für gefährdete Frauen und Kinder" ins Leben gerufen. Schließlich eröffnete am 1. November 1978 mit finanzieller Unterstützung des Gemeinderates das erste Frauenhaus Österreichs – und war in kürzester Zeit überfüllt. Daraufhin folgte im Februar 1980 das zweite Wiener Frauenhaus. Die ersten Frauenhäuser in den Bundesländern wurden im Dezember 1981 in Graz und Innsbruck gegründet.

    Insgesamt 30 Frauenhäuser

    "Frauenhäuser leisten einen bedeutenden gesellschaftlichen Beitrag und sind nicht mehr wegzudenkende Schutz- und Hilfseinrichtungen für Frauenund deren Kinder. Frauenhäuser sind für alle Gewaltopfer offen, unabhängig von Nationalität, Einkommen oder Religion", hieß es im Statement des AÖF. Heute gibt es in Österreich insgesamt 30 Frauenhäuser, davon sind 15 (in Niederösterreich, Oberösterreich, Burgenland, Salzburg, Tirol und Vorarlberg) im Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser vernetzt. Im Jahr 2016 wurden insgesamt 1.588 Frauen und 1.673 Kinder betreut. (APA, 8.1.2018)

    • In 30 Frauenhäusern finden in Österreich Opfer von Gewalt heute Schutz.
      foto: heribert corn

      In 30 Frauenhäusern finden in Österreich Opfer von Gewalt heute Schutz.

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