Geigen zur Orientierung: "Gespräche mit Gott"

14. Jänner 2008, 15:28
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Stephen Deutschs schematisches Spielfilmdrama nach einem Orientierungshilfe-Bestseller von Neale Donald Walsch

Ein heimlicher Kinotrend beschert uns gegenwärtig Leinwandadaptionen von Bestsellern, die üblicherweise die Regale in der Lebens- und Orientierungshilfe-Abteilung füllen.

Gerade erst ließen deutsche Produzenten - kommerziell äußerst erfolgreich - aus "Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können" vom australischen Kommunikationstrainerduo Barbara und Allan Pease eine Boulevardkomödie zimmern. Und nun kommt "Gespräche mit Gott" / "Conversations With God" von Neale Donald Walsch als Spielfilmdrama in der Regie von Stephen Deutsch ins Kino.

Dabei begleitet man den US-amerikanischen Autor - der im realen Leben mit seinen Vorträgen inzwischen auch in Wien die Hallen füllt und der hier vom Schauspieler Henry Cerny verkörpert wird - noch einmal durch jene Phase seines Lebens, in der er nach einem schweren Unfall seinen Job verliert und sich bald nur noch einen Zeltplatz leisten kann, den er gerade so mit Altstoffsammeln finanziert.

Man hätte diese recht kalkulierbare Geschichte, in der es bekanntermaßen natürlich auch irgendwann wieder aufwärts geht, mit psychologischem Hochleistungsschauspiel immerhin auf großes Drama trimmen können. "Gespräche mit Gott" gibt es aber von vornherein viel billiger und schematischer - nicht nur, weil bei jedem neuen Schicksalsschlag, jeder weiteren Erniedrigung schon die schmalzigen Streicher auf ihren Einsatz warten. Allenfalls für Fans des Buches von Interesse. (irr / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.1.2008)

Der Letzte seiner Art
Die weiteren Kinostarts

Hollywood-Star Will Smith alias Robert Neville ist allein in New York: Seine Mitbürger sind von einem Virus dahingerafft worden oder zu Zombies mutiert - aber Neville hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Francis Lawrence, nach Clips für Britney Spears und Jennifer Lopez für "Constantine" mit Keanu Reeves verantwortlich, hat den Science-Fiction-Thriller "I Am Legend" (nach dem Roman von Richard Matheson) inszeniert.
Außerdem neu: Christian Petzolds doppelbödiges Drama "Yella" und Claude Chabrols kurzweiliges Intrigenspiel "Die zweigeteilte Frau" / "La fille coupée en deux" (mehr darüber); die Dokumentarfilme "Someone Beside You" von Edgar Hagen, der Reisen von Psychiatern und deren Klienten begleitet, und "Hafners Paradies" von Günter Schwaiger, der mit einem im spanischen Exil quasi konservierten SS-Mann konfrontiert (mehr darüber). Mit einer Retro erinnert das Filmarchiv Austria anlässlich des 100. Geburtstag von Paul Henreid an den österreichischen Schauspieler und Filmexilanten (bis 20. 1.). In den Breitenseer Lichtspielen findet von 11. bis 13. 1. das Festival des gescheiterten Films statt. (irr)

  • Göttliche Eingebung: Neale Donald Walsch (Henry Cerny) hält seine "Gespräche mit Gott" schriftlich fest.
    foto: einhorn

    Göttliche Eingebung: Neale Donald Walsch (Henry Cerny) hält seine "Gespräche mit Gott" schriftlich fest.

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