Presseförderung: Gratis ist nicht das Kriterium, sondern Qualität

Blog16. Februar 2017, 06:00
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Journalismus oder nicht, das ist die Frage: Bei Medienförderung geht es um Qualität, nicht um Distributionsformen

Wien – Gratismedien werden künftig Presseförderung erhalten, berichtet "Profil". Die Netz-Reaktionen: tendenziell empört. Zeitungen wie Österreich sollen nicht von öffentlicher Hand unterstützt werden.

Eh nicht. Aber nicht, weil sie gratis sind. Gratis sind auch derStandard.at, Dossier, kurier.at. Und die meisten anderen österreichischen Online-Publikationen. Kriterium dafür, ob ein Medium Förderung erhält oder nicht, kann nicht seine Verbreitungsart sein.

Was ist der Zweck von Medienförderung? Die Stärkung von Journalismus, der seinem Publikum tatsachengetreue, ausgewogene und geprüfte Informationen als Basis politischer und sonstiger Entscheidungsprozesse zur Verfügung stellt. Entscheidend ist daher, ob ein Medium überhaupt Journalismus betreibt. Und ob es sich darum schert, dass dieser professionellen und branchenüblichen Qualitätsstandards entspricht.

Systeme zur Qualitätssicherung nötig

Das kann nüchtern beurteilt werden. Systeme zur Qualitätssicherung werden in Bildungswesen, Softwareentwicklung, Medizin eingesetzt. Auch bei Bäckern und Schweißern. Beurteilt werden Prozesse, nicht Produkte. Das funktioniert im Journalismus genauso.

Eine Medienförderung kann zu einer solchen Qualitätssicherung beitragen. Sie kann Journalismusforschung ermöglichen, die möglichst objektive Daten zur Diskussion bereitstellt. Sie kann die Mitgliedschaft im Organ der Branchenselbstkontrolle, dem Presserat, und das Bekenntnis zu seinen Grundsätzen, dem Ehrenkodex der österreichischen Presse, zur Grundvoraussetzung für die Förderung von Medienorganisationen machen. Sie kann Qualitätsmanagementsysteme, Redaktionsstatute, Fortbildung, Evaluierungsmaßnahmen und Transparenz über Eigentumsverhältnisse einfordern. Oder danach fragen, welche Prozesse in Redaktionen faktische Richtigkeit und die Korrektur von Fehlern gewährleisten.

Manche Boulevardmedien und Kampforgane, ob gratis oder im Abo, scheren sich aus unterschiedlichen ökonomischen und ideologischen Motiven um solche Mindeststandards von Journalismus nicht. Dann ist es demokratiepolitisch nicht sinnvoll, sie auch noch zu fördern. (Daniela Kraus, 16.2.2017)

Daniela Kraus ist Geschäftsführerin des fjum_forum journalismus und medien wien. Auf derStandard.at/Etat schreibt sie im Journo-Blog über aktuelle Entwicklungen in der Medienbranche und ihre Auswirkungen auf die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten.

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Sandra Hermes, Qualitätsmanagement in Nachrichtenredaktionen.

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  • Daniela Kraus, Geschäftsführerin des fjum_forum journalismus und medien wien.
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    Daniela Kraus, Geschäftsführerin des fjum_forum journalismus und medien wien.

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