"Nioh" im Test: Mit Ninja-Skills zur herausragenden Monsterjagd

    Rezension7. Februar 2017, 13:30
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    Team Ninjas Samurai-Epos "Nioh" lässt im alten Japan Schwertkampfkünste meistern

    Wer südostasiatische Kampfsportarten meistern will, muss Herrscher über seine Sinne, seinen Körper und seine Psyche sein. Eine Weisheit, die bestimmt irgendwo in antiken Schriften zu lesen ist, aber einem auch nach wenigen zermürbenden Minuten am Controller in Team Ninjas neuem Actionepos "Nioh" dämmert.

    Als Hardcore-Rollenspiel nach dem Vorbild der populären "Dark-Souls"-Serie konzipiert, schickt es Spieler nach Japan Anfang des 17. Jahrhunderts, um einen Anschlag auf den Kaiser und den Aufstieg eines dunklen Herrschers zu verhindern. Wie der westliche Protagonist William Adams muss man die Kampfkünste der Samurai erlernen und mit dem Schwert in den Krieg mit Geistern, Ninjas und albtraumhaften Kreaturen ziehen.

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    Story-Trailer zu "Nioh".

    Im Auftrag des Hattori Hanzo

    Dass es sich hierbei konzeptuell um ein Nachahmungswerk handelt, trübt die Angelegenheit nicht. Denn abseits der Tatsache, dass Spieler sich wie in "Dark Souls" auf unbarmherzige Widersacher einstellen müssen und beim Ableben ihre gesammelten Punkte beim Unglücksort wieder einsammeln müssen, wollen sie sie nicht verlieren, gehen die Entwickler mit Nioh ihren eigenen Weg. Unter Anweisung teils historischer Zeitgenossen wie Adams‘ Auftraggeber Hattori Hanzo, bereist man Dutzende Schauplätze der späten Sengoku-Zeit, die von bestialischen Yokai heimgesucht wurden, die Schrecken und Verderben über das Land bringen.

    Anders als die "Souls"-Serie, versteckt Nioh seine Heldengeschichte nicht zwischen den Zeilen, sondern inszeniert das Samuraiepos ebenso farbenfroh wie wortreich und für Genreneulinge gibt es sogar einen Trainingsplatz. Drama und Folklore treiben die Story voran und friedliche Tiergeister und niedliche, sammelbare Kodama sorgen sogar für den einen oder anderen Schmunzler im sonst so düsteren Geschehen.

    Der Schrei des Samurais

    Eine Verspieltheit, die die nervenaufreibenden Missionen bekömmlicher, aber mitnichten leichter machen. Jeder noch so schmächtige Feind kann mit Speer, Schwert oder Axt bewaffnet tödlich sein. Gigantische Oger zerschmettern mit einem Haken ein menschliches Skelett, und hinter so mancher Ecke lauert ein Gift speiender Untoter, um einem auch das letzte Fünkchen Lebenskraft zu rauben. Die Kunst liegt darin, die unterschiedlichen, aber sich häufig wiederholenden Gegner zu studieren, Ausweichmanöver und Konter ins Muskelgedächtnis zu übertragen und so das Kräfteverhältnis umzudrehen.

    Du bist das Schwert

    Als aufstrebender Samurai gilt es eine Vielzahl an Waffen zu meistern und die Schnelligkeit kurzer Doppelschwerter genauso im richtigen Moment einzusetzen, wie die erschütternde Kraft eines Steinhammers. Fortgeschrittene wissen die Reichweite einer Kettensichel zu schätzen und für unerreichbare Gegner und zum Stoppen eines Antritts greift man auf Bogen und Gewehr zurück.

    Die echte Prüfung besteht darin, die Feinheiten dieses vielschichtigen Kampf- und Fähigkeitensystems zu verstehen. Werte wie Lebensenergie und Ausdauer müssen stets im Auge behalten werden. Geht einem die Puste aus, muss man machtlos zusehen, wie man zerfleischt wird. Rechtzeitig auf Abstand zu gehen oder punktgenau nach einer Attacke sein Ki aufzuladen, erfordert Koordinationsgeschick.

    Die Geister, die man ruft

    Nicht nur hier ist "Nioh" nuancierter als viele vergleichbare Action-Rollenspiele. Neben dem obligatorischen Ausbau der individuell anpassbaren Fertigkeiten vom Waffenhandling bis zu den Magiekünsten werden einem laufend neue Schlagkombinationen zu teil. Drei unterschiedliche Waffenhaltungen beeinflussen die Angriffs- und Verteidigungsstärke und mit jedem besiegten Gegner lädt sich die ebenfalls erweiterbare Spezialattacke auf, die zur kurzzeitigen Unterstützung einen von mehreren Schutzgeistern erscheinen lässt.

    Gesammelte Punkte können in Schreinen, die als Speicher- und Rücksetzpunkte dienen, zum Ausbau der Fähigkeiten eingesetzt werden. Zudem darf man die unzähligen aufgesammelten Waffen eintauschen. Bei einer Flut an Talismane, Zaubergegenständen und Heiltränken wird alsbald das Inventarmanagement zum übergeordneten Strategiespiel: Rüstungen und Hilfsgegenstände sollten der Gegnerschaft gerecht ausgewählt werden. Und mit Gold kann man bei Schmieden noch bessere Waffen erwerben oder Gegenstände zum Upgrade von bestehenden Waffen demontieren lassen.

    Gemeinsam und einsam

    Überschaubarkeit in diesen Featureüberfluss bringt die klare Segmentierung der Levels, die neben einer Horde von kleineren Monstern zumeist einen zermürbend schweren Endgegner bereithalten. Das macht "Niohs" Dämonenjagd verdaulicher als die offenen Labyrinthwelten der "Souls"-Reihe, wenngleich Entdeckeresprit nicht so recht aufkommen mag.

    Bei der Einbindung anderer Spieler haben sich die Entwickler wiederum ebenfalls am großen Vorbild orientiert. So kann man bei aktiver Online-Verbindung andere Spieler zur Unterstützung bei kniffligen Passagen hinzurufen. Für etwas mehr Nervenkitzel lassen sich wiederum an markierten Stellen in den Levels die "Seelen" verstorbener Helden anderer Spieler zum Duell fordern. Das Risiko, zu sterben, ist hier zwar meist deutlich höher, als bei den gewöhnlichen Computergegnern, dafür warten bei Erfolg wertvollere Sammelgegenstände auf einen.

    Technikwahl ohne Qual

    Ungewöhnlich für ein Konsolenspiel sind "Niohs" Freiheiten bei den technischen Einstellungen. Spieler können sowohl auf der PS4 als auch auf der PS4 Pro zwischen drei Darstellungsmodi wählen, die je nach Vorliebe entweder die Auflösung oder die Bildrate höher schrauben oder einen Mittelweg einschlagen. PS4-Pro-Nutzer profitieren in allen Modi von einer gesteigerten Auflösung, ich empfehle Ihnen aber auf beiden Plattformen den Action-Modus, bei dem auf Kosten der Auflösung die Bildrate bei konstanten 60 fps gehalten wird. Dabei verliert das Bild zwar sichtlich an schärfe, doch spätestens nach zehn Stunden des Metzelns fallen derartige Details nicht mehr so ins Gewicht wie die Spielbarkeit. Noch dazu, weil man kaum Gegner aus großen Distanzen bekämpfen muss – hier wäre eine höhere Auflösung gewiss von Vorteil.

    Fazit

    Durch seine Struktur und Wiederholung ist "Nioh" vorhersehbarer als die Albträume der "Souls"-Serie, fokussiert sich dafür auf ein nochmals herausfordernderes Kampfsystem, das Spieler zu Meistern der Schwertkünste macht. Der eine oder andere wird sich bei der Überfülle an erlernbaren Zaubertricks und Fähigkeiten immer wieder die Einfachheit einer Streitaxt wünschen, lässt man sich auf diese vielen, nicht selten steinigen Wege ein, wird man dafür in Pixelblut und Schweiß gekleidet mit dem süßen Gefühl eines wahren Triumphs belohnt. Für Genrefans und interessierte Hobby-Ninjas ein erstes Pflichtspiel 2017. (Zsolt Wilhelm, 7.2.2017)

    "Nioh" erscheint am 8. Februar für PS4. Ab 18 Jahren.

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