BMW 5er: So viel Licht und dann doch kaum Schatten

22. Dezember 2016, 10:14
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Der neue 5er von BMW ist sportlicher, agiler und direkter als seine Konkurrenten, lässt es dabei aber nicht an Charme, Stil und Technik fehlen. Nicht einmal über das Design kann man groß streiten.

Lissabon – Es hilft schon ungemein, die Finessen des Designs zu entdecken, wenn einen der Chefdesigner an der Hand nimmt und einen das Auge dahin führt, wo es spannend ist. Dann sieht auch der verquerste Petrolhead das Spiel von Licht und Schatten, das sich am vorderen Koderer auftut, über die Seite läuft – die Türgriffe spielerisch einbindend – und am Ende vor dem Hofmeister knickt.

foto: bmw

Unsereins ist ja bis dahin eher vor dem Auto gestanden und hat auf den Satz von BMW-Markenchefdesigner Karim Habib, der da sinngemäß lautete, das Design bei Autos werde jetzt immer wichtiger, erst mit einem Kopfkratzen reagiert. Ein herzhaftes "Hauptsache, Benziner und Hinterradantrieb" hat jegliche Frage, ob das Design nun besonders mutig, schön oder schattig ist, beendet.

Herrlichkeit des eigenen Ichs

So wichtig es manchem ist, dass der Wagen von außen die Herrlichkeit des eigenen Ichs ausstrahlt, geht es anderen nur darum, dass sich ein Auto so gut fährt, dass man sich überlegt, wie man es finanzieren könnte.

foto: bmw

Und Halleluja, so gut fährt er sich dann auch, der neue 5er. Für die erste Runde musste der 540i herhalten. Drückdrück am Fahrerlebnisschalter in der Mittelkonsole: Sport plus. Dauergrinsen.

Doch ein 3er?

Der Sechszylinder schnurlt einem mit seinen 340 PS die Nackenhaare im rechten Winkel weg. Der Antrieb ist traumhaft, die Lenkung superscharf, das Feedback vom Fahrwerk herrlich. So raubert man durch die Kurven, dass man zwischendurch überlegt, ob man nicht doch in einem 3er sitzt, so gut geht das.

Wenn die ersten Würgegeräusche von der Rückbank zur Mäßigung fordern, erfolgt das zweite Wunder. Drückdrück. Comfort. Luxuslimousine. Schnarchlaute.

foto: bmw

Die Bandbreite, die der 5er abdeckt, ist erstaunlich. Im einen Modus ist er knapp am 3er dran, wobei ihm da auch hilft, dass er gut 100 Kilogramm abgespeckt hat. Im anderen Modus fehlt nimmer viel zum 7er.

Größeres Head-up-Display

Gar nichts mehr fehlt zum 7er, was die Infotainmentwelt angeht. Nicht nur dass das Head-up-Display viel größer und schärfer wurde, gibt es für den 5er nun auch das neueste iDrive mit Gestensteuerung. Noch nie war es einfacher, Musiktitel während eines normalen Gesprächs mit dem Beifahrer zu wechseln. Muss man halt mögen, oder fuchtellos reden.

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Und den Display-Schlüssel samt Fernsteuerparken gibt es jetzt auch für den 5er.

So weit also alles fantastisch. Der Pflicht halber drehen wir noch eine Runde mit dem 530d xDrive, also dem kleinsten Diesel mit Allrad, den es zum Marktstart im Februar gibt – weitere Motoren, auch ein Plug-in-Hybrid, folgen im März. Und dann hebt ein leises Fluchen hinter dem Lenkrad an. Jetzt ist sogar das Dieselfahren fein. O tempora, o mores. Diese verdammten Motorenbauer in Steyr hauen einem jedes Vorurteil zusammen.

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Hacken wir eben noch einmal auf das Design hin, sagen, es sei zu wenig mutig und müssen gleich an mutige Designs denken, die vor allem aber eines sind: unglaublich hässlich. Also gut, überredet, passt eh auch, das Design. (Guido Gluschitsch, 22.12.2016)

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Nachlese:

E-Klasse All-Terrain: Das Zucken vor der Waldeinfahrt

Audi A6 Allroad: Wenig Gelände und viel Straße

Jaguar: Auf allen vieren auf das Dach der Welt

Cadillac XT5 und CT6: Edles aus Übersee

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BMW

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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