ORF-Direktorenwahl: Führungskräfte, die auf Smartphones starren

14. September 2016, 17:15
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Am Donnerstag bekommt der ORF neue und alte Direktoren – Poker bis zuletzt

Wien – Manch ORF-Landesdirektor wollte nicht mehr warten: Karin Bernhard zog es schon am Mittwoch aus dem oberkärntnerischen Großkirchheim auf den Wiener Küniglberg, wo die 35 Stiftungsräte am Donnerstag über vier ORF-Direktoren und neun Landesdirektoren abstimmen. Auch Kurt Rammerstorfer (Oberösterreich) wurde am Mittwoch in den langen Gängen der Großbaustelle ORF-Zentrum gesichtet.

Bernhard wie Rammerstorfer bräuchten sich wohl eher nicht zu sorgen um ihre Jobs: Kärnten und Oberösterreich dürften verlängert werden wie in Vorarlberg Markus Klement, Norbert Gollinger in Niederösterreich, Brigitte Wolf in Wien. Helmut Krieghofer in Tirol und Gerhard Draxler in der Steiermark für ein, zwei Jahre.

Werner Herics ist als Organisator des Standortprojekts Küniglberg ohnehin vor Ort: Er ist Favorit des burgenländischen Stiftungsrats Martin Ivancsics für die Direktion in Eisenstadt.

Auch Roland Brunhofer streifte am Mittwoch durchs ORF-Zentrum. Doch sein Landesstudio in Salzburg bekommt Christoph Takacs (bisher ORF 3). Brunhofers Bewerbung um alle 13 Direktorenjobs soll bei ORF-Chef Alexander Wrabetz nicht gut angekommen sein.

So schwarz die Nacht

Die SPÖ-Stiftungsräte trafen einander schon am Mittwoch um 16 Uhr zur Vorbesprechung, der Einfachheit halber auf dem Küniglberg. Ein fixes Team vorzustellen könnte ihrem Parteikollegen ORF-Chef Alexander Wrabetz da noch schwergefallen sein.

Denn um 18 Uhr erst tritt am Mittwoch der "Freundeskreis" der bürgerlichen Stiftungsräte zusammen. Und er könnte bis tief in die Nacht tagen, hieß es im Vorfeld.

Die bürgerlichen Räte spielten und spielen eine Schlüsselrolle, auch wenn ihr Generalskandidat Richard Grasl unterlag. Ohne ihre Stimmen wird es knapp für den im Herbst anstehenden Gebührenantrag. Sie wollen den Nachfolger Grasls als ORF-Finanzdirektor bestimmen. Am höchsten gehandelt wurden Grasls Chefproducer Roland Weissmann, aber auch Wolfgang Bergmann, Vorstand der STANDARD-Gruppe.

Gegen Weissmann, gegen Götz

Ein wesentlicher Teil der Wrabetz-Mehrheit soll freilich Weissmann rundum ablehnen, diffundierte aus dem Freundeskreis der Sozialdemokraten. "Die Presse" berichtete von der Bewerbung des ehemaligen Post-Vorstands und Unternehmensberaters Herbert Götz (52). In ÖVP-Kreisen freilich kam Mittwochabend zu Götz recht klare Ablehnung. Wenn Alexander Wrabetz auf die ÖVP und ihre Stimmen etwa bei der Gebührenerhöhung Rücksicht nimmt, dann sprechen Zitate aus dem bürgerlichen Lager eher nicht für Götz.

Aber auch die Radiodirektion soll die ÖVP zwischendurch beansprucht haben, für die Wrabetz FM4-Chefin Monika Eigensperger vorsah. Albert Malli (Ö3) wurde als möglicher Kandidat gehandelt, auch TV-Entwicklungschef Stefan Ströbitzer wurde kolportiert, bei Radio-Administrationschefin Ulrike Wüstenhagen eher abgewinkt.

Als Fixstarter für Donnerstag gelten TV-Direktorin Kathrin Zechner und Technikdirektor Michael Götzhaber.

Es wird eine lange Nacht. Bis Donnerstagfrüh dürften einige Kandidaten recht lange auf ihre Smartphones starren, ob der General sie nicht doch anruft. Und andere reden sich in einem Freundeskreis durch den Abend in den Tag der Wahl. (fid, 14.9.2016)

  • Alexander Wrabetz nach seiner Wiederwahl am 9. August.  Am Donnerstag wählt der Stiftungsrat die Direktoren.
    foto: apa/georg hochmuth

    Alexander Wrabetz nach seiner Wiederwahl am 9. August. Am Donnerstag wählt der Stiftungsrat die Direktoren.

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