"Money, Money, Money": Abba-Mitgründer will Apps statt Bargeld

15. Mai 2016, 09:31
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Elektronische Bezahlsysteme boomen in Schweden – dank prominenter Unterstützung

Genau 40 Jahre ist es her, seit die schwedische Popband Abba mit "Money, Money, Money" einen der berühmtesten Popsongs über das Geld geschaffen hat. Doch dessen Mitkomponist Björn Ulvaeus steht nun an der Spitze von dessen Abschaffung – zumindest, was die physische Repräsentation des Geldes in Form von Münzen und Banknoten betrifft. "Ein Schwede wird Bargeld für immer vernichten", schreibt Wired in Bezug auf Ulvaeus. Er tourt seit Jahren durch sein Heimatland, um für elektronische Alternativen zum Bargeld Stimmung zu machen. Tatsächlich ist Schweden bereits extrem weit in der Umsetzung digitaler Bezahlsysteme: Nur mehr 20 Prozent aller Transaktionen sollen 2014 in Bar durchgeführt worden sein.

Swish: App sorgt für Umstieg

Dafür hauptverantwortlich ist eine App namens Swish, die nach einem einfachen Prinzip funktioniert: Befinden sich zwei Nutzer in geografischer Nähe und tauschen sie Telefonnummern aus, können sie Geld von Konto zu Konto verschieben – und zwar in Sekundenschnelle. Die Anwendung ersetzt damit die Nutzung von Bargeld noch stärker als Bankomat- oder Kreditkarten. Auch andere digitale Bezahlapps wie PayPal, Apple Pay oder Samsung Pay boomen weltweit, in den USA bezahlen so schon 46 Prozent der Kunden.

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Weniger Raubüberfälle

Die Vorteile liegen auf der Hand. Was physische Sicherheit betrifft, sind digitale Bezahlmöglichkeiten natürlich besser. Das motivierte auch Ulvaeus. Sein Sohn war 2008 gleich zweifach Opfer eines Einbruches. Die Diebe verhökerten Kameras und Kleidung des Bestohlenen am Schwarzmarkt. Ohne Bargeld wäre dies nicht möglich, so Ulvaeus. Deshalb trommelt er seitdem für Apps und Bankomatkarten. Die Statistik gibt ihm Recht: Seit der stärkeren Adaption von Swish und Co sank in Schweden die Zahl der Bank- und Raubüberfälle signifikant.

Doch ganz so einfach ist das nicht: Selbst vor Raubüberfällen sind diese Bezahloptionen nicht gefeit. So berichteten schwedische Medien von einem Vorfall, bei dem ein vermeintlicher Dieb den Bestohlenen gezwungen haben soll, ihm via Swish Geld zu überweisen. Später behauptet der Verdächtige vor Gericht, dass der andere ihm den Betrag "freiwillig" gesandt hatte – aus Mangel an Beweisen gab es einen Freispruch.

Cyberkriminalität als neue Gefahr

Von Cyberkriminalität ganz zu schweigen: Hacker konnten vor einigen Jahren in das System der größten schwedischen Bank einbrechen und persönliche Datensätze der Kunden stehlen. Computerprogramme verursachen auch abseits von Cybereinbrüchen Probleme, beim ersten bargeldlosen Musikfestival spinnte das Bezahlsystem, wodurch die Besucher ohne Alkohol und Nahrung durchkommen mussten.

Und schließlich gibt es auch noch das Feld der Überwachung: Durch bargeldlose Bezahlvarianten ist jede Transaktion überprüfbar. Das ist zwar gut, was Steuerhinterziehung und Geldwäsche betrifft – doch für Geheimdienste sind die Daten aller Bürger ein gefundenes Fressen. Sie können dann genau analysieren, welche Bücher jemand konsumiert, wo er isst, wo er sich aufhält. Dass die Mehrheit der Österreicher einer Abschaffung des Bargelds skeptisch gegenübersteht, hat also berechtigte Gründe – selbst, wenn Abba dafür wirbt. (fsc, 15.5.2016)

  • Bargeld könnte bald als antiquiert gelten
    foto: apa/balk

    Bargeld könnte bald als antiquiert gelten

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