Großteil der Österreicher fürchtet die Abschaffung des Bargelds

8. Mai 2016, 09:00
970 Postings

Selbstfahrende Autos, Pakete per Drohne – nein, danke! Befragte Österreich stehen den Neuerungen skeptisch gegenüber

Das Leben kann so angenehm sein! Da kommt man abends heim, schaltet den TV-Apparat ein – und der schlägt einem – in Kenntnis der Gewohnheiten des Benutzers – automatisch vor, die Lieblingssendung anzusehen.

Man würde meinen, dass dieses Prinzip längst bekannt und akzeptiert ist, doch die jüngste Market-Umfrage für den STANDARD zeigt: Nur 37 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher finden das wirklich angenehm, 43 Prozent lehnen das ab, und zwar weitgehend unabhängig von Geschlecht, Alter oder Bildung.

"Die heute möglichen und vielfach realisierten Möglichkeiten des Einsatzes computergestützter Technologien finden sehr unterschiedlich Akzeptanz", sagt Market-Institutsleiter David Pfarrhofer: "Seit Jahren wird davon gesprochen, dass Roboter einfache Pflegeleistungen übernehmen könnten, etwa Pflegebedürftigen beim An- und Auskleiden oder beim Waschen helfen – aber diese Entwicklung wird nur von 30 Prozent begrüßt, 60 Prozent lehnen sie dezidiert ab. Die Akzeptanz dieses Vorschlags ist zwar bei höher gebildeten und in größeren Städten lebenden Personen größer, aber die Ablehnung überwiegt bei allen – und besonders deutlich bei weiblichen Befragten."

Medizintechnik

Hingegen gibt es die höchste Zustimmung dort, wo die Medizintechnik heute schon entsprechend fortgeschritten ist, nämlich beim Ersatz von amputierten Gliedmaßen.

Der STANDARD ließ fragen: "Es gibt ja verschiedene Dinge, die heute oder in naher Zukunft automatisiert, also von Computern und Robotern erledigt werden können. Und dazu gibt es auch wieder verschiedene Meinungen, die einen halten das für einen begrüßenswerten Fortschritt, die anderen für eine gefährliche Entwicklung, die Sorgen bereitet. Ich lese Ihnen nun einige Punkte vor":

• Künstliche Hände oder Arme ermöglichen Unfallopfern ein normales Leben" – das begrüßen 92 Prozent, nur sechs Prozent macht das Sorgen.

• Computer steuern Verkehrsampeln je nach Verkehrsaufkommen – da sind 82 Prozent positiv eingestellt, 14 Prozent skeptisch.

• Geldautomaten erlauben überall auf der Welt, Geld vom Konto abzuheben – 76 Prozent Zustimmung, aber bereits 20 Prozent Ablehnung. Es sind vor allem jene Personen, die älter sind und solche, die selten Smartphones benutzen, denen der weltweite Zugriff aufs Konto Sorgen macht.

• Ähnlich sieht das Antwortverhalten aus, wenn vorgeschlagen wird: Alarmanlagen liefern uns aufs Handy, was daheim gerade los ist. Diese Überwachungstechnologie wird von 72 Prozent begrüßt und von 22 Prozent abgelehnt.

Weiters im Bereich der relativ hohen Akzeptanz rangieren Passlesegeräte für Grenzkontrollen (67 zu 26), Produktionsanlagen können ohne menschliches Zutun gefährliche Arbeiten erledigen (66 zu 26), sowie die Überwachung von Luftverkehr und Eisenbahnstrecken (von 56 beziehungsweise 51 Prozent begrüßt).

Skepsis gegenüber E-Demokratie

Chipkarten, "die alle relevanten Gesundheitsdaten speichern" (die Begriffe E-Card und elektronische Gesundheitsakte wurden bewusst vermieden) werden von 50 Prozent begrüßt und von 43 Prozent mit Sorge betrachtet. Und im Unterschied zum Fernseher, der Lieblingssendungen vorschlägt, wird der Kühlschrank, der warnen kann, wenn die Sachen darin ausgehen oder ablaufen, gerade noch mit knapper Mehrheit positiv gesehen.

Überwiegende Skepsis herrscht nicht nur gegenüber den erwähnten Pflegerobotern, sondern auch gegenüber der E-Demokratie: Dass "Demokratische Entscheidungen wie Wahlen und Abstimmungen über das Internet abgewickelt werden", würden nur 28 Prozent begrüßen, 62 Prozent würde das eher Sorgen machen, wobei Befragte unter 30 der E-Demokratie überraschenderweise skeptischer gegenüberstehen als ältere Personen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Parteipräferenz: Es sind Anhänger von SPÖ und Grünen, die sich in diesem Punkt als aufgeschlossener erweisen, aber auch in diesen Gruppen überwiegt die Sorge.

Weitere Sorgenpunkte: RFID-Chips in der Kleidung, die die Waschmaschine steuern, finden nur 27 Prozent gut, im Internet automatisch erstellte Einkaufslisten gefallen 26 Prozent und Paketzustellung mit Drohnen gerade einmal 18 Prozent.

Und wie ist das mit den vieldiskutierten Autos, die ohne Lenker ihr Ziel erreichen können? Das finden nur 24 Prozent begrüßenswert – 68 Prozent macht diese Entwicklung Sorgen. Männer sind dem selbstfahrenden Auto gegenüber allerdings mit 32 Prozent beinahe doppelt so aufgeschlossen wie Frauen. Auch intensive Nutzer von Computern und Smartphones sind in diesem Punkt offener.

Ebenso große Sorgen macht den 500 Befragten auch der Umstand, dass Benutzer von Smartphones jederzeit und überall geortet werden können: "Hier sind es vor allem Menschen, die das Smartphone nach eigenem Bekunden selten benutzen, die Sorgen bekunden", beobachtet Pfarrhofer. Mögliche Erklärung: Wer Smartphones benutzt, nimmt die Überwachungsmöglichkeit mehr oder weniger billigend in Kauf.

Die größte Sorge hinsichtlich der technologischen Entwicklung ist, dass elektronisches Geld das Bargeld völlig ablösen könnte: Das würden nur zehn Prozent begrüßen, 85 Prozent macht das eher Sorgen.

Insgesamt hohe Akzeptanz

Die Omnipräsenz von Computern ist allerdings weitgehend akzeptiert. In einer anderen Fragestellung wollte der STANDARD allgemeine Aussagen zu Computern überprüfen. 74 Prozent stimmten der Aussage zu, dass Computer viele Tätigkeiten erleichtern – das denken vor allem die höher gebildeten Befragten, aber auch in der bildungsfernen Schicht ist die Erkenntnis mit deutlicher Mehrheit verankert.

Die These, Computer seien viel zu fehleranfällig, teilen nur zwölf Prozent – "man verlässt sich daher weitgehend auf sie", sagt Pfarrhofer. Allerdings gibt es dazu kritische Aussagen, die hohe Zustimmung erhalten: So meinen 58 Prozent, dass sich Menschen von Computern das eigenständige Denken zu sehr abnehmen lassen, 52 Prozent befürchten, dass das Verlassen auf die Computernetzwerke die Verwundbarkeit durch Hacker erhöht.

Die Aussage, dass Computer viele Arbeitsplätze vernichtet haben, findet doppelt so viele Anhänger wie jene, dass Computer Arbeitsplätze geschaffen haben. Beides stimmt – es wird aber unterschiedlich stark wahrgenommen. (Conrad Seidl, 8.5.2016)

  • Paketzustellung mit Drohnen findet bei den Österreicherinnen und Österreichern gerade einmal 18 Prozent Zustimmung.
    foto: apa / dpa / nikolai wolff

    Paketzustellung mit Drohnen findet bei den Österreicherinnen und Österreichern gerade einmal 18 Prozent Zustimmung.

Share if you care.