Notstandshilfe als Wiener Phänomen

24. April 2016, 09:00
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69.000 von 168.000 Beziehern leben in der Bundeshauptstadt – Durchschnittliche Bezugsdauer in Österreich bei 750 Tagen

Wien – Langzeitarbeitslosigkeit wird in Österreich zu einem immer stärkeren Phänomen. Mittlerweile gibt es deutlich mehr Bezieher von Notstandshilfe als von Arbeitslosengeld. Konkret gab es mit Stand Ende November des Vorjahres 153.388 Bezieher von Arbeitslosengeld und 162.601 Notstandshilfebezieher (aktuellste Zahlen).

Notstandshilfe kann man im Anschluss an das Arbeitslosengeld beantragen. Sie beträgt bis zu 95 Prozent des zuvor gewährten Arbeitslosengeldes und kann grundsätzlich ohne zeitliche Begrenzung bezogen werden – allerdings muss zumindest alle 52 Wochen ein neuer Antrag gestellt werden.

foto: apa
316.000 Menschen bezogen per Stichtag Ende November 2015 Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe.

Regionale Unterschiede

Wie neue Daten des Sozialministeriums zeigen, die im Rahmen einer parlamentarischen Anfrage von Neos-Mandatar Gerald Loacker veröffentlicht wurden, gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern.

In Wien wird Notstandshilfe fast doppelt so häufig bezogen wie Arbeitslosengeld. In anderen Bundesländern gibt es hingegen deutlich weniger Notstandshilfebezieher als Arbeitslosengeldbezieher, wie diese Grafik zeigt:

Die angespannte Lage am heimischen Arbeitsmarkt spiegelt sich auch in der durchschnittlichen Bezugsdauer wider. Quer durch ganz Österreich wird Notstandshilfe durchschnittlich 750 Tage bezogen. Den niedrigsten Wert verzeichnet Vorarlberg mit 567 Tagen, den höchsten das Burgenland mit 803,4 Tagen.

Dauer und Geschlecht

Aufgeschlüsselt nach Geschlecht gibt es deutlich mehr Männer unter den Notstandshilfebeziehern. 62 Prozent oder 100.252 Menschen beziehen schon länger als ein Jahr Notstandshilfe. In 56.215 Fällen wurde sie bereits länger als zwei Jahre gewährt, in 33.798 Fällen länger als drei Jahre und in 14.178 Fällen länger als fünf Jahre.

Ein kleiner Teil – 3,8 Prozent beziehungsweise 6.138 Arbeitslose – war sogar schon mehr als sieben Jahre von der Notstandshilfe abhängig. In 452 Fällen lag die Bezugsdauer sogar bei mehr als 15 Jahren.

Menschen mit sehr langer Bezugsdauer (länger als zehn Jahre) sind stark auf Wien konzentriert. In Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg gibt es vergleichsweise wenige Bezieher, die länger als zehn Jahre auf Notstandshilfe angewiesen sind.

Interessant ist auch der absolute Leistungsanspruch. Der durchschnittliche Tagessatz beim Arbeitslosengeld liegt bei 29,28 Euro, bei einem 30-Tage-Monat entspricht das 878,4 Euro. Die Notstandshilfe macht im Schnitt 724,80 Euro aus.

Da diese Geldleistung aber keiner Wertsicherung unterliegt, wird die Kaufkraft natürlich bei sehr langer Arbeitslosigkeit deutlich geschmälert. Zur Orientierung: Wer länger als zehn Jahre Notstandshilfe bezieht, bekommt im Schnitt nur mehr 678,30 Euro monatlich. (Günther Oswald, 23.4.2016)

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