Die Share-Economy auf dem Dachboden

24. Jänner 2016, 09:00
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Vor wenigen Tagen wurde eine Plattform gelauncht, auf der Private und Unternehmen Lagerflächen anmieten und vermieten können

Findige Unternehmen haben erkannt, dass Stauraum für Privatpersonen und KMUs ein rares Gut ist. Oft stehen keine Kellerabteile mehr zur Verfügung und das Lager unterm Dach muss dem Dachbodenausbau weichen.

Das Wiener Start-up StoreMe will für das stetig wachsende Platzproblem nun eine Lösung gefunden haben: Vergangene Woche launchte das Unternehmen ein Logistik-Konzept, das von den drei Gründern als "Airbnb für Lagerflächen" beschrieben wird: Auf einer Online-Plattform können fortan Privatpersonen und Unternehmen Lagerflächen – vom Kellerabteil über die Scheune bis hin zur Logistikhalle – mieten und vermieten.

Versicherung und Transport

Die Plattform funktioniert folgendermaßen: Mittels Suchfunktion kann ein Lagerplatz in der Nähe gesucht und mit dem Anbieter in Kontakt getreten werden. Bei Bedarf können die Flächen besichtigt werden – etwa um abzuklären, dass das Kellerabteil nicht in einem modrigen Keller liegt. Feuchte Keller finden sich übrigens dennoch im Angebot – in einem solchen "klassischen modrigen Keller" würde beispielsweise ein Kajak-Verein seine Boote lagern, berichtet Co-Gründer Ferdinand Dietrich.

Ein Unterschied zu Angeboten der Konkurrenz sei, dass optional über die Plattform auch eine Versicherung für die eingelagerten Gegenstände oder der Transport zum und vom Lager gebucht werden kann. Mit diesen Zusatzangeboten sowie kostenpflichtigen Inseraten für gewerbliche Anbieter will das Start-up Geld verdienen, Provision wird nämlich keine verlangt.

950 m² Lagerfläche werden auf der Website derzeit angeboten, die Durchschnittsgröße der Flächen beträgt 24 m², der Quadratmeterpreis – der von den Vermietern selbst bestimmt werden kann – liegt im Schnitt bei zehn Euro. "Damit liegen die Preise weit unter den Self-Storage-Anbietern", sagt Co-Gründer Johannes Braith. Bisher hätten hauptsächlich Privatpersonen inseriert.

Zwei Kundengruppen

Zwei Kundengruppen will man mit dem Konzept erreichen: Privatpersonen, die kurz- oder langfristig Platz brauchen – etwa während eines Auslandssemesters. Doch auch KMUs haben bereits Interesse angemeldet, so Dietrich. Ein Farbenhändler zum Beispiel, der ein Zweitlager für seine Farbeimer sucht. Ab März wird es zudem möglich sein, Vermieter und Mieter auf der Plattform – wie auch auf Airbnb – zu bewerten. Damit wolle man das Sicherheitsgefühl auf beiden Seiten steigern, so Braith.

Wie bei Airbnb müssen natürlich auch die Einkünfte, die mittels Vermietung von Lagerflächen lukriert werden, korrekt versteuert werden, betonen die Gründer. Noch heuer will StoreMe nach Deutschland und in die Schweiz expandieren.

"Sehr, sehr interessant" findet das von der Share-Economy inspirierte Konzept Franz Kastner von CBRE, der sich mit den drei Gründern bereits getroffen hat: "Kleine Lagerflächen im innerstädtischen Bereich über einen Makler zu finden ist schwierig", sagt er. Anfragen würden bei ihm bereits ab 25 Quadratmetern eintrudeln, erst ab 200 bis 300 Quadratmetern seien Logistikflächen aber auf dem Radar eines Maklers.

Daher sehe man bei CBRE StoreMe auch nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. Selbst eine Kooperation sei in weiterer Folge denkbar, bei der kleine Anfragen an StoreMe weitergeleitet werden, während das Start-up großflächige Anfragen an CBRE weiterreicht, so Kastner.

Potenzial in Österreich

66 Prozent – oder 1,9 Millionen Quadratmeter – des Bestandes in Österreich wurden von CBRE jüngst als "nicht den Anforderungen an eine moderne Logistikimmobilie entsprechend" klassifiziert. Das Entwicklungspotenzial durch Überalterung sei daher enorm, so Kastner.

Mit boomenden Logistikmärkten von Nachbarländern wie Tschechien könne Österreich zwar nicht mithalten. "Aber es wird sich in Zukunft am österreichischen Logistikmarkt mehr tun als in der Vergangenheit", sagt Kastner vorsichtig. (Franziska Zoidl, 24.1.2016)

  • Was mit dem Vermieten des Dachbodens eingenommen wird, muss auch korrekt versteuert werden, wird auf der Plattform betont.
    foto: standard

    Was mit dem Vermieten des Dachbodens eingenommen wird, muss auch korrekt versteuert werden, wird auf der Plattform betont.

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