Aufregung um Westbahn: Verfahrene Situation

Kommentar22. Oktober 2015, 17:47
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Es fehlt ein Masterplan, und der Staat wälzt die Probleme wieder einmal ab

Den Shitstorm, der über der privaten Bahngesellschaft Westbahn nach ihrem Brief an die ÖBB-Infrastruktur niederging, hat sie verdient. Keine Frage, ungeschickter hätte man das Schreiben kaum formulieren können. Auch der Zeitpunkt könnte nicht schlechter gewählt sein: Bei den in die Arbeit mit Flüchtlingen involvierten Personen und Institutionen liegen die Nerven blank.

Bei aller berechtigten Kritik: Das Schreiben, in dem die Westbahn Rabatt bei den Stationsentgelten fordert, weil die Bahnhöfe Wien Westbahnhof und Salzburg in belagerungsähnlichem Zustand sind, als Profitgier auf dem Rücken von Flüchtlingen zu geißeln, wie es die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely tut, ist gleichermaßen daneben. Beschämend ist auch die Reaktion der ÖBB, deren Mitarbeiter Großartiges leisten. Sie schickt ihren Konkurrenten zum Innenministerium, so als wäre sie für Sicherheit und Sauberkeit der Bahnhöfe nicht zuständig.

Diese Art von Ignoranz wird nicht aufrechtzuerhalten sein. Sie verschwindet auch nicht durch Polemik. Wenn die Sicherheitsbehörden überlegen, den Bahnhof Salzburg wegen Überfüllung zu schließen, dann ist auch für Laien erkennbar, dass es nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, die größten Bahnhöfe in Österreich zu Flüchtlingsumschlagplätzen umzufunktionieren. Das ist bei Kälte vor allem für die Flüchtlinge eine Zumutung. Es fehlt ein Masterplan, und der Staat wälzt die Probleme wieder einmal ab. (Luise Ungerboeck, 22.10.2015)

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