Westbahn droht ÖBB mit Zahlungsstopp wegen Flüchtlingen

21. Oktober 2015, 12:44
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Privatunternehmen will wegen Geschäftsrückgangs keine Bahnhofsgebühren mehr zahlen

Wien – Die Westbahn fordert von der ÖBB aufgrund des Flüchtlingsansturms auf Bahnhöfe und Züge einen Gebührennachlass. Die ÖBB lehnt empört ab und droht bei Zahlungsausfällen mit rechtlichen Schritten. Laut Westbahn gab es durch die Flüchtlinge einen Geschäftsrückgang von 15 bis 20 Prozent. Wie hoch der Verlust bei der ÖBB ist, ist derzeit nicht bekannt – man sei mit Helfen mehr als eingedeckt.

In einem Schreiben an die ÖBB fordert Westbahn-Chef Erich Forster bei den Bahnhofsgebühren eine Preisminderung um 100 Prozent und beim Benützungsentgelt (für die Schienen) 20 Prozent Nachlass, sagt ÖBB-Sprecher Michael Braun und bestätigt damit einen Bericht des "Kurier", wonach die Westbahn mit einem Zahlungsstopp droht. "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk veröffentlichte den Brief am Mittwoch auf Twitter:

Die ÖBB zeigt sich entsetzt darüber, dass die Westbahn "aus der Flüchtlingskrise Kapital schlagen will". Umgekehrt würde die ÖBB Zusatzleistungen für einen reibungslosen Ablauf an den Bahnsteigen erbringen, die der Westbahn nicht verrechnet werden. "Wir haben seit Mitte August täglich 100 Mitarbeiter zusätzlich im Einsatz", rechnet Braun vor.

Einen Stopp der Zahlungen würde die ÖBB auf keinen Fall akzeptieren, hieß es aus der Konzernzentrale. Im Übrigen sei die ÖBB von der Flüchtlingswelle weit stärker betroffen als die Westbahn. Alleine am Westbahnhof, der einer der Hotspots in Wien ist, habe die ÖBB täglich 224 Züge im Einsatz, die Westbahn nur 32.

Sicherheit und Qualität verbessern

In einer Aussendung gaben Vertreter der Westbahn an, man habe mit der Forderung dem Wunsch nach mehr Sicherheit und Qualität in den Bahnhöfen Nachdruck verleihen wollen. Auslöser für das Druckmittel seien besorgte Anfragen von Kunden gewesen: "Die Westbahn wollte mit dem Schreiben ein Signal setzen, damit Bemühungen gestartet werden, die im Sinne aller Bahnkunden für Sicherheit und Qualität sorgen." Zudem wurde die Kritik der ÖBB in einer Stellungnahme auf Facebook zurückgewiesen:

Liebe Kunden,wir möchten zu dem heutigen Bericht im Kurier, der leider nur einen Teil unseres Schreibens an die ÖBB...

Posted by WESTbahn Gmbh on Mittwoch, 21. Oktober 2015

Die Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) reagierte jedenfalls empört auf die Drohung. "Die ÖBB haben sich für Hilfe und Menschlichkeit entschieden, die Westbahn für einen profitorientierten Weg", so die Politikerin.

Die Westbahn gehört zur Hälfte der Familienprivatstiftung des Bauunternehmers Hans Peter Haselsteiner, 33 Prozent hält die Schweizer Augusta-Holding, 17 Prozent die französische Staatsbahn SNCF. (APA, red, 21.10.2015)

  • Die Westbahn will Zahlungen an die ÖBB einstellen.
    foto: westbahn management gmbh

    Die Westbahn will Zahlungen an die ÖBB einstellen.

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