Pakesch verlässt Joanneum Graz: Musealer Abmagerungsplan

Kommentar11. September 2015, 17:20
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Den Gepflogenheiten an internationalen Häusern entspricht der Grazer Abmagerungsplan nicht

Scherbenhaufen? Aber nein doch, alle sind nett zueinander. Zumindest via Medien richtet VP-Kulturlandesrat Christoph Buchmann dem scheidenden Joanneum-Intendanten Peter Pakesch vor allem Wertschätzendes aus. Doch in Wirklichkeit ist Pakeschs verfrühter Abgang – der Vertrag wäre erst 2017 ausgelaufen – auch die Folge einer (österreichweiten) Kulturpolitik, die keine Visionen entwickelt, aber rigide Sparprogramme verordnet. So musste Pakeschs Kollegin Christine Wetzlinger-Grundnig im Museum Moderner Kunst Kärnten aus Geldmangel bereits geplante Ausstellungen ersatzlos streichen.

In Graz wird künftig gleich auch der Posten eines künstlerischen Direktors abgeschafft. Der bisherige wissenschaftliche Geschäftsführer Wolfgang Muchitsch soll Österreichs zweitgrößtes Museumsimperium im Alleingang schupfen. Man darf jetzt schon prognostizieren: Bei der Wunderwuzzinachfolgersuche wird man sich dereinst einigermaßen schwertun. Den Gepflogenheiten an internationalen Häusern entspricht dieser Grazer Abmagerungsplan jedenfalls nicht. Denn da werden die künstlerischen und kaufmännischen Agenden und Kompetenzen aus guten Gründen feinsäuberlich getrennt. Auch in den Wiener Museen gibt es Direktoren neuerdings nur im Doppelpack.

Immerhin wird im Grazer Kunsthaus eine neue Chefetage eingezogen. Das hat Bürgermeister Siegfried Nagl schon vor Monaten ventiliert – und Pakesch damit brüskiert. (Andrea Schurian, 11.9.2015)

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