Einvernehmliche Trennung auf Steirisch

11. September 2015, 17:44
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Schon im Juni bat Peter Pakesch um eine Auflösung seines Vertrags. Er hätte noch bis 2017 bleiben sollen

Graz – Eine langfristige und strategisch gedachte Auseinandersetzung mit der Politik fehle, bedauerte Joanneum-Intendant Peter Pakesch in einem STANDARD- Interview im März dieses Jahres. Und fügte hinzu: "Es gibt einen Punkt, ab dem es nicht mehr geht – auch wenn die Politik das nicht gern hört." Dieser Punkt kam schneller als gedacht und hat vermutlich auch mit der Wiederbestellung Christian Buchmanns zum Kulturlandesrat zu tun.

Die Chemie zwischen Pakesch, der das Joanneum ab 2003 leitete, die Sammlungen neu ordnete, Abteilungen umstrukturierte, und dem für ihn zuständigen ÖVP-Landesrat dürfte schon seit längerem nicht mehr gepasst haben. Als etwa der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl, ein Parteikollege Buchmanns, laut über mehr Fluktuation im Grazer Kunsthaus nachdachte und es aus dem Joanneum-Verband herausschälen wollte, gab es zwar viele Solidaritätserklärungen für Pakesch von internationalen Museumsdirektoren und Kunstschaffenden. Der zuständige Landesrat allerdings schwieg.

Das Joanneum musste seit 2011 massive Subventionskürzungen hinnehmen. Während die Förderung der Stadt Graz gleich blieb, schüttete das Land Steiermark in den Krisejahren 2012 und 2013 bis zu drei Millionen weniger aus. Zwar wurde das Budget seither auch wieder angehoben, mit derzeit 17 Mio. liegt man aber weiterhin zwei Mio. unter der Höhe von 2010. Offiziell argumentiert wurden die Einsparungen damals mit dem Slogan "Die Großen retten die Kleinen". Hinter vorgehaltener Hand spricht man in Graz aber davon, dass Buchmann – der in seinem Ressort auch die Wirtschaftsagenden leitet – Mittel von der Kultur zur Wirtschaft umschichte. Offiziell bestätigen möchte das niemand.

Auch der scheidende Intendant schweigt. Schließlich steht die einvernehmliche Lösung auf dem Spiel. Nur so viel: Es sei kein übereilter Entschluss gewesen. Und er freue sich auf neue berufliche Herausforderungen, er werde sich vermehrt der Lassnig-Stiftung widmen, deren Stiftungsvorsitzender er bereits ist.

Gerüchte, er würde an die Kunsthalle Krems wechseln, dementiert er: "Ich werde sicherlich nicht wieder eine Führungsposition in einer Institution anstreben. Ich freue mich darauf, wieder frei zu arbeiten."

Nur noch ein Geschäftsführer

Nun, da Pakesch das Joanneum verlässt, wird es künftig keine Doppeldirektion für das Joanneum mehr geben. Der bisherige wissenschaftliche Geschäftsführer Wolfgang Muchitsch wird, wie Buchmann in seiner Pressekonferenz verkündete, Alleingeschäftsführer; international ausgeschrieben wird aber eine Leitungsfunktion für das Kunsthaus.

Das angespannte Verhältnis zu Peter Pakesch wollte Buchmann bei der Pressekonferenz nicht überbewerten: "Das ist alles weniger dramatisch, als es in den Medien dargestellt wird." Pakesch habe ihn schon im Sommer um eine einvernehmliche Lösung gebeten: "Ich möchte seinen Plänen nicht im Wege stehen." In einer Aussendung dankt der Kulturlandesrat Pakesch für dessen Arbeit: "Er hat das Universalmuseum in den zwölf Jahren seiner Intendanz weit über die Grenzen der Steiermark und Österreichs hinaus bekanntgemacht."

Buchmann möchte den kulturpolitischen Auftrag "schärfen". Die Besucherzahlen (derzeit 550.000 pro Jahr) sollen "deutlich gesteigert werden". Weiters erwartet sich Buchmann eine "Belebung des Joanneumviertels" und "mehr Wettbewerb zwischen Kunsthaus und Neuer Galerie durch die Trennung der Führung der beiden Häuser".

Wolfgang Muchitsch hingegen bedauert es "persönlich sehr", seinen Partner in der Geschäftsführung zu verlieren, man habe "sehr freundschaftlich miteinander gearbeitet". Auch er verwies auf die Budgetproblematik, wonach man seit 2011 insgesamt 17 Millionen Euro habe einsparen müssen.

Peter Pakesch – er blieb der Pressekonferenz fern – sieht für die sinnvolle Weiterentwicklung dieses "einzigartigen Museums" weder die kulturpolitischen Rahmenbedingungen noch einen breiten Rückhalt: "Viele Perspektiven, die wir in guten Zeiten entwickeln konnten, lassen sich entgegen unserem Bestreben nicht mehr entsprechend weiterverfolgen und ausbauen."

Universitätsprofessor Franz Marhold, Aufsichtsratsvorsitzender des Joanneums, will sich auf STANDARD-Anfrage zur Causa Pakesch nicht äußern. "Aufsichtsrat kommt nicht von Aufsehen erregen", sagte er. Außerdem seien Personalangelegenheiten nicht Sache des Aufsichtsrates, sondern wie in jeder GmbH die des Gesellschafters – also des Landes.

Die Auflösung des Vertrages mit Pakesch per 30. September soll laut Buchmann kommenden Donnerstag in der Landesregierung behandelt werden. Auch die Stadt Graz, zu 15 Prozent Miteigentümerin, muss noch zustimmen. (Stefan Weiss/Andrea Schurian, 11.9.2015)

  • Peter Pakesch, Noch-Intendant des Joanneum, vor einem Selbstbildnis Maria Lassnigs.  Künftig will sich Pakesch vermehrt seinen Aufgaben als Vorsitzender der Lassnig-Stiftung widmen.
    foto: apa

    Peter Pakesch, Noch-Intendant des Joanneum, vor einem Selbstbildnis Maria Lassnigs. Künftig will sich Pakesch vermehrt seinen Aufgaben als Vorsitzender der Lassnig-Stiftung widmen.

  • Der bisherige wissenschaftliche Geschäftsführer Wolfgang Muchitsch wird Alleingeschäftsführer des Joanneum. International ausgeschrieben wird aber eine Leitungsfunktion für das Kunsthaus.
    foto: apa / umj

    Der bisherige wissenschaftliche Geschäftsführer Wolfgang Muchitsch wird Alleingeschäftsführer des Joanneum. International ausgeschrieben wird aber eine Leitungsfunktion für das Kunsthaus.

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