Ungarns Polizei setzt Tränengas gegen Flüchtlinge ein, Journalistin tritt Kinder

9. September 2015, 07:05
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Erneut versuchten Flüchtlinge aus dem Sammellager Röszke an der Grenze zu Serbien zu fliehen – Journalistin entlassen, nachdem sie Flüchtling das Bein stellte

Budapest/Röszke – In Ungarn haben erneut hunderte Flüchtlinge an der Grenze zu Serbien eine Polizeiabsperrung durchbrochen und sich zu Fuß Richtung Budapest aufgemacht. Nach Zusammenstößen mit der ungarischen Polizei, die Tränengas einsetzte, gaben die Flüchtlinge am Abend auf und ließen sich zu einer Registrierungsstelle bringen.

Rund 300 Flüchtlinge, darunter viele Familien mit Kleinkindern, waren am Dienstagnachmittag aus der Sammelstelle bei Röszke an der ungarisch-serbischen Grenze geflohen. Rund 100 Polizisten stoppten die nach Nordosten marschierenden Migranten einige Stunden später bei Szeged, dabei flogen Flaschen auf Polizisten.

Kamerafrau trat auf Kinder ein

Für Kritik sorgte eine Journalistin des Internet-Fernsehsenders Nemzeti Televizio N1TV, der der rechtsextremen ungarischen Partei Jobbik nahesteht. Sie stellte einem Mann das Bein, als dieser versuchte, mit einem Buben im Arm der Polizei zu entkommen.

In der Folge trat die Frau auch auf vorbeilaufende Kinder ein. Chefredakteur Szabolcs Kisberg nannte das Verhalten der Kamerafrau "inakzeptabel" und entließ sie.

Sitzstreik gegen Polizei

Einige Flüchtlinge protestierten mit einem Sitzstreik gegen die Polizei. Schließlich gaben sie ihren Widerstand aber auf und bestiegen die von der Polizei bereitgestellten Busse, die sie in eine Registrierungsstelle brachten, berichtete das ungarische Fernsehen am Abend.

Aus der Sammelstelle in Röszke, wo derzeit die meisten über Serbien kommenden Menschen landen, versuchen Flüchtlinge immer wieder zu fliehen. Erst am Montag hatten hunderte Menschen Polizeiabsperrungen durchbrochen und waren auf der Autobahn Richtung Budapest gegangen. Oft müssen die Flüchtlinge tagelang unter freiem Himmel auf ihre Registrierung warten. Die meisten wollen weiter Richtung Österreich oder Deutschland. (APA, red, 9.9.2015)

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