Sieben Ted-Talks als Inspiration für Leader

29. August 2015, 08:00
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Nicht immer ist man so inspiriert und motiviert, wie man gern sein möchte. Neue Ideen kann man auch in Ted-Talks finden. Eine Auswahl

Managementliteratur wird nie uninteressant – zumindest bleibt die Zahl an neuen Publikationen hoch. Und auch an Seminaren für Führungskräfte mangelt es nicht. Im Gegenteil, die Coaches werden immer kreativer und bitten ihre Coachees nun schon in abgelegene Wälder, ein paar Tage ins Kloster oder zum Konsum bewusstseinserweiternder Kakteen.

Wer aber keine Zeit zum Bücherwälzen oder Seminarbesuch hat, der kann neue Motivation und Inspiration auch online in Ted-Talks finden.

Ja, es gibt sie noch, die kurzen Videos von Reden zu allen möglichen Themen, die großen Worte, die im besten Fall nicht wie bei einem langweiligen Vortrag per Power Point vorgelesen werden. Und obwohl die anfängliche Euphorie über die globalen Konferenzen, wo die Videos aufgezeichnet werden, mittlerweile verflogen ist, lohnt sich ein Abend vor Tablet oder Monitor mitunter noch immer.

Drew Dudley: Everyday Leadership

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Viele kennen das Gefühl – die plötzliche Verwunderung darüber, dass man in einer Position mit sehr viel Verantwortung steckt, manchmal auch kurzzeitige Überforderung, das ist für viele Führungskräfte "part of the game".

Mit einer netten persönlichen Anekdote erinnert Drew Dudley bei TedxToronto daran, wie wichtig die kleinen Momente sind, die man im Arbeitsalltag oft gar nicht so sehr wahrnimmt.

Die kurze Rede dauert nur etwas mehr als sechs Minuten, aber Dudley bringt mit seiner Geschichte das Publikum zum Schmunzeln. Was das alles mit einem Lollipop zu tun hat, erfährt man im Video.

Message: Oft sind es die unscheinbaren Taten und Momente, die Mitmenschen motivieren und für eine Sache begeistern.

Derek Sivers: How to start a movement

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Im Idealfall holt man als Führungskraft seine Mitmenschen nicht nur ab, man leitet sie und ist geradezu richtungsweisend – führend eben.

Eine Bewegung anzuführen, das ist eine Kunst, schreiben viele Managementgurus – oder auch nicht, wie Derek Sivers anhand eines dreiminütigen Videos von tanzenden Menschen demonstriert. Anhand dieser wenigen Sekunden könne man als Zuseher bereits sehen, dass Leadership einfach überglorifiziert sei, sagt Sivers.

Message: Die ersten Follower sind für eine Führungskraft essenziell und machen eine Bewegung erst zu dem, was sie ist.

Fields Wicker-Miurin: Learning from leadership's missing manual

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Was die ersten beiden Vorträge an Witz und lockerer Atmosphäre bieten, ersetzt Fields Wicker-Miurin durch einen klugen Blick auf andere Kulturen und darauf, wie Leadership dort verstanden wird. Wer Sehnsucht nach einer Weltreise hat, ist bei diesem 15-Minuten-Talk genau richtig.

Wicker-Miurin erzählt von Begegnungen mit einem Indigenen in Brasilien, der den Klimawandel bekämpfen will, einer Aktivistin in Indien, die gegen HIV beziehungsweise Aids kämpft, und einem Künstler in China, der an die Kriege der Vergangenheit erinnern will; Menschen, die keine Businesschool besucht und keine Leadership-Anleitung à la "in zehn Schritten zur Führungskraft" gelesen haben und dennoch die Welt um sie verändert haben. Wicker-Miurin zeigt, was möglich ist, wenn man den Blick auf die Welt ändert.

Message: Verändern kann man dann, wenn man realisiert, dass sich die Welt nicht um die eigene Person dreht, aber dass Veränderung mit der eigenen Person beginnt.

Roselinde Torres: What it takes to be a great leader

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Ein Titel, der zwar an einen Ratgeber erinnert – aber das täuscht. Denn Roselinde Torres hält nichts von universalen Ratschlägen und immergleichen Leadership-Programmen in Unternehmen. Vor ein paar Jahren nahm sie diese Akademien nämlich unter die Lupe, und was sie sah, missfiel ihr so sehr, dass sie ihren Job kündigte, um sich genauer mit der Frage auseinanderzusetzen, was gute Führungskräfte ausmacht und wie man das auch weitergeben kann.

Ähnlich wie Wicker-Miurin nimmt auch Torres uns Zuseher mit auf eine Reise – nach Südafrika und in andere Teile der Welt, wo sie erfahren wollte, was wahre Führungskräfte anders machen, auch solche, die nicht viele Mittel zur Verfügung haben. Torres will ändern, dass die meisten High Potentials die Frage "Hilft mir mein Unternehmen dabei, eine gute Führungskraft zu werden?" mit Nein beantworten müssen. Leadership im 21. Jahrhundert sei wesentlich durch drei Fragen definiert, die man sich stellen sollte.

Message: Gute Führungskräfte bereiten sich nicht auf Basis der komfortablen Verhältnisse des Gestern vor, sie erkennen die Realität des Heute und haben ein Gespür für die unbekannten Möglichkeiten des Morgen.

Margarete Heffernan: Why it's time to forget workplace pecking order

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Wer schon immer wissen wollte, was wir von Hühnern in Sachen Produktivität lernen können, der sollte Margarete Heffernan zuhören. Schon gleich zu Beginn macht sie klar, dass Erfolg nicht auf den Besten und den Superstars einer Generation aufbaut – das führe nur zu Aggression, Dysfunktion und Verschwendung.

Was aber macht manche Gruppen erfolgreicher oder produktiver als andere? Sie zitiert ein MIT-Experiment: Nicht jene Gruppen, die den höchsten durchschnittlichen IQ in der Gruppe aufwiesen oder die Person mit dem allerhöchsten IQ als Mitglied hatten, lagen vorn, sondern jene Gruppen, deren Mitglieder eine hohe Sensibilität für Teammitglieder zeigten und Frauen in der Gruppe hatten.

Schlägt sich das auch im Arbeitsalltag nieder? Heffernan fallen viele interessante Beispiele ein. Sucht man selbst monatelang nach einer Lösung für ein Problem oder fragt man jemand, der damit besser betraut ist, und ist derjenige Monate voraus? Und so weiter und so fort ...

Message: Empathie und soziales Verhalten führen zu Fortschritt und Erfolg, nicht "survival of the fittest". Was zählt, ist, was zwischen den Menschen passiert.

Stanley McChrystal: Listen, learn ... then lead

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Im Militärwesen, so wird zumindest oft angenommen, heißt Leadership vor allem Befehlen. Führung im autoritären Sinn. Umso interessanter, wenn General McChrystal seine Zuhörer nicht unbedingt vom Gegenteil überzeugt, aber doch ihren Horizont erweitert.

Zunächst sorgt McChrystal mit seiner Beschreibung eines Fallschirmsprungs noch für Schmunzeln, sowohl im Ted-Publikum als auch vor dem Monitor. Als er aber erwähnt, dass jener Septembermorgen nicht irgendeiner war, sondern der 11. September 2001, wird es zumindest im Saalpublikum mucksmäuschenstill. Für ihn sei es ein Tag in einer völlig neuen Welt gewesen, alles habe sich verändert. McChrystal konzentriert sich deswegen darauf, wie sich Change sich auf Leadership auswirkt.

Auf einmal musste er weltweit verstreute Teams leiten, mit Menschen komplizierte Strategien durchgehen, die er nie persönlich mit ihnen besprechen konnte. Eine für McChrystal essenzielle Herausforderung in seiner Karriere, die er nicht meisterte. Die Mission scheiterte. Vor einem gespannten Publikum erzählt er, was er aus dem Scheitern in dieser besonderen Zeit gelernt hat.

Message: In Zeiten von Veränderung muss man als Leader ein offenes Ohr haben und gewillt sein, mehr denn je von anderen zu lernen.

Italy Talgam: Lead like the great conductors

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Wie beim Militär hat Führung auch in der Musik eine ganz eigene Bedeutung, von der sich auch Unternehmen einiges abschauen können. Das schlägt zumindest Italy Talgam vor, indem er über die magischen Momente des Dirigierens spricht. Talgam arbeitet deswegen nicht nur als Dirigent, sondern auch als Consultant und berät in Sachen Leadership.

Es sei sehr verlockend zu glauben, dass all die großartige Musik nur von einzelnen Handbewegungen des Dirigenten abhänge und ohne ihn totales Chaos herrsche. Ganz so einfach sei es aber nicht. In Talgams lebendiger Erklärung dessen, was ein erfolgreiches Zusammenspiel – auf und abseits der Orchesterbühne – denn ausmache, spielen auch die Wiener Philharmoniker und das Wiener Orchesterpublikum eine Nebenrolle, Ricardo Muti und Leonard Bernstein werden ebenso analysiert.

Message: Auch die kleinsten Bemerkungen und Bewegungen können große Effekte haben.

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