Diskonter: Zugmaschinen auf dem deutschen Mobilfunkmarkt

21. August 2015, 14:50
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Marktbereinigung dank Billiganbieter kein Preistreiber

Als vor gut zehn Jahren erstmals die Marken Tchibo mobil und Simyo in der deutschen Mobilfunklandschaft auftauchten, wurden sie noch belächelt: Doch die Diskonter haben die Branche aufgerollt und sich mit Billigangeboten einen festen Platz erobert. Zugleich sorgten sie für einen bis dahin nie gekannten Preissturz. Für eine vergleichbare Entwicklung sorgten auch die Diskonter in Österreich.

Mehrmarkenstrategie

Für sechs Cent pro Gespräch oder knapp 13 Euro pauschal im Monat in alle deutschen Netze telefonieren, SMS verschicken und ein begrenztes Datenvolumen pro Monat herunterladen – das ist heute keine deutsche Seltenheit mehr.

"Durch die Mehrmarkenstrategie können wir unterschiedliche Kundenbedürfnisse und Marktsegmente bedienen", sagt Ralf Opalka von Telefonica O2. Das Unternehmen beziehungsweise sein fusionierter Partner E-Plus gehören zu den Pionieren auf dem Discountmarkt. Auch in Zukunft setze Telefonica auf eine Mehrmarkenstrategie. Damit widerspricht der kundenstärkste Anbieter in Deutschland immer wieder aufkeimenden Gerüchten, wonach der Zusammenschluss das Ende vieler Marken bedeuten würde. Tatsächlich aber sorgt das Discountsegment für Wachstum in einer Branche mit starkem Verdrängungswettbewerb.

So hatte das Tarifvergleichsportal teltarif.de unlängst die Quartalszahlen der Mobilfunkriesen genauer unter die Lupe genommen und kam zu dem Schluss: Das Wachstum der Kundenzahlen, das die Unternehmen verbuchten, sei zu einem großen Teil ihrer Diskontmarken zu verdanken beziehungsweise den Anbietern, die Kapazitäten der Netzbetreiber unter eigenen Marken an die Kunden weitervertreiben.

Diskontmarken

Solche Anbieter sind unter anderem Freenet und Drillisch. Beide gehören zu den größeren Diskontern und Wiederverkäufern. Freenet ist mit 12,4 Millionen Kunden klar der Größere von beiden, wobei der reine Diskont-Anteil bei 3 Millionen liegt. Die hessische Drillisch mit rund 2,3 Millionen Kunden profitierte aber stark von der Fusion zwischen Telefonica O2 und E-Plus.

So übernahm das Unternehmen aus Maintal vor gut einem Jahr 20 Prozent der Netzkapazitäten von Telefonica, die das Unternehmen im Zuge des Zusammenschlusses abgeben musste. Im Mai dieses Jahres kamen 300 Shops von Telefonica hinzu. Mit der Zusammenschaltung der Netze von Telefonica und E-Plus erhält der Diskonter außerdem einen direkten Zugriff auf die schnelle LTE-Technik. "Drillisch ist der einzige Anbieter, der über die gleichen Möglichkeiten verfügt wie Telefonica", freut sich Firmensprecher Peter Eggers.

Abgrenzung von der Billigkonkurrenz

Auf superschnelle Netze würde Martin Knauer auch gerne zugreifen können, wenn er dürfte. Der Marketing-Experte ist Chef des Kölner Diskonters Congstar, das zur Deutschen Telekom gehört und mit 3,5 Millionen Kunden inzwischen zu den großen Spielern im Billigsegment aufgestiegen ist. Doch die Telekom wie auch Vodafone reservierten die mobile Datenautobahn für ihre direkten Kunden, um sich von der Billigkonkurrenz abzugrenzen und höhere Preise zu rechtfertigen, sagt teltarif-Sprecher Falko Hansen.

Grund dazu haben sie allemal: Denn inzwischen ist der Anteil der Handynutzer, die bei einem Billiganbieter sind, weiter kräftig gestiegen. Und das knabbert an den Renditen. Sven Ehrmann, Telekom-Experte des Vergleichs-Portals Verivox, schätzt den Anteil auf ein Drittel. Zu diesem Bereich zählt er sowohl Wiederverkäufer, Discounttöchter der Netzbetreiber wie auch Supermarktangebote.

Bei den Preisen gibt er erst einmal Entwarnung, entgegen aller Prophezeiungen, die im Zusammenhang der Großfusion auf dem deutschen Mobilfunkmarkt geäußert wurden. "Der Wettbewerb ist in Deutschland nach wie vor stark genug, um Preisanstieg zu verhindern". Ob das aber langfristig so bleibt, ist unklar. Denn der Datenhunger der Handynutzer erfordert massive Investitionen in die Infrastruktur und das kostet viel Geld. (APA/dpa, 21.8.2015)

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