Neuer Ansatz gegen Autoimmunerkrankungen

29. Juli 2015, 14:58
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Forscher konnten Einfluss des Enzyms USP8 auf die Immunabwehr nachweisen

Konstanz – Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen einen direkten Zusammenhang zwischen dem Enzym USP8 ("ubiquitin specific protease 8") und der Anzahl von regulatorischen T-Zellen, die Autoimmunerkrankungen unterdrücken.

Die Studie, die in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsjournals "Nature Immunology" veröffentlicht wurde, identifiziert USP8 als aussichtsreichen Ansatzpunkt für pharmazeutische Wirkstoffe im Bereich der Autoimmunerkrankungen.

Hilfreiches Enzym

Ubiquitin ist ein Protein, das die Eigenschaften anderer Proteine modifiziert und für deren Abbau verantwortlich ist. Das vermehrte Auftreten von Ubiquitinketten kann zum Verlust von T-Zellen führen, die eine entscheidende Rolle in der Immunabwehr spielen.

Das Enzym USP8 verhindert diese Ubiquitinierung von Proteinen, indem es Ubiquitinketten vom betroffenen Protein "abschneidet". Die Studie des Universitätsklinikums Freiburg und Konstanz konnte einen direkten Zusammenhang zwischen USP8 und der Verhinderung des Abbaus von regulatorischen T-Zellen nachweisen.

Effekte im Mausmodell

Die Forscherinnen und Forscher stellten eine stark reduzierte Anzahl und verminderte Aktivität von regulatorischen T-Zellen in Mäusen fest, denen USP8 fehlt. Diese Mäuse sind stark anfällig für Autoimmunerkrankungen, insbesondere für eine entzündliche Darmkrankheit vergleichbar mit Morbus Crohn beim Menschen.

Die Wissenschaftler konnten ferner den molekularen Mechanismus nachweisen, der zu diesem Effekt führt. Durch die Abwesenheit von USP8 kann der Proteinabbau durch Ubiquitin nicht aufgehalten werden, was wiederum zur Reduzierung der regulatorischen T-Zellen und schlussendlich zur Erkrankung des Tiers führt.

Für die Forscher stellt USP8 ein neuer Ansatzpunkt für die Entwicklung von Arzneien gegen Autoimmunerkrankungen dar: Das Enzym weist eine hohe Selektivität auf und kann gezielt von Wirkstoffen beeinflusst werden. Über USP8 könnten künftige medizinische Therapien gezielt an der Steuerung der Anzahl und Aktivität regulativer T-Zellen ansetzen, so die Wissenschaftler. (red, 29.7.2015)

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