Otto Schenk: "Er war ein Genie und ein Urtalent"

23. Juni 2015, 13:36
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Würdigungen von Politikern aller Couleurs

Wien – Tief betroffen reagierte am Dienstag Otto Schenk auf das Ableben seines Lebensfreundes und Bühnenpartners Helmuth Lohner. "Mein halbes Theaterleben ist weg. Ich habe keinen Partner, der auch nur so ähnlich ist", sagte der Schauspieler. "Unser Zusammenleben war ein ständiges miteinander Theaterspielen. Ich kann das Loch gar nicht schildern, das er jetzt in mein Leben reißt."

Im Frühjahr hatte Schenk mit Lohner als Regisseur das Stück "Schon wieder Sonntag" geprobt und zur erfolgreichen Premiere gebracht. Lohners Krankheit sei "wie ein Damoklesschwert" über ihm geschwebt. "Er konnte aber vergnügt sein bis zum Schluss. Wir konnten miteinander lachen und blödeln", so Schenk, der hervorhob, dass Lohners Krankheit die Arbeit nicht beeinträchtigt habe: "Er wurde nicht müde, er hat nicht ein einziges Mal eine Stunde früher aufgehört."

Lohner habe eine zurückhaltende und nachdenkliche Seite gehabt, "aber er war überhaupt nicht zu orten, er war ein Mysterium. Er war ganz offen. Er war ein Mann aus dem Volk und konnte fabelhaft Aristokraten spielen. Er war ein Genie und ein Urtalent."

Staatsoperndirektor Dominique Meyer "tieftraurig"

Auch die Wiener Staatsoper trauert: "Ich bin tieftraurig über den Tod von Helmuth Lohner. Für mich war und bleibt er ein Eckstein des österreichischen Kulturlebens, ein umfassender Theatermensch", so Staatsoperndirektor Dominique Meyer. Lohner habe "neben seinem Vermächtnis im Bereich des Sprechtheaters und des Films auch als Darsteller und Regisseur das Musiktheater geprägt und nicht zuletzt mit seiner unvergleichlichen Personifikation von Wiener Bühnentypen à la Frosch oder 'Ariadne'-Haushofmeister auch Staatsoperngeschichte geschrieben". Die Silvester-"Fledermaus" in seinem ersten Direktionsjahr sei für ihn unvergessen.

Bundespräsident Fischer: "Hinreißender Schauspieler"

Der Tod von Lohner hat auch in der Politik zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Allen voran würdigte Bundespräsident Heinz Fischer den Verstorbenen. "Als hinreißender Schauspieler, als Regisseur, als Theaterdirektor und als Mensch der Kultur" habe er "viele Menschen begeistert und dem kulturellen Leben starke positive Impulse gegeben. Darüber hinaus war er ein besonders liebenswürdiger Mensch."

"Helmuth Lohner war ein wandlungsfähiger, disziplinierter und hochsensibler Darsteller", reagierte Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ). "Mit Helmuth Lohner verlieren wir einen Menschen und Künstler, der die österreichische Theaterlandschaft geprägt hat wie kein anderer."

"Helmuth Lohners Tod ist ein unglaublicher Verlust für die gesamte Kulturwelt", zeigten sich Wiens Bürgermeister Michael Häupl und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (beide SPÖ) tief betroffen und hoben seine "Intelligenz, Moral und einer schier endlosen Kreativität" hervor: "Das Theater war sein Leben, die Bühne in der Josefstadt ebenso sein zu Hause, wie Film und Fernsehen. Als engagierter Bürger mit Haltung hat er sich auch für die Zivilgesellschaft eingesetzt und sich für Weltoffenheit engagiert.

"Diese Nachricht macht mich sehr sehr traurig", meinte ÖVP-Kultursprecherin Maria Fekter in einer Aussendung. Lohner repräsentiere eine ganze Epoche der österreichischen Theaterwelt und stehe für beispiellose Schauspielkultur.

"Mit Helmuth Lohner ist eine ganz große Persönlichkeit von uns gegangen", sagte SPÖ-Kultursprecherin Elisabeth Hakel. Mit Lohner gehe "ein großer Künstler von uns, wie er nicht nachzubesetzen ist", meinte der freiheitliche Kultursprecher Walter Rosenkranz. Mit Lohner verliere "das österreichische Theater einen für das Land und seine Kultur geradezu stellvertretenden Darsteller", reagierte der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl. "Und Team Stronach Kultursprecherin Jessi Lintl: "Mit Helmuth Lohner hat die österreichische Theaterwelt einen ganz großen Künstler verloren. Ob am Burgtheater, in der Josefstadt oder in Salzburg – Lohner spielte sich in die Herzen der Menschen und wird in seinen großen Rollen unvergessen bleiben." (APA, 23.6.2015)

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