Ohne Auto zur Arbeit: Bis zu sieben Kilo Speck verlieren

20. Mai 2015, 05:30
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Eine Studie zeigt, dass die Wahl des Transportmittels zum Arbeitsplatz Einfluss auf das Körpergewicht hat

Übergewicht ist ein weltweit zunehmendes Problem: Mittlerweile hat laut dem Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) der Universität Washington jeder dritte Mensch zu dick. Was so viel heißt wie: Einen Body Mass Index (BMI) von über 25.

Da durch Übergewichtigkeit immer mehr Menschen an Erkrankungen wie Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, sind kollektive, einfach anwendbare Lösungen gefragt. Eine neue Langzeitstudie, die im "Journal of Epidemiology & Community Health" veröffentlicht wurde, bietet einen Ansatz.

Das zentrale Ergebnis der Untersuchung: Wie Menschen den Weg zur Arbeit zurücklegen, wirkt sich auf ihr Körpergewicht aus. Die logische Folgerung daraus: Wenn immer mehr Pendler rund um den Erdball vom Auto aufs Rad umsteigen oder zu Fuß in die Arbeit gehen würden, könnte der durchschnittliche BMI der Weltbevölkerung gesenkt werden.

Befragungsstudien in Großbritannien

Grundlage dieser Annahme ist das Umfrageergebnis der British Household Panel Survey (BHPS). In drei Befragungswellen zwischen den Jahren 2004 und 2007 wurden insgesamt 4.000 Menschen interviewt. Bei jeder Runde gaben die Teilnehmer darüber Auskunft, wie sie den täglichen Weg zur Arbeit zurücklegen. Auch Körpergewicht und Größe, aus denen sich der BMI errechnet, wurden abgefragt.

Aufgrund der daraus entstandenen Daten stellten sich die Forscher unter anderem folgende Fragen: Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Wahl des Transportmittels zur Arbeit und dem Körpergewicht? Und: Welchen Einfluss hat der Umstieg von passivem auf aktiven Transport und auf das Gewicht von Pendlern?

Verzicht auf Auto: Ein Kilogramm weniger

Die erste Analysen konzentrierte sich auf Personen, die vom Auto auf aktive Fortbewegungsmittel wechselten. Von den 3.269 Teilnehmern hörten 179 damit auf, mit dem Auto in die Arbeit zu fahren. 109 davon entschieden sich dafür, künftig zu Fuß zu gehen, 70 für den öffentlichen Verkehr.

Das über zwei Jahre hinweg geänderte Verhalten wirkte sich positiv auf das Körpergewicht aus: Der Umstieg brachte, unter Miteinbeziehung weiterer Faktoren, eine statistisch signifikante durchschnittliche Reduktion des BMI von 0,32 Kilogramm pro Quadratmeter mit sich. Das entspricht einem Gewichtsverlust von durchschnittlich rund einem Kilogramm pro Person.

Je länger die Pendelzeit, desto größer war dabei der Gewichtsverlust: Wer täglich länger als zehn Minuten zum Arbeitsplatz brauchte, nahm durchschnittlich rund zwei Kilogramm ab. Pendler, die eine halbe Stunde zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs waren, konnten ihr Gewicht durchschnittlich um sieben Kilogramm reduzieren.

Wer aufs Auto umsteigt, nimmt zu

Die zweite Analyse untersuchte das umgekehrte Verhalten: Von 787 befragten Personen stiegen 268 Menschen von einer aktiven auf eine passive Fortbewegung um. Konkret wechselten 156 Teilnehmer von aktiver Fortbewegung (Rad fahren oder gehen) und 112 von Öffis auf den eigenen Wagen. Die Folge: Das Körpergewicht erhöhte sich im Mittel um ein Kilogramm.

Die Studie liefert auch sozioökonomische Erkenntnisse: Generell waren eher jüngere Teilnehmer bereit, vom Auto auf eine andere Transportmöglichkeit – oder umgekehrt – zu wechseln. Menschen mit geringerem Haushaltseinkommen und kürzeren Pendlerstrecken sind zudem mehr gewillt als andere, durch aktive Fortbewegung zum Arbeitsplatz zu gelangen. Höher Gebildete tendieren eher zum öffentlichen Verkehr als zum Radfahren oder Gehen. (maka, 20.5.2015)

  • Wer auf das Auto verzichtet, schont nicht nur seine Nerven: Pendler, die eine halbe Stunde zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs waren, konnten ihr Gewicht durchschnittlich um sieben Kilogramm reduzieren, so das Ergebnis einer Studie.
    foto: apa/dpa/marc müller

    Wer auf das Auto verzichtet, schont nicht nur seine Nerven: Pendler, die eine halbe Stunde zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs waren, konnten ihr Gewicht durchschnittlich um sieben Kilogramm reduzieren, so das Ergebnis einer Studie.

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