Digitalradio ohne ORF und Kronehit

24. März 2015, 07:55
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Nach unbestätigten Infos vom Küniglberg - ORF-Beschluss gegen Testbetrieb soll vorige Woche gefallen sein

Wien - Österreichs größter Privatsender zieht sich fix vom geplanten Probelauf für Digitalradio in Wien zurück. Die Beteiligung des ORF ist mehr als fraglich – und damit womöglich auch der vielfach verschobene Testbetrieb selbst.

Der ORF soll nach neuen STANDARD-Infos vorige Woche beschlossen haben, dass er sich nicht am Pilotversuch für DAB+ beteiligt

Weil sich der ORF als Beherrscher des Radiomarkts über Jahre zierte, verzögerte sich auch der Testbetrieb für DAB+ seit 2011. In der Schweiz läuft Digitalradio schon, dort sollen die UKW-Sender 2024 ganz verstummen. In Deutschland ist DAB+ der zweite Anlauf – mit einigen Schwierigkeiten.

Neue Geräte, neue Konkurrenz

Radiohörer brauchen für DAB+ neue Empfänger – das fördert das Interesse von Elektronikherstellern und -Händlern wie Media Markt.

DAB+ bietet – wie alle digitalen Sendetechniken – Platz für mehr Kanäle. Das interessiert Radiobetreiber, die sich bisher keine oder nur lokale oder regionale Lizenzen sichern konnten.

Das stört umgekehrt aber mit Frequenzen gut austestattete Sender wie den ORF, der sich mit Ö3, Bundeslandradios sowie Ö1 und FM4 drei Viertel des Radiomarktes sichert. Und das bisher einzige Privatradio mit bundesweiter Lizenz, für das mühsehlig regionale und lokale Lizenzen zu sammeln waren.

Sechs Millionen Ergebnis

Lange brauchte Kronehit damit, um aus tiefroten Zahlen zu schmucken operativen Ergebnisse von gut sechs Millionen zu kommen. "Es ist kein Geheimnis, dass ich von DAB+ nicht so rasend überzeugt bin", sagt Swoboda im Gespräch mit dem STANDARD.

Trotzdem reihte sich Kronehit für den Testbetrieb unter Digitalradiofans wie die Macher von Radio Arabella und Lounge FM, unter die Salzburger Welle 1, Radio Maria und Radio ERF, einen Rocksender der Styria und Life Radio.

"Frontalangriff auf UKW"

Swoboda sagt, er sieht webbasiertes Radio als das zukunftsträchtige Digitalradio; und wenn UKW dadurch irgendwann zur schwer leistbaren Marginalie wird, könne man ja gern auf das günstigere DAB+ umsteigen.

Den Rückzug erklärt Swoboda mit dem Marketingkonzept für DAB+ und den Pilotversuch, getragen von der Elektronikbranche: Er nennt es einen "Frontalangriff auf UKW". Und er lasse sich damit nicht die Gattung Radio "demolieren".

Ö3 mal zwei

Swoboda warnte auch vor einem weiteren ORF-Jugendsender, den die Ö3-Mannschaft auf DAB+ ausprobieren sollte.

Ohne ORF

Aber: Der ORF dürfte sich nun nach – zunächst unbestätigten – Infos vom Montag vom Küniglberg ebensowenig am Test beteiligen. Im Antrag für den Wiener Testbetrieb sollen mehrere Programmplätze offen geblieben sein, offenbar reserviert für den ORF.

Der Digitalradioverband ließ eine Anfrage Montag unbeantwortet. (fid, 23.3.2015, aktualisiert)

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