Sony Smartwatch 3 im Test: Praktischer Klotz am Arm

24. Februar 2015, 17:04
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Keine Schönheitskönigin aber gute Standalone-Funktionen für Läufer

Mit 720.000 ausgelieferten Android-Wear-Geräten sind Smartwatches noch nicht auf dem Massenmarkt angekommen. Ein Grund dafür könnte sein, dass Uhren unter anderen auch als Fashion-Accessoire getragen werden. Bislang fehlte es den Herstellern noch am modischen Gespür. Allmählich ändert sich das, auch bei Sonys im September auf der IFA vorgestellter Smartwatch 3.

foto: standard/riegler
Sonys Smartwatch 3 ist mit einem transreflektiven LCD (1,6 Zoll) ausgestattet.

Display

Die Smartwatch ist mit einem 1,6 Zoll großen Display mit 320 x 320 Pixel ausgestattet. Durch die hohe Pixeldichte wird Text auf dem kleinen Bildschirm scharf dargestellt und ist gut leserlich. Wie auch schon bei den Vorgängermodellen ist das Display quadratisch, wobei Rahmen und Gehäuse etwas höher als breit sind. Der LCD-Bildschirm spiegelt zwar intensiv, dennoch ist die Anzeige auch in heller Umgebung noch lesbar.

Dabei fällt auf, dass der Blickwinkel nicht sehr hoch ist und die Farben schon bei leichtem Kippen - etwa wenn man den Arm dreht - verändert erscheinen. Auch sind die Farben nicht so leuchtend wie etwa bei Modellen mit OLED-Screen. Die Helligkeit des Bildschirms passt sich dank Umgebungslichtsensor automatisch an, kann aber auch manuell eingestellt werden.

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Das schwarze Kunststoffarmband wirkt besonders wuchtig.

Gehäuse und Armband

Der Kern der Smartwatch wiegt 45 Gramm und ist aus Metall gefertigt. Dank des abgerundeten Designs fühlt sich die Rückseite der Uhr angenehm an. Da der einzige Anschluss auf der Rückseite (microUSB) mit einer Gummiklappe verschlossen ist, ist die Smartwatch 3 nach IP68 wassergeschützt. Damit kann sie maximal 1,5 Meter tief bis zu 30 Minuten unter Süßwasser verbleiben. Bei Regen oder am Pool sollte man also nichts zu befürchten haben.

Das im Lieferumfang enthaltene Kunststoffarmband in verschiedenen Farben ist zwar für Sportler geeignet, da es sich leicht reinigen lässt. Das Armband ist aber nicht sehr raffiniert gestaltet, sehr dick und macht die Uhr damit eher zu einem Klotz am Handgelenk, der beim schwarzen Modell entfernt an elektronische Fußfesseln erinnert.

Wie eingangs erwähnt hat Sony jedoch dazugelernt. Alternativ kann mittlerweile auch ein ein klassisches Edelstahlarmband gewählt werden, das die Smartwatch bürotauglicher macht. Die Bänder können leicht gewechselt werden.

Sony will in Kürze auch eine Gehäusehalterung auf den Markt bringen, die es ermöglicht jedes beliebige 24mm-Uhrband zu verwenden. Träger können das Gadget somit wesentlich persönlicher gestalten. Manko hier ist, dass die ohnehin schon recht große Smartwatch dadurch noch größer ausfällt.

foto: sony
Die Armbänder sind austauschbar. Demnächst gibt es auch eine Gehäusehalterung, mit der man normale Uhrbänder verwenden kann.
foto: sony
Die teurere Variante mit Edelstahlarmband

Smartwatch-Funktionen

Auf der Uhr läuft Googles Android Wear. Nutzer erhalten damit beispielsweise Benachrichtigungen von ihrem Smartphone, können sich das Wetter anzeigen lassen, erhalten Informationen zu Reisen, Verkehrslage und Arbeitsweg und können sich an Termine oder Kalendereinträge erinnern lassen. Daneben stehen auch Apps bereit, die extra für Android Wear entwickelt wurden. Im Play Store findet man eine Auswahl von sozialen Medien wie Pinterest über Messaging-Dienste wie WhatsApp und Threema bis zu To-Do-Listen, Spielen und Musikanwendungen. Der Startscreen kann durch die Wahl verschiedener Ziffernblätter individuell gestaltet werden.

Bedient wird die Smartwatch einerseits über eine Ein-, Aus- und Aufwachtaste sowie über den Touchscreen und Spracheingabe. Die Taste befindet sich auf der rechten Gehäuseseite und ist für Linkshänder etwas umständlich erreichbar. Die Steuerung von Android Wear an sich ist relativ intuitiv, ein Tutorial beim ersten Starten der Uhr hilft beim Eingewöhnen.

Voraussetzung ist allerdings ein Smartphone mit Android ab Version 4.3. Die Verbindung erfolgt über Bluetooth 4.0. Somit kann die Uhr nur mit aktuelleren Android-Phones genutzt werden oder mit Geräten, die noch ein Update erhalten haben. Andere Plattformen wie iOS oder Windows Phone werden nicht unterstützt. Für mehrere Funktionen muss sich das Smartphone in der Nähe befinden. Insofern unterschiedet sich die Uhr nicht von anderen Modellen mit Android Wear.

screenshots: sony
Auf der Smartwatch läuft Android Wear.
foto: standard/riegler
Voraussetzung ist ein Android-Smartphone ab Version 4.3.

Fitness-Features

Praktisch bei der Sony Smartwatch 3 ist jedoch, dass sie neben Beschleunigungssensor, Kompass und Gyroskop auch über einen integrierten GPS-Sensor verfügt und somit nicht auf die Standortdaten des Smartphones zurückgreifen muss. Damit kommt man etwa zum Joggen alleine mit der Uhr aus. Um sich die zurückgelegte Strecke anzusehen, muss die Smartwatch wieder mit dem Handy gekoppelt werden. Ebenfalls eine Standalone-Funktione: In den integrierten 4-GB-Speicher kann man Songs laden, sodass man unabhängig vom Android-Hauptgerät Musik hören kann.

In Google Play gibt es mehrere Fitnessanwendungen, wie die populären Lauf-Apps Endomondo, RunKeeper und Runtastic. Google bietet mit Fit auch eine eigene Fitness-App an, mit der man Trainingseinheiten diverser Sportarten überwachen kann.

Ein Herzfrequenzmesser ist im Gegensatz zu einigen Modellen anderer Hersteller nicht vorhanden. Das ist einerseits unpraktisch, da man beim Joggen einen zusätzlichen Pulsmesser verwenden muss. Allerdings ist die Messung professioneller Pulsgeräte auch exakter als die diverser Smartwatches.

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Fitness-Apps wie RunKeeper können über den Google Play Store geladen werden.

Performance

Überraschen kann die Smartwatch bei der Akkulaufzeit. Sony hat eine 420mAh-Batterie integriert - andere Hersteller verbauen zumeist schwächere Akkus - die nach Angaben des Herstellers bis zu zwei Tage halten soll. An diesen Wert kommt man auch in der Realität annähernd heran, sofern man die Uhr nicht längere Zeit durchgehend aktiv nutzt und das Display eingeschaltet bleibt. Die durchgehende Nutzung der App RunKeeper zur GPS-Aufzeichnung der Laufstrecke hat den Akkuladestand um knapp 30 Prozent sinken lassen.

Bei passiver Nutzung muss die Uhr erst nach etwa eineinhalb Tagen wieder aufgeladen werden. Das Anschließen des sehr kurzen USB-Ladekabels an das Gerät gestaltet sich dabei allerdings etwas fummelig. Vollständig aufgeladen ist sie dafür in weniger als einer Stunde.

Auch an der Performance der Uhr gibt es kaum etwas auszusetzen. Mit dem 1,2 GHz starken ARM Cortex-A7 Quad-Core-Prozessor und 512 MB RAM verfügt die Uhr über genug Rechenkraft, um Funktionen und Anwendungen flüssig auszuführen. Auch Spracheingaben werden akkurat und ohne große Verzögerung erkannt. Ist das Display ausgeschaltet, muss man nur den Arm heben um es zu aktiveren - hier kam es im Test stets zu einer leichten Verzögerung. Teilweise muss man die Uhr etwas bewegen, damit sich der Screen einschaltet.

Da auch NFC und WLAN an Bord sind, ist die Uhr für zukünftige Einsatzmöglichkeiten gerüstet. Bislang können mit NFC nur Apps von der Uhr aus am Smartphone gestartet werden. WLAN kann derzeit noch nicht genutzt werden.

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Der microUSB-Anschluss an der Rückseite dient zum Aufladen der Smartwatch und ist mit einer Gummiklappe geschützt.

Fazit

Sony ist mit der Smartwatch 3 durchaus ein gutes Gesamtpaket gelungen. Integriertes GPS macht die Uhr für Läufer und Wanderer interessant, dank des wassergeschützten Gehäuses muss man Regen nicht scheuen. Mit NFC und WLAN ist sie erweiterbar. Plus: der starke Akku verhindert, dass die Uhr nach wenigen Stunden schon der Saft ausgeht. Verbesserungsbedarf gibt es bei Display und Design. Sportler, die nicht noch extra ein Zusatzgerät tragen wollen, müssen auf ihre Pulsmessung verzichten. Der Preis beginnt bei 230 Euro. Das Edelstahlmodell kostet 280 Euro. (Birgit Riegler, derStandard.at, 24.2.2015)

Hinweis im Sinn der redaktionellen Richtlinien: Das Testgerät wurde der Redaktion für einen begrenzten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

Links

Sony Smartwatch 3

Android Wear

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