Internetausfall in Nordkorea: Spekulationen um Hacker-Angriff

23. Dezember 2014, 18:54
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Netz am Dienstag erneut völlig weg – Washington kündigte "Antwort" auf Cyberangriff an

Pjöngjang/Washington/Tokio – Mitten im Streit mit den USA um einen Hackerangriff auf das Filmstudio Sony Pictures ist das ohnehin störanfällige Internet in Nordkorea stundenlang komplett ausgefallen. Erst nach neuneinhalb Stunden seien die Verbindungen wiederhergestellt worden, schrieb die auf Internetsicherheit spezialisierte US-Analysefirma Dyn Research am Dienstag beim Kurznachrichtendienst Twitter. Am Dienstag sind die vier Onlinenetzwerke des Landes um 16.41 Uhr allerdings erneut offline gegangen.

Spekulationen

Die Störungen vom Montag lösten Spekulationen über einen möglichen Hackerangriff aus. Auch die südkoreanische Regierung teilte mit, das Internet in dem weitgehend isolierten Nachbarland sei stundenlang unterbrochen gewesen. Es werde überprüft, ob es sich um eine Cyberattacke oder einen internen Systemcheck gehandelt habe, hieß es aus Regierungskreisen in Seoul. Es habe keine Probleme mit nordkoreanischen Propaganda-Websites wie Uriminzokkiri oder Naenara gegeben, die über Server im Ausland erreichbar sind.

"Es gibt normalerweise vereinzelte Ausfälle, aber keine länger andauernden Verbindungsprobleme", sagte der leitende Mitarbeiter von Dyn Research, Doug Madory, dem US-Nachrichtensender CNN. Er wäre nicht überrascht, wenn gegen das Land eine Art Cyberattacke laufen würde, sagte er kurz nach dem Auftreten der Internetstörungen in Nordkorea. Es sei, "als wenn Nordkorea von der globalen Landkarte des Internets ausradiert wurde", wurde Matthew Prince, Chef der Sicherheitsfirma CloudFlare, zitiert.

Eliten betroffen

Einem Bericht des US-Senders NBC zufolge bestritt ein US-Regierungsvertreter entschieden, dass die Vereinigten Staaten etwas mit dem Ausfall zu tun hätten. Laut NBC sind von der Internetunterbrechung die Eliten des weltweit isolierten kommunistischen Staates betroffen, der Großteil der Bevölkerung verfügt über keinen Internetzugang.

Die Analyse von Dyn Research zeigt den Umfang des Ausfalls.

Die US-Regierung hatte Nordkorea für einen Hackerangriff auf das Unternehmen Sony Pictures verantwortlich gemacht und am Montag vorgeschlagen, Nordkorea solle dafür Entschädigung zahlen. "Wenn sie hier behilflich sein wollen, dann sollten sie ihre Schuld eingestehen und Sony entschädigen", sagte US-Vize-Außenamtssprecherin Marie Harf in Washington. US-Präsident Barack Obama hatte am Sonntag dem Nachrichtensender CNN gesagt, Nordkorea solle wegen der Hackerattacke auf Sony möglicherweise nach sechs Jahren wieder auf die Liste der Staaten gesetzt werden, die den Terror unterstützen.

Keine eindeutige Ursache für Ausfall

Die US-Regierung prüft nach Angaben von Harf eine Reihe von Optionen, um gegen die Internet-Attacke auf Sony Pictures vorzugehen. Sie äußerte sich aber nicht dazu, ob die USA für den Ausfall des nordkoreanischen Netzes verantwortlich seien. "Ich habe heute nichts Neues über Nordkorea mitzuteilen", sagte die Außenamts-Sprecherin Marie Harf am Dienstag in Washington.

Nach den Worten des Vize-Chefs von Dyn Research, Earl Zmijewski, gibt es keine eindeutige Ursache für den Ausfall: "Sie können beschlossen haben, die Verbindung einfach zu kappen, sie können aber ebenso einer Panne oder einem Angriff zum Opfer gefallen sein."

Regierung in Pjöngjang hinter Angriff auf Sony?

Ein Angriff anonymer Hacker und mysteriöse Anschlagsdrohungen auf US-Kinos hatten Sony bewogen, den für kommenden Donnerstag geplanten Filmstart von "The Interview" abzusagen. Dem Konzern entstand dadurch nach Expertenschätzung ein Schaden von einer halben Milliarde Dollar. Nach Erkenntnissen des FBI steht die Regierung in Pjöngjang hinter dem Angriff.

Im Zentrum der Affäre steht eine Gruppe mit dem Namen Guardians of Peace (GOP), die Ende November einen Cyberangriff auf Sony gestartet und interne Dokumente und E-Mails veröffentlicht hatte. Vor einigen Tagen sprach die Gruppe wegen der Parodie "The Interview", in der es um ein angebliches Mordkomplott gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un geht, ominöse Drohungen aus und erinnerte an die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA. Daraufhin entschieden mehrere Kinoketten, den Film aus dem Programm zu nehmen.

China Netcom

Nordkorea hat nur begrenzten Zugang zum Worldwide Web. Laut Zmijewski läuft die gesamte Telekommunikation über China Netcom, einer Tochter von China Unicom. "Als Nordkoreas einziger Internetprovider wäre es für China Unicom ein Leichtes, den Zugang zu blockieren", sagte Zmijewski. Washington hatte China um Mithilfe gebeten, um die nordkoreanischen Hackeraktivitäten zu stoppen. Beide Länder stehen aber selbst im Streit um Hackerangriffe auf US-Unternehmen.

Dementi

China selbst weist allerdings jegliche Beteiligung zurück. Berichte über ein Kappen der Verbindung durch China seien "unverantwortlich", sagte eine Sprecherin der Außenamtes in Peking am Dienstag. (APA, 23.12.2014)

  • Kim Jong-un schaut auf einen Computer in Nordkorea.
    foto: reuters/kcna

    Kim Jong-un schaut auf einen Computer in Nordkorea.

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