Umfrage: Ohrfeige für 27 Prozent akzeptables Erziehungsmittel 

21. Juli 2014, 16:20
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Grün-Wähler versuchen, gewaltfrei zu leben

Fragt man die Österreicherinnen und Österreicher, ob eine "g'sunde Watsch'n" akzeptabel wäre, weil sie früher und heute niemandem schaden würde, stößt man auf breite Ablehnung. 44 Prozent lehnen die Aussage völlig ab, 23 überwiegend. Nur neun Prozent stimmen der Aussage völlig zu, 18 Prozent eher.

Das ist eine Minderheit - legt man diese 27 Prozent der mehr oder weniger starken Befürworter von Gewalt in der Erziehung aber auf die Grundgesamtheit der Wahlberechtigten um, kommt man auf immerhin 1,7 Millionen Österreicher, die eine Ohrfeige für ein akzeptables Erziehungsmittel halten, 570.000 erwachsene Österreicher würden sie bedenkenlos einsetzen.

"Bereitschaft scheint da zu sein"

"In Haushalten mit Kindern ist die Bereitschaft zwar etwas geringer, aber man kann davon ausgehen, dass etwa jeder 20. Erwachsene, der mit Kindern zusammenlebt, körperliche Züchtigung als unschädlich ansieht", sagt David Pfarrhofer vom Linzer Market-Institut, der im Vorjahr eine entsprechende Umfrage für den STANDARD durchgeführt hat. Nachsatz: "Das heißt nicht, dass zehntausende Eltern ihre Kinder schlagen, das haben wir nicht erhoben und bekämen dies wohl auch nicht ehrlich beantwortet. Aber eine Bereitschaft scheint da zu sein."

Eine Auswertung der Daten der Watsch'n-Frage zeigt, dass die Bereitschaft zur Körperstrafe in verschiedenen Bevölkerungsteilen unterschiedlich ausgeprägt ist. Zwar warnt Pfarrhofer davor, die Zahlen allzu detailliert zu interpretieren (dafür ist eine Stichprobe von 603 Befragten zu klein), doch lassen sich in der Grafik gewisse Trends erkennen: Erklärte Grün-Wähler lehnen die Ohrfeige als Erziehungsmittel in einem deutlich höheren Maß ab als etwa die Wähler der Freiheitlichen. Die blauen Wähler halten Ohrfeigen in auffallend hohem Maß für akzeptabel, beinahe jeder Zweite von ihnen äußert sich in diesem Sinn. Die Ablehnung steigt auch mit dem Bildungsniveau. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 22.7.2014)

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