Gewalt in der Erziehung: Eine Bankrotterklärung

Kommentar21. Juli 2014, 17:52
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In der Kindererziehung ist kein Platz für Schläge, und doch halten 1,7 Millionen Österreicher Ohrfeigen für akzeptabel

So funktioniert Erziehung in Österreich - immer noch: Das Kind wird ermahnt zu folgen, dann vielleicht noch einmal - und wenn immer noch nichts geht, landet die Hand der Mutter oder des Vaters auf der Kinderwange oder dem Po. Nichts weiter passiert. Oder doch?

Dass Experten seit langem predigen, wie die vermeintlich "g'sunde Watsch'n" Kinder erniedrigt, ihnen Schmerz zufügt und als Erziehungsmittel nicht taugt, scheint bei immer noch viel zu vielen Eltern nicht anzukommen. Rechnet man eine aktuelle STANDARD-Umfrage hoch, halten 1,7 Millionen Österreicher Ohrfeigen für akzeptabel.

Gewalt wird mit zweierlei Maß beurteilt: Wird ein Kind misshandelt, ist die Empörung groß. Gleichzeitig pardoniert man den "Klaps" oder die "Tachtel". Dabei ist das die offen zur Schau gestellte erzieherische Bankrotterklärung. Eltern haben für ihre Kinder Verantwortung übernommen. Sie sollen die Kleinen nach bestmöglichem Wissen fördern, ihre Entwicklung positiv gestalten. Da ist kein Platz für Schläge - oder für psychische Gewalt, die bei jedem Übergriff mit einhergeht, vor dem das Kind Angst hat.

Überforderten Eltern gehört geholfen. Sie müssen wissen, wo sie in Krisensituationen Rat einholen können. Im Mutter-Kind-Pass könnten Elternstunden zur gewaltfreien Erziehung festgeschrieben werden. Angesichts der Zahlen muss man nämlich attestieren: Professioneller Nachhilfeunterricht ist vielerorts dringend notwendig. (Peter Mayr, DER STANDARD, 22.7.2014)

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