Coronavirus: Österreich plant Meldepflicht für Infektionen

18. Mai 2013, 13:50
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40 Fälle von Erkrankungen weltweit seit April vergangenen Jahres - Weiterer Fall in Saudi Arabien

Wien - In Österreich ist am Freitag eine Verordnung des Gesundheitsministeriums in Begutachtung gegangen, welche die Meldepflicht von Verdachtsmomenten, Erkrankungen und Todesfällen durch das neue Coronavirus vorsieht. "Das dient vor allem dazu, in einem Anlassfall sofort schnelle Maßnahmen ergreifen zu können", erklärte Pamela Rendi-Wagner, Sektionsleiterin für Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium. "Es gibt eine Zunahme der Fälle seit Anfang 2013, vor allem in den vergangenen drei Monaten. Zwar gibt es keine Empfehlungen der WHO für Reisebeschränkungen für die arabische Halbinsel (Saudi Arabien und angrenzende Staaten, Anm.), aber es handelt sich doch um ein internationales Gefährdungspotenzial. Nicht ausgeschlossen ist, dass eine solche Infektion auch nach Österreich 'exportiert' wird", sagte die Expertin.

Laut den vorläufig letzten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind seit April vergangenen Jahres weltweit über 40 Fälle von Erkrankungen aufgetreten. Die Letalität (= Verhältnis der Todesfälle zur Zahl der Erkrankten) betrug rund 50 Prozent. Saudi-Arabien ist am stärksten von dem Virus betroffen, das außerdem in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Jordanien gemeldet wurde. In Deutschland starb Mitte März in München ein Mann an dem Virus. Der 73-Jährige war zur Behandlung aus Abu Dhabi nach Deutschland gebracht worden.

Weiterer Fall in Saudi Arabien

In Saudi-Arabien ist indes auch ein neuer Fall einer Infektion mit dem Virus aufgetaucht. Wie das Gesundheitsministerium am Samstag bekannt gab, infizierte sich ein weiterer Mensch im Osten den Landes. Die Zahl der Erkrankten in Saudi-Arabien stieg damit seit September auf 31, von ihnen starben 15 Menschen.

Nach Angaben der WHO vom Mittwoch haben sich in Saudi-Arabien erstmals auch zwei Krankenhausmitarbeiter bei Patienten angesteckt.

Middle East respiratory syndrome Corona Virus

International wird das Virus seit Donnerstag nicht mehr "neues" Coronavirus (nCoV), sondern MERS-CoV (Middle East respiratory syndrome Corona Virus) genannt. Das bezeichnet die Herkunft näher und vermeidet den Begriff "neu". Solche Viren wird es auch in Zukunft immer wieder geben. Von den 40 Betroffenen - bis auf acht Fälle in Frankreich, Deutschland und bereits vergangenes Jahr in Großbritannien alle in Saudiarabien und Nachbarstaaten aufgetreten - ist die Hälfte verstorben.

Merkmale der Virusinfektion, so Pamela Rendi-Wagner: "Wir sehen eine starke Dominanz der Fälle unter Männern mit einer Relation zu den Frauen von einem Fall zu 0,2 Erkrankungen. Die Gründe dafür sind unklar. Es gibt auch Fälle von Übertragungen im Krankenhausbereich. Die Patienten hatten zumeist auch noch eine Immunschwäche aus anderen Gründen."

Herkunft nicht geklärt

Außergewöhnlich ist auch, dass die Herkunft des nCo-Virus und der Infektionsverlauf auch noch nach einem Jahr nicht geklärt werden konnte. Die Expertin: "Coronaviren verursachen Zoonosen. Sie stammen aus dem Tierreich. Für andere Coronaviren (z.B. die Sars-Erreger, Anm.) gibt es ein Reservoir bei Vögeln und Fledermäusen." Aber bei MERS-CoV weiß man noch überhaupt nicht, in welchen Tierarten die Erreger überleben, um schließlich auf den Menschen "überzuspringen" und dort dann Infektionsketten auszulösen.

Pamela Rendi-Wagner: "Wir haben in Österreich an der Referenzzentrale für virologische Erkrankungen (Department für Virologie der MedUni Wien, Anm.), wie auch bereits für A(H7N9), die Testkits für die Untersuchung etabliert. Die Verordnung soll eine Meldepflicht für Verdachtsfälle, Erkrankungen und Todesfälle durch diese Coronaviren etablieren. Die Begutachtungsfrist läuft rund vier Wochen. Es könnte also Anfang des Sommers soweit sein." Die Meldepflicht nach dem Epidemiegesetz ist auch die Voraussetzung für allfällige weitere Maßnahmen (Quarantäne für Betroffene; etc.) und soll auch den Informationsaustausch mit EU (Europäisches Zentrum für Krankheitskontrolle; ECDC/Stockholm) und WHO wahren helfen. (APA/red, derStandard.at,18.5.2013)

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